Investmentbanking Die Kapitulation der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank wollte eine internationale Investmentbank sein. Nun gibt das marode Geldhaus diesen Anspruch Stück für Stück auf. Eine überzeugende Strategie bleibt aber auch der neue Chef Sewing schuldig.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Gerade einmal 18 Tage ist der neue Deutsche-Bank-Chef im Amt - und glaubt man seinen markigen Worten, dann wird Christian Sewing vieles umkrempeln. "Wir werden den Kurs unserer Bank jetzt ändern", verkündete Sewing am Donnerstagmorgen in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Es gibt keine Zeit zu verlieren." Der Kern der Bank müsse "neu definiert" werden.

Wie nötig eine Kursänderung wäre, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen, die die Deutsche Bank   nun veröffentlichte. Gerade einmal 120 Millionen Euro hat das größte Geldhaus des Landes von Januar bis März verdient - fast 80 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die US-Bank JP Morgan schaffte im selben Zeitraum einen Gewinn von umgerechnet 2,7 Milliarden Euro, die Investmentbank Goldman Sachs kam immerhin auf 2,3 Milliarden Euro.

Mit solchen Namen hat sich die Deutsche Bank bis zuletzt gerne verglichen. Sie wollte ganz vorne mitmischen im internationalen Investmentbanking-Geschäft. Das war der Traum früherer Konzernchefs wie Josef Ackermann oder Anshu Jain - aber auch des immer noch amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner.

Raus aus Amerika - zumindest ein bisschen

In den vergangenen Jahren hat sich die Bank aber immer weiter von diesem Traum entfernt. Zu schwach waren die eigenen Erträge - gerade in den USA als wichtigstem Markt. Und zu stark war die Konkurrenz der amerikanischen Banken.

Das hat auch der neue Konzernchef Sewing offenbar eingesehen. Er kündigt nun den Rückzug aus bestimmten Geschäftsfeldern im amerikanischen Investmentbanking an, darunter aus dem Handel mit Zinspapieren sowie aus großen Teilen der Beratung und Unternehmensfinanzierung. In diesen Bereichen würden auch Stellen gestrichen, kündigte Sewing an. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sollen davon mehr als 1000 Mitarbeiter betroffen sein.

Christian Sewing (Archivbild)

Christian Sewing (Archivbild)

Foto: Arne Dedert/ dpa

Das war es dann aber auch schon mit der Neuausrichtung der Bank. Der Rest von Sewings Programm klingt sehr vertraut: Sich auf Europa konzentrieren, Kapitalmarktgeschäft nicht mehr als Zockerei, sondern nur noch als Hilfe für die Unternehmenskunden anbieten, Kosten senken. All das hat Sewings Vorgänger John Cryan in den vergangenen zwei Jahren immer wieder gepredigt. Anfang April musste er gehen - angeblich weil die Umsetzung der ZieleAufsichtsratschef Achleitner nicht schnell genug ging.

Nun soll alles besser werden. Mal wieder. Doch einen wirklichen Kurswechsel scheut der neue Chef offenbar. Auch er betont weiter bei jeder Gelegenheit den hohen Stellenwert des Investmentbankings. Und so hart seine Ansagen zunächst klingen, so weich sind sie bei genauerem Hinsehen:

  • Kostenreduzierung: Im laufenden Jahr sollen die Kosten auf 23 Milliarden Euro sinken. Da war Sewings Vorgänger Cryan deutlich ambitionierter: Er wollte die Kosten bis Ende des Jahres auf 22 Milliarden Euro senken - war davon allerdings auch weit entfernt.
  • Neues Gleichgewicht: Ab dem Jahr 2021 sollen nach Sewings Plan etwa 50 Prozent der Erträge aus dem Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung kommen, aus dem reinen Investmentbanking dagegen nur noch 35 Prozent. Ein großer Schritt wäre das nicht gerade: Schon jetzt, also im ersten Quartal, machten die Erträge der Privatkunden- und Vermögensverwaltungssparte rund 45 Prozent aus. Das Investmentbanking kam auf einen Anteil von knapp 42 Prozent.

Nach einem wirklich "neuen Kern" der Bank sieht das nicht aus - und trotzdem dürfte selbst diese kleine Strategieänderung schwer genug durchzusetzen sein. Denn noch immer sind die Investmentbanker im Konzern mächtig. Sie werden ihren Geschäftsbereich kaum ohne Gegenwehr beschneiden lassen.

Sewing, der seine Karriere in einer Bankfiliale in Bielefeld begann und in den vergangenen Jahren die Privatkundensparte des Konzerns leitete, ist den klassischen Finanzmarkthändlern in London oder New York ohnehin suspekt. Da hilft es auch wenig, wenn er derzeit versucht, sich als Mann des Ausgleichs darzustellen und gerne seine Auslandsstationen in London, Tokio und Singapur betont.

Ärger ist also programmiert - und Erfolg keinesfalls garantiert. Wie so oft in den vergangenen Jahren regiert bei der Deutschen Bank auch unter Sewing weiter das Prinzip Hoffnung. Es wird schon wieder alles irgendwie gut werden.

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