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11. Juli 2019, 20:09 Uhr

Deutsche Bank

Sewing kritisiert Anzuganprobe während Massenentlassung

Für edle Anzüge Maß nehmen lassen, während viele Kollegen entlassen werden - dieses Verhalten Londoner Führungskräfte sei respektlos, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dem "Handelsblatt".

Der vergangene Montag war für viele Deutsch-Banker in London ein bitterer Tag, etwa für die Mitarbeiter im Aktienhandel: Sie erfuhren von ihrer Entlassung, von der Schließung ihrer ganzen Abteilung. Zur gleichen Zeit jedoch hatten Führungskräfte der Bank Besuch - von Gesandten eines Londoner Nobelschneiders. Ein Verhalten, das nun auch der Vorstandschef der Deutschen Bank mit deutlichen Worten kritisiert.

"Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, dass in unserer Niederlassung in London am Montag jemand Schneider bestellt hat, um Maßanzüge auszumessen", sagte Christian Sewing dem "Handelsblatt". Das sei ein respektloses Verhalten und stehe "in keiner Weise im Einklang mit unseren Werten", ergänzte der Deutsche-Bank-Chef. Er habe persönlich mit den Führungskräften telefoniert. "Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die beiden Kollegen meinen Anruf nicht vergessen werden."

Am Sonntag hatte Sewing einen Großumbau der Deutschen Bank angekündigt, der unter anderem tiefe Einschnitte in das Investmentbanking vorsieht. Insgesamt will die Bank bis Ende 2022 weltweit 18.000 Stellen abbauen. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden, teilte die Bank bislang nicht mit.

Sewing sagte allerdings nun im "Handelsblatt", auch in Deutschland werde "eine substanzielle Zahl an Stellen wegfallen". Der Bankchef betonte, dass auch der schon seit längerer Zeit angekündigte Stellenabbau im Zusammenhang mit der Integration der Postbank in der Gesamtzahl von 18.000 wegfallenden Arbeitsplätzen enthalten sei.

Nach der im April geplatzten Fusion mit der Commerzbank sind Zusammenschlüsse oder größere Übernahmen für Sewing vorerst kein Thema mehr. "Jetzt lassen Sie uns bitte erst mal machen", sagte er der Zeitung. Wenn es denn dann dazu käme, seien für ihn Zusammenschlüsse auf europäischer Ebene logischer als auf nationaler - aber das sei Zukunftsmusik.

fdi

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