Aufsichtsratschef Deutsche-Bank-Eigner arbeiten an Achleitners Ablösung

Paul Achleitner ist seit Langem umstritten und trotzdem noch im Amt als Chefaufseher der Deutschen Bank. Jetzt verlieren die Großaktionäre nach SPIEGEL-Informationen die Geduld - erste Namen für Nachfolger kursieren.

Aufsichtsratschef Achleitner: Die Kritik an seiner Arbeit ist groß
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Aufsichtsratschef Achleitner: Die Kritik an seiner Arbeit ist groß

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Seit 2012 amtiert Paul Achleitner nun schon als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, seine Ära ist geprägt von einer schier endlosen Abfolge negativer Nachrichten. Der Konzern ist ein Schatten früherer Tage, sein Wert an der Börse auf zwölf Milliarden Euro geschrumpft - auch aus strukturellen Gründen. Aber die einzige Führungskraft, die in dieser Zeit durchgehend im Amt ist, ist - Achleitner.

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Nun mehren sich die Anzeichen dafür, dass seine Amtszeit früher enden könnte als 2022. Bis dahin haben ihn die Aktionäre der Deutschen Bank gewählt. Nach Informationen des SPIEGEL arbeiten Großaktionäre auf seine vorzeitige Ablösung hin. Sie hegten "konkrete Gedankenspiele", den Chefaufseher vor Ablauf von dessen Amtszeit zu ersetzen, heißt es im Kreis der Investoren.

Ihre Kritik an seiner Arbeit ist groß. Die vielen strategischen Volten der vergangenen Jahre, die laxe Aufarbeitung von Skandalen sowie falsche Personalentscheidungen werden vor allem ihm angelastet.

Das alles ist seit Jahren hinlänglich bekannt, trotzdem hat sich der clevere Netzwerker bislang im Amt gehalten - notfalls auf Kosten anderer. So trennte er sich 2015 und 2018 von den Vorstandschefs Anshu Jain und John Cryan, um aufgebrachte Aktionäre zu befrieden und sich selbst zu retten. Die waren zwar auch mit Achleitner unzufrieden, hielten aber an ihm fest, um kein Vakuum an der Konzernspitze zu riskieren.

Weidmann oder von Bomhard werden exemplarisch genannt

Der jetzige Vorstandschef Christian Sewig indes sitzt derzeit fest im Sattel, sodass einflussreiche Investoren die Fühler nach Ersatz für Achleitner ausstrecken. Das Suchprofil ist klar: Jemand mit internationalem Netzwerk, besten Drähten zu Politik, Wirtschaft und Aufsichtsbehörden in Deutschland sowie hoher Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten soll es sein.

Auf allzu viele Deutsche trifft das nicht zu. Exemplarisch werden Nikolaus von Bomhard, Aufsichtsratschef des Rückversicherers Munich Re und Bundesbankpräsident Jens Weidmann genannt. Gesprochen worden sei noch mit keinem Nachfolgekandidaten, heißt es. Aber zum Jahreswechsel könne sich das rasch ändern, wenn sich abzeichne, dass die Deutsche Bank wieder nicht die Ertragswende schaffe.

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
eckawol 18.08.2019
1. Nerven wie breite Nudeln
haben die Großaktionäre bislang gezeigt. Nunmehr kann man gespannt sein, wie sie die "richtige" Nachfolger-Wahl organisieren und welcher Empfehlung sie folgen werden.
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