SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

10. Mai 2012, 22:56 Uhr

Millionenstreit um US-Hypotheken

Deutsche Bank büßt für Tricksereien

Der Vergleich kostet mehr als 200 Millionen Dollar: Die Deutsche Bank muss für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA geradestehen. Die Mitarbeiter der Immobilienfirma MortgageIt hatten jahrelang Kredite geschönt. 

New York - Die Deutsche Bank hat ihren wichtigsten Hypothekenstreit in den Vereinigten Staaten beigelegt. Das Frankfurter Geldhaus einigte sich am Donnerstag mit der US-Regierung im Verfahren um dubiose Hypothekenpraktiken ihrer Tochterfirma MortgageIT auf einen Vergleich. Um eine anhängige Klage aus der Welt zu schaffen, zahlt die Deutsche Bank 202 Millionen US-Dollar (rund 156 Millionen Euro). Mit dem Vergleich wird der Fall nun zu den Akten gelegt.

Wie die US-Justiz am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP zufolge mitteilte, räumte MortgageIT ein, sich mit falschen Angaben zu faulen Krediten Bürgschaften aus einem Regierungsprogramm erschlichen zu haben.

Mit dem Vergleich setzt der scheidende Konzernchef Josef Ackermann seine Aufräumaktion fort, um das Haus im kommenden Monat besenrein an seine Nachfolger übergeben zu können. Ackermann nannte den Kauf der Tochter laut "Financial Times Deutschland" einmal im kleinen Rahmen den "größten Fehler meiner Amtszeit".

Der konkrete Vorwurf gegen MortgageIT lautet, dass Mitarbeiter jahrelang die Angaben zu Krediten für Eigenheim-Besitzer geschönt haben sollen, damit der amerikanische Staat die Finanzierungen absichert. Als viele Kreditnehmer dann in der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, musste der Staat einspringen. Die Regierung habe großen finanziellen Schaden erlitten, erklärte der Bundesstaatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, am Donnerstag.

Der Deutschen Bank drohte eine Strafe von mehr als einer Milliarde Dollar

Die Staatsanwaltschaft hatte im Mai vergangenen Jahres Klage eingereicht. Im August 2011 hatten die USA der Deutschen Bank in der Causa MortgageIT vorgeworfen, bereits vor der Übernahme der Immobilientochter von deren windigen Hypothekengeschäften gewusst zu haben. Das Frankfurter Geldhaus hatte zunächst argumentiert, dass es nicht für die Praxis in der Zeit vor der Übernahme zur Verantwortung gezogen werden könne. Die US-Regierung hielt dagegen, die Bank habe die strittigen Fälle bereits bei der Prüfung der Bücher von MortgageIT gesehen.

Schlimmstenfalls hätte der Deutschen Bank eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als einer Milliarde Dollar gedroht. Die Bank räumte in einigen Punkten ein Fehlverhalten ein. "Wir sind zufrieden, dass wir diesen Vergleich erreicht haben", erklärte eine Banksprecherin in New York. Die Deutsche Bank habe bereits in voller Höhe vorgesorgt.

Die Deutsche Bank hatte MortgageIT Anfang 2007 für 430 Millionen Dollar übernommen und sich dadurch einen Einstieg in das damals boomende Geschäft mit Hypothekenkrediten in den USA verschafft - ausgerechnet kurz vor Beginn der Finanzkrise: Kurz darauf platzte die Immobilienblase. Die meisten beanstandeten Fälle spielten sich vor der Übernahme ab.

Die Citigroup hatte wegen ähnlicher Vorwürfe bereits 158 Millionen Dollar gezahlt, die Bank of America als einer der größten Haus-Finanzierer in den Vereinigten Staaten sogar eine Milliarde Dollar.

Die US-Justiz hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Verfehlungen aus der Finanzkrise zu ahnden. Bundesstaatsanwalt Bharara ist einer der Vorkämpfer - in sein Revier fällt die Wall Street. Auch die Börsenaufsicht SEC kämpft an vorderster Front. Zudem laufen zahllose Schadensersatz-Klagen innerhalb der Branche, weil sich eine Finanzfirma von einer anderen betrogen fühlt.

Zahlreiche Großbanken aus dem In- und Ausland mussten bereits millionenschwere Strafen und Wiedergutmachung zahlen. Der prominenteste Fall war bislang Goldman Sachs . Die SEC hatte der Investmentbank im Jahr 2010 vorgeworfen, ihre Kunden beim Geschäft mit Hypothekenpapieren übers Ohr gehauen zu haben. Am Ende zahlte Goldman Sachs in einem Vergleich 550 Millionen Dollar.

bos/dpa/AFP/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung