Deutsche-Bank-Chef Ackermann ruft schon wieder Ende der Krise aus

Es ist ein Déjà-vu der besonderen Art: Bereits zum zweiten Mal sieht Deutschlands wichtigster Banker bei der Finanzkrise das "Licht am Ende des Tunnels". Auch sonst ist er guter Dinge - und schaltet voll auf Angriff.
Josef Ackermann: Der Chef der Deutschen Bank gibt sich wieder angriffslustig

Josef Ackermann: Der Chef der Deutschen Bank gibt sich wieder angriffslustig

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Frankfurt am Main - Schon einmal hat Josef Ackermann das Ende der Finanzkrise ausgerufen und musste sich später reumütig korrigieren - jetzt prescht der Deutsche-Bank-Chef ein weiteres Mal vor: Er sehe inzwischen deutliche Anzeichen für eine Erholung an den Finanzmärkten, sagte Ackermann auf einer Tagung am Dienstag in Frankfurt am Main: Es gebe ein "Licht am Ende des Tunnels".

Zugleich warnte er aber vor zu großer Euphorie, da immer noch Risiken bestünden. Während die Banken bislang unter Abschreibungen aus der Immobilienkrise gelitten hätten, verlagere sich der Fokus nun zu Verlusten im Kreditgeschäft, sagte er. Vor diesem Hintergrund steige die Bedeutung der Risikovorsorge. Insgesamt müssten die Banken ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen und das Risikoprofil neu überdenken. Dabei will Ackermann mit der Deutschen Bank   durchaus Vorbild sein: "Wir haben die Refinanzierungsbasis konservativer gestaltet."

Gleichzeitig wehrte sich Ackermann gegen Vorwürfe, die Finanzinstitute hätten aus der Krise keine Konsequenzen gezogen. "Ja, es gibt leider Bankenvertreter, die so tun, als ob die Banken noch nichts dazugelernt haben", sagte der oberste Deutschbanker mit einem deutlichen Seitenhieb auf Commerzbank-Chef Martin Blessing. Dieser hatte vor kurzem die Sorge geäußert, dass die Krise vielleicht zu kurz gewesen sei, um ein Umdenken bei den Geldhäusern herbeizuführen.

Deutsche Bank will Konkurrenz Kunden abjagen

Sicherlich seien Fehler gemacht worden, räumte Ackermann ein. Aber die nötigen Reformen liefen an. Der Tenor von Deutschlands wichtigstem Banker, der gleichzeitig Präsident des mächtigen Internationalen Bankenverbandes IIF ist, lautete somit: "Schwamm drüber und nach vorne blicken".

Wie sehr Ackermann bereits wieder den Blick in die Zukunft richtet, zeigte er auch bei seinem Frontalangriff auf die Konkurrenz in Deutschland: "Wir müssen im Heimatmarkt alles tun, um den Marktanteil zu erhöhen, denn am Schluss ist der Heimatmarkt immer die Grundlage des Erfolgs auf globaler Ebene." Wenn eine Bank zuhause genug verdiene, sei sie schlicht nicht gezwungen, risikoreiche Investments andernorts einzugehen, sagte Ackermann.

Ganz so einfach will die Konkurrenz der Deutschen Bank den Markt aber nicht überlassen. "Wir werden alles tun, um Herrn Ackermann organisches Wachstum hierzulande schwer zu machen", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken Uwe Fröhlich. Sparkassen-Verbandschef Heinrich Haasis ergänzte: "Es wird derjenige den Wettbewerb der Zukunft gewinnen, der dieses Vertrauen am glaubwürdigsten verdient." Sparkassen und Genossenschaftsbanken vereinen in Deutschland bislang den Großteil der Kunden auf sich.

böl/dpa-afx/ddp
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