Verdacht auf Prozessbetrug Deutsche-Bank-Chef Fitschen muss vor Gericht

Jetzt wird es ernst: Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen steht ab Ende April wegen mutmaßlichen Prozessbetrugs vor Gericht. Das Münchner Landgericht will nach SPIEGEL-Informationen die Klage der Staatsanwaltschaft wohl zulassen.
Co-Chef Fitschen: Prozess beginnt am 28. April

Co-Chef Fitschen: Prozess beginnt am 28. April

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

München - Erstmals seit dem legendären Auftritt von Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess im Jahr 2004 steht bald wieder ein aktiver Vorstandschef der Deutschen Bank vor Gericht. Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich gemeinsam mit vier ehemaligen Vorständen des Instituts vom 28. April an vor dem Münchner Landgericht wegen des Verdachts auf Prozessbetrug verantworten. Die fünf Manager sollen im Verfahren um die Pleite des Kirch-Medienimperiums falsch ausgesagt haben.

Im vergangenen Sommer hatte die Münchner Staatsanwaltschaft eine entsprechende Klage erhoben. Nun hat der zuständige Richter und Vorsitzende der fünften Strafkammer, Peter Noll, nach Angaben aus Justizkreisen beschlossen, das Verfahren zuzulassen. Damit beginnt einer der bislang spektakulärsten Prozesse in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nach Aussagen einer Sprecherin des Landgerichts hat Noll formal noch nicht über die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung entschieden. Aber in seinem Kalender hat er für den möglichen Prozeß vorsorglich schon mal Termine eingetragen.

Neben Fitschen sind die ehemaligen Bankchefs Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie die Ex-Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck angeklagt. Alle fünf haben jegliches Fehlverhalten bisher stets bestritten.

Besonders heikel ist die Anklage gegen Fitschen . Sie dürfte Spekulationen verstärken, wonach der Vorstandschef seinen Posten womöglich vor dem offiziellen Auslaufen seines Vertrags im Jahr 2017 aufgeben könnte. Fitschen selbst gibt sich in der Sache allerdings stets kampfeslustig und von seiner Unschuld überzeugt.

Allein aus Zeitgründen wäre ein Rücktritt wohl auch nicht nötig. Nach bisheriger Planung soll jeweils nur an einem Tag in der Woche verhandelt werden. Fitschen könnte seinen Amtsgeschäften also an den restlichen Arbeitstagen nachgehen.