Kapitalerhöhung und Katar-Einstieg Die erzwungene Einsicht der Deutschen Bank

Die geplante Kapitalerhöhung der Deutschen Bank ist ein gutes Zeichen: Endlich hat die Führungsspitze erkannt, dass eine solide Finanzierung nicht nur im Interesse der Steuerzahler ist.

Kochef Jain: "Wir schaffen einen Puffer"
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Kochef Jain: "Wir schaffen einen Puffer"

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Ein braver Bankbeamter wird aus Anshu Jain sicher nicht mehr. Der Kochef der Deutschen Bank ist in der alten Welt des Investmentbankings großgeworden. Damals, zwischen 1990 und 2007, zählte in der Branche vor allem eines: die Rendite. 25 Prozent des Eigenkapitals sollten es schon sein - diese Devise hatte Jains Vorgänger Josef Ackermann damals ausgegeben.

Solche Ziele ließen sich am einfachsten mit möglichst wenig Eigenkapital und einem möglichst hohen Schuldenstand erreichen. Und so genügten Instituten wie der Deutschen Bank damals zwei Prozent Eigenkapital, um erfolgreich zu sein. Der Rest, also 98 Prozent, waren Schulden. Entsprechend wackelig waren die Banken. Aber das interessierte kaum jemanden, im Zweifel half ja der Staat.

Man muss das vorweg schicken, um zu verstehen, was die Deutsche Bank nun vorhat: Sie will neue Aktien ausgeben und damit ihr Eigenkapital um acht Milliarden Euro erhöhen. Rund zwei Milliarden davon sollen von einem Scheich aus Katar kommen, der Rest wird breit verteilt. "Wir schaffen einen Puffer, um weiteren Gegenwinden zu trotzen, die man nicht wirklich vorhersagen kann", begründete Jain den Plan am Montag in einer Telefonkonferenz.

Heißt das also, dass nun endlich alle verstanden haben? Dass die alte Bankenwelt einer neuen, sichereren gewichen ist?

Es ist zumindest ein gutes Zeichen, wenn jemand wie Jain heute die Notwendigkeit von Eigenkapital anerkennt und "gute Gründe" für die Vorgaben der Regulierungsbehörden sieht, die Banken mit mehr eigenem Geld stabiler zu machen.

Der Konzern ist zu abhängig vom Investmentbanking

Die Einsicht ist allerdings erzwungen - von der Politik und von den Investoren. Auf Druck der G20-Staaten haben die Finanzaufseher und Regulierungsbehörden die formellen Anforderungen nach der Finanzkrise erhöht. Diese Vorgaben hat die Deutsche Bank auch schon vor der jetzt angekündigten Kapitalerhöhung erfüllt.

Doch das reicht nicht mehr aus: Mittlerweile schauen auch die großen Anleger an den Finanzmärkten nicht mehr nur auf die Rendite, sondern zunehmend auch auf die Sicherheit ihres Investments. Eine Bank, die die gesetzlichen Mindestvorgaben beim Eigenkapital nicht deutlich übererfüllt, wird an der Börse schnell zum Wackelkandidaten. So war es zuletzt auch der Deutschen Bank ergangen.

Dass sie nun in die Offensive geht, ist auch taktisch ein richtiger Zug. Denn in den kommenden Monaten steht der bisher größte Stresstest an: Die Europäische Zentralbank will überprüfen, ob die Finanzkonzerne auch einer neuen Krise standhalten würden. Da ist es besser, sich vorher mit ausreichend Kapital vollzusaugen, als das Geld hinterher mühsam zusammenzukratzen.

Nun wäre es schön, wenn die Bank auch an anderer Stelle mehr Einsicht zeigte und in der neuen Bankenwelt ankäme. Das betrifft vor allem die Investmentbankingsparte, die unter Ackermann und Jain in den vergangenen fünfzehn Jahren zur wichtigsten Säule des Konzerns wurde. Im schnellen Handel mit Währungen und Anleihen gehört die Deutsche Bank inzwischen weltweit zu den größten Playern.

Genau das ist nun das Problem der Bank: Sie ist von einem Geschäft abhängig, das erstens nicht mehr so stetig hohe Erträge abwirft wie früher und dessen Usancen sich zweitens nur schwer mit dem angekündigten Kulturwandel vereinbaren lassen. Während andere europäische Institute nicht nur ihr Geschäftsmodell geändert, sondern auch ihr Personal ausgetauscht haben, will die Deutsche Bank beides behalten und sich trotzdem ändern. Das ist mindestens schwierig.



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
robbyy 19.05.2014
1. Vorbei mit Saubermann...
Mit diesem Großaktionär ist wohl jede Hoffnung zu begraben, dass sich die Deutsche Bank von Lebensmittelspekulationen, Waffengeschäften oder anderen unethischen Geschäften zurückziehen könnte.....
megamekerer 19.05.2014
2. Der arme Scheich!
Sicher ist die geplante Kapitalerhöhung der Deutschen Bank ist ein gutes Zeichen, allerdings nur für die Deutsche Bank und nicht der Scheich von Katar, denn am Ende geht der Scheich leer aus. Wenn ich mich an die Beteiligung Iran in der 70er Jahren am Krupps denke, da der persische Kaiser viel auf dem Stahl als Material der Zukunft hielt und dann Krupps misse gemacht hat und die Teile wieder für nichts zurück gekauft und wieder Gewinne machte. Also hier passiert wieder das gleiche, ein Scheich der nicht genau über sein Geld Bescheid weiß, beteiligt sich an eine Bank die ab jetzt miese machen wird.
infopanter 19.05.2014
3. kapitalERHÖHUNG?!
Zitat von sysopREUTERSDie geplante Kapitalerhöhung der Deutschen Bank ist ein gutes Zeichen: Endlich hat die Führungsspitze erkannt, dass eine solide Finanzierung nicht nur im Interesse der Steuerzahler ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-die-kapitalerhoehung-ist-erzwungen-kommentar-a-970224.html
Der Scheich von Katar will über die Investmentfirma Paramount Services 30 Millionen Deutsche-Bank-Aktien shoppen! etwa fünf Prozent der Anteile, womit er größter Einzelaktionär der Bank wäre! für die deutsche Bank eine Scheinkapitalerhöhungen ohne nachhaltigen temporären noch monetär durchschlagenden Effekt ! bei der Ausgabe neuer Aktien erhöhen sich zudem die jährlichen Dividendenbelastungen, außerdem werden den Altaktionären ihre Anteile am Konzern verdünnt, der insgesamt noch 300 Millionen Aktien verscherbeln will. die Zeit solider Nennwerte einer Aktie sind passe
rainer_daeschler 19.05.2014
4. Großer Aktionär unter kleinen
Zitat von robbyyMit diesem Großaktionär ist wohl jede Hoffnung zu begraben, dass sich die Deutsche Bank von Lebensmittelspekulationen, Waffengeschäften oder anderen unethischen Geschäften zurückziehen könnte.....
Katar soll nur 25% der Kapitalerhöhung an Aktien kaufen. Das bedeutet aber, es besitzt dann nur 5% der Aktien gesamt. Damit ist Katar bei der überwiegend in Streubesitz sich befindenden Deutschen Bank ein "großer Aktionär", im Verhältnis zu den anderen, aber noch lange kein "Großaktionär".
muellerthomas 19.05.2014
5.
Zitat von megamekererSicher ist die geplante Kapitalerhöhung der Deutschen Bank ist ein gutes Zeichen, allerdings nur für die Deutsche Bank und nicht der Scheich von Katar, denn am Ende geht der Scheich leer aus. Wenn ich mich an die Beteiligung Iran in der 70er Jahren am Krupps denke, da der persische Kaiser viel auf dem Stahl als Material der Zukunft hielt und dann Krupps misse gemacht hat und die Teile wieder für nichts zurück gekauft und wieder Gewinne machte. Also hier passiert wieder das gleiche, ein Scheich der nicht genau über sein Geld Bescheid weiß, beteiligt sich an eine Bank die ab jetzt miese machen wird.
Wo sehen Sie denn die Parallelen in den beiden Fällen außer in der groben Gemeinsamkeit "Investor aus dem nahen Osten legt Geld in deutschem Unternehmen an"?
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