Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen Bankenverband hält Strafzins für möglich

Neuer Zündstoff in der Debatte um Negativzinsen: Der Bundesverband deutscher Banken schließt eine Belastung der Sparer nicht mehr aus. Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen fordert steuerliche Erleichterungen bei der EU-Bankenabgabe.
Jürgen Fitschen (Archiv): Jedes Institut muss sich mit dem Thema befassen

Jürgen Fitschen (Archiv): Jedes Institut muss sich mit dem Thema befassen

Foto: Kay Nietfeld/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Die Diskussion um Minuszinsen auf Spareinlagen reißt nicht ab. Angesichts des negativen Einlagenzinses der Europäischen Zentralbank (EZB) schließen auch Deutschlands Privatbanken Strafzinsen auf Kundeneinlagen nicht mehr aus.

"Jedes einzelne Institut muss sich mit dem Thema auseinandersetzen", sagte jetzt der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Er sei aber sicher, dass alle Banken "sehr verantwortungsvoll" mit dem Thema umgehen würden. Fitschen deutete in diesem Zusammenhang an, dass zumindest Sparer mit kleinen Einlagen zunächst von den Belastungen negativer Zinsen verschont bleiben dürften.

Die EZB verlangt Strafzinsen von Banken, die kurzfristig Geld bei ihr parken. Europas Notenbanker hatten den Einlagenzins für Banken Anfang Juni auf minus 0,1 Prozent gesenkt und den Leitzins auf 0,15 Prozent. Anfang September senkte die Zentralbank den Einlagesatz weiter auf minus 0,2 Prozent und den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent.

Zuletzt hatte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, Negativzinsen auf Spareinlagen bei den Sparkassen ausgeschlossen. Auch die Commerzbank hatte in der vergangenen Woche erklärt, Strafzinsen für ihre Privat- und Firmenkunden seien für das Unternehmen kein Thema.

Banken pochen auf Steuererleichterung für Abwicklungsfonds

Fitschen betonte erneut, dass wegen der historisch niedrigen Zinsen und des hohen Wettbewerbs ein großer Druck auf der Bankenbranche laste. Vor diesem Hintergrund erwarte er weitere Sparprogramme, etwa bei der IT und dem Personal.

Zudem drängte Fitschen auf steuerliche Erleichterungen bei den Beiträgen für den neuen EU-Bankenabwicklungsfonds. "Wenn die Bankenabgabe etwa in Frankreich, Spanien und Irland abzugsfähig ist, sollte dies auch in Deutschland der Fall sein", forderte Fitschen. "Ansonsten hätten wir einen klaren Wettbewerbsnachteil."

Der europäische Abwicklungsfonds ist neben der zentralen Aufsicht bei der EZB ein wesentlicher Teil der neuen Bankenunion. Ziel ist es, dass im Fall der Schieflage einer Bank die Steuerzahler nicht mehr die Hauptlast tragen sollen. Der Abwicklungsfonds soll bis zum Jahr 2024 mit 55 Milliarden Euro gefüllt werden. Einen Großteil - voraussichtlich 15 Milliarden Euro - dürften deutsche Institute beisteuern. Bis auf in Deutschland und in Zypern können Banken in anderen EU-Ländern die Kosten für die Zwangsabgabe als Betriebskosten beim Fiskus steuerlich geltend machen.

bos/dpa
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