Strategiewechsel Deutsche Bank erwägt Trennung von Privatkunden

Die Deutsche Bank überdenkt ihr Geschäftsmodell. Die radikalste Lösung findet dabei offenbar den meisten Anklang: Die Trennung vom Privatkundengeschäft.
Zentrale der Deutschen Bank: Schrumpfung oder Aufspaltung

Zentrale der Deutschen Bank: Schrumpfung oder Aufspaltung

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank steht offenbar vor tiefgreifenden Einschnitten. Ein Vorschlag in der laufenden Debatte über die künftige Ausrichtung von Deutschlands größtem Geldhaus sieht die Abspaltung des kompletten Privatkundengeschäfts vor, wie mehrere Zeitungen am Montag übereinstimmend berichten. Der Vorstand habe dem Aufsichtsrat am Freitag drei Modelle vorgestellt, über die spätestens bis zur Hauptversammlung am 21. Mai eine Entscheidung getroffen werden solle.

Die Deutsche Bank äußert sich dazu nicht offiziell. Ein Sprecher wiederholte lediglich, dass das Institut mit Hochdruck an der neuen Strategie arbeite, die im zweiten Quartal vorgestellt werden solle.

Laut den Berichten fällt die Entscheidung zwischen drei Modellen:

  • Die erste Option sieht den Berichten zufolge vor, dass die Grundstruktur als Universalbank erhalten bleibt und die Bank praktisch alle Geschäfte vom Privatkundengeschäft bis zum Investmentbanking weiterbetreibt. Für diesen Fall ist ein neuerlicher Sparkurs vorgesehen und eine weitere Verkleinerung der Bilanz, was allerdings Jahre dauern würde.
  • Variante zwei beinhaltet den Berichten nach schnellere Einschnitte. So würde die Postbank verkauft oder an die Börse gebracht. Um die Bilanz zu schonen, würde die Bank auch keine eigenen Baufinanzierungen mehr vergeben, sondern nur noch als Vermittler auftreten. Auch das Investmentbanking müsste Geschäfte einschränken. Über diese Variante hatte SPIEGEL ONLINE bereits im Dezember berichtet. Damals hatte die Bank aber noch dementiert, dass sie über einen Verkauf der Postbank nachdenke.
  • Der tiefgreifendste Schritt wäre die Aufspaltung der Bank und der Rückzug aus dem Privatkundengeschäft. Dieses könnte in einer neuen Gesellschaft mit den Marken Postbank   und Deutsche Bank  an die Börse gebracht werden, um sich so frisches Geld besorgen. Übrig blieben das Investmentbanking, das Zahlungsverkehrsgeschäft und die Vermögensverwaltung.

Die dritte Variante wird offenbar in der Konzernspitze favorisiert, so berichtet es das "Handelsblatt". Laut der Zeitung "Die Welt" sind auch die Arbeitnehmervertreter dafür, weil damit dramatische Einschnitte bei Produkten und Arbeitsplätzen wohl ausblieben.

Dass ein Strategiewechsel dringend nötig ist, bezweifelt offenbar kaum jemand mehr. Der Vorstand um Anshu Jain und Jürgen Fitschen hat seine selbst gesteckten Ziele bisher deutlich verfehlt. Eine schärfere Regulierung und hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten machen es der Bank schwer, an frühere Rekordgewinne anzuknüpfen.

mik/stk/dpa-AFX
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