Zeitungsbericht Deutsche Bank erwägt Abbau von 20.000 Arbeitsplätzen

Es wäre ein regelrechter Kahlschlag: Die Deutsche Bank plant laut einem Bericht des "Wall Street Journal" die Streichung von bis zu 20.000 Jobs. Vorstandschef Sewing hatte bereits harte Einschnitte angekündigt.

Vorstandschef Sewing und Chefaufseher Achleitner bei der Hauptversammlung im Mai
Arne Dedert/DPA

Vorstandschef Sewing und Chefaufseher Achleitner bei der Hauptversammlung im Mai


Bei Deutschlands größtem Geldhaus steht offenbar ein Arbeitsplatzabbau in großem Stil bevor. Die Führung der Deutschen Bank erwäge die Streichung von 15.000 bis 20.000 Jobs, berichtet das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf Insider. Ein Sprecher der Bank wollte den Bericht am Freitag auf Anfrage nicht kommentieren.

Ende März hatte die Bank die Zahl ihrer Mitarbeiter mit 91.463 angegeben. Demnach könnte nun mehr als jeder fünfte Arbeitsplatz gefährdet sein. Derzeit werde in den Führungsetagen noch über die Stellenstreichungen beraten, berichtet die Zeitung. Aus dem Umfeld der Bank wird demnach erwartet, dass die Investmentsparte und das US-Geschäft stark vom Jobabbau betroffen sein werden.

Überraschend kämen Stellenstreichungen auch in diesem enormen Ausmaß bei der Deutschen Bank nicht. Vorstandschef Christian Sewing hatte Ende Mai bei der Hauptversammlung angekündigt: "Wir sind zu harten Einschnitten bereit." Bei der Gelegenheit hatte Sewing zudem davon gesprochen, dass 85 Prozent der Geschäftsbereiche stabil seien - was im Umkehrschluss bedeutet, dass 15 Prozent es nicht sind. Dort werde man, sagte Sewing damals, "noch einmal genau hinsehen und entsprechend handeln".

Verunsicherung bei Mitarbeitern

Wann die Deutsche Bank das konkrete Ausmaß des neuen Stellenabbaus offiziell verkünden will, ist unklar. Bislang galt der 24. Juli als Termin. An diesem Tag gibt die Bank die Geschäftszahlen für das zweite Quartal bekannt. Nun erwägt die Bankspitze laut "WSJ" aber, ihre Pläne bereits früher bekanntzugeben, um Mitarbeiter nicht unnötig lange im Ungewissen zu lassen. Einige Banker haben dem Bericht zufolge bereits persönliche Gegenstände von ihren Schreibtischen geräumt, weil sie mit einer Entlassung rechnen.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Bank Arbeitsplätze gestrichen. Allein 2018 reduzierte sie laut der Zeitung die Zahl der Vollzeitstellen um rund 5800.

Bezeichnend für den desolaten Zustand der Deutschen Bank Chart zeigen ist, was an diesem Freitag als positive Überraschung Nachrichtenwert hatte und für Gewinne des Aktienkurses sorgte: Der Konzern hat den zweiten Teil des US-Bankenstresstests bestanden. Damit hatten Analysten und Investoren nicht gerechnet, nachdem die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren dreimal durch die Tests gefallen war.

Ebenfalls an diesem Freitag hatte der Konzern einen Stellenabbau verkündet: Durch die Fusion mit der Postbank werden bis Ende 2020 rund 750 weitere Vollzeitstellen gestrichen. Zusätzliche 1200 Stellen könnten überdies wegfallen, teilte die Bank mit.

fdi



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
spmc-12355639674612 28.06.2019
1. Zuallererst
würde ich mindestens jede zweite der richtig teuren Stellen streichen, so ab ca. 500.000 Euro Jahresgehalt aufwärts. Man kann ziemlich sicher sein, mit einer solchen Maßnahme genau die zu treffen, die für die aktuelle Schieflage der Deutschen Bank maßgeblich verantwortlich sind.
claus7447 28.06.2019
2. Die Deutsch Bank auf dem Weg zu einer Hinterwäldlerbank
Ich mochte sie nie. Grosskotzig, arogant. Das Bild von Ackermann beim Vodphone Prozess war Synonym. Ein Freund von mir hatte das Geschäftskonto dort. Von heute auf morgen änderten sich die Konditionen. Mal wollte man nur Geschäftsleute, dann wealthy Privatkundengeschäft. Dann die kleinen Leute, Postbank. Diese Bank wird untergehen, irgendwann wird man sich fragen, war da wer?
mimas101 28.06.2019
3. tststs
In Zeiten vom Fachkräftemangel aller Orten sollte es nicht zu schwer sein eine neue Stelle zu finden, vorausgesetzt Bankenmenschen, deren Wissen sich aufs Anstarren von Monitoren mit vielen Zahlen beschränkt und dafür mit Prämien regelrecht zugeschüttet werden, werden von den Betrieben auch nachgefragt. Ansonsten müssen die Leute zunächst halt umschulen, z.B. als Klempner, Altenpfleger, Tippse & Co. Man darf aber gespannt sein ob die DB Ende diesen Jahres noch eigenständig existieren wird oder nicht aufgekauft worden ist.
rm9 28.06.2019
4.
Der einzig logische Schritt. In der Bankenbranche geht es vor allem darum, mit Zahlen effizient zu jonglieren und wer kann das besser als ein Computer? Wirecard und co. zeigen, wie in der Zukunft Geld verdient wird. Wer jetzt noch in der Bankenbranche seine Zukunft sieht, sattelt ein totes Pferd.
koelnrio 28.06.2019
5. Wegen
des schlechten Managements! Wann werden Manager zur Verantwortung gezogen?
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