Anshu Jains Planspiele Deutsche Bank erwägt offenbar Verkauf der Postbank

Die Deutsche Bank steht womöglich vor einem drastischen Kurswechsel. Co-Chef Anshu Jain will den Konzern von allen Geldnöten befreien und lässt deshalb neue Strategien prüfen. Auch ein Verkauf der Postbank wird dem Vernehmen nach diskutiert.

Deutsche-Bank-Co-Chef Jain: Millionen Kunden zum Verkauf?
DPA

Deutsche-Bank-Co-Chef Jain: Millionen Kunden zum Verkauf?

Von und


Frankfurt am Main/Hamburg - Josef Ackermann war sichtlich stolz, als er den Deal verkündete: "Wir sind als Deutsche Bank fast verpflichtet, die größte Bank in Deutschland zu bleiben", sagte der Konzernchef. "Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Wir können weltweit jetzt bis zu 30 Millionen Kunden erreichen."

Das war im Herbst 2008. Wenige Tage vor der folgenschweren Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sicherte sich Ackermann den Zugriff auf die damals rund 14 Millionen Kunden der Postbank und deren Einlagen. In der Folge schluckte die Deutsche Bank die Postbank fast komplett. Der Coup war teuer - mehr als fünf Milliarden Euro. Aber es galt als strategisch klug, in den Turbulenzen der Finanzkrise stärker auf das stabilere Privatkundengeschäft zu setzen.

Nun stellen Ackermanns Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Strategie offenbar in Frage. Jain hat nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen in London ein Team um Finanzvorstand Stefan Krause beauftragt, einen Verkauf der Postbank zu prüfen. Krause ist im Zuge eines Vorstandsumbaus künftig für die Strategieentwicklung der Bank zuständig. Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist informiert.

Die Reaktion der Deutschen Bank ist zwiespältig. Vor zehn Tagen hatte ein Pressesprecher eine entsprechende Anfrage von SPIEGEL ONLINE noch hart dementiert und es als "kategorisch falsch" bezeichnet, dass die Bank einen Verkauf der Postbank prüfe. Nachdem das manager magazin nun in seiner neuesten Ausgabe berichtet, der Konzern arbeite an einer neuen Strategie und Co-Chef Anshu Jain halte den Verkauf der Postbank für denkbar, klingt das Dementi schon deutlich weicher: Es sei "unverantwortlich, über eine Veräußerung irgendwelcher Geschäftsbereiche, inklusive Postbank, zu spekulieren", heißt es nun. Dass der Bericht falsch sei, sagt niemand mehr.

Ob es wirklich zum Verkauf der Postbank kommt, ist allerdings keineswegs ausgemacht. Die Überlegungen befinden sich in einem frühen Stadium. "Wenn man sich für einen Verkauf entscheidet, dürfte die Sache schnell vorangetrieben werden", heißt es im Umfeld der Bank.

Laut Bankenkreisen hat das Management der Deutschen Bank bereits bei möglichen Käufern vorgefühlt. Neben ausländischen Kreditinstituten wie der spanischen Santander wurde in der Vergangenheit auch der HypoVereinsbank immer wieder Interesse nachgesagt, ihr Privatkundengeschäft in Deutschland durch eine Übernahme auszuweiten. Bei der Konzernmutter Unicredit in Mailand sieht man solche Überlegungen jedoch skeptisch, zudem baut die HVB mittlerweile ihr Filialnetz drastisch ab.

Im Umfeld der HVB heißt es zwar, das Thema Postbank sei zwischen Vorstand und Aufsichtsratsvertretern schon mehrfach angesprochen worden, letztlich gelte eine Übernahme des riesigen Kundenstammes und Filialnetzes jedoch als unwahrscheinlich.

Die vielen Rechtsstreitigkeiten kosten Milliarden

Hintergrund der Postbank-Verkaufsüberlegungen sind offenbar die anhaltenden Zweifel von Aktionären und Analysten, ob die Deutsche Bank mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet ist. Zwar hat die Bank den Stresstest der Europäischen Zentralbank im Herbst sicher bestanden. Doch 2015 drohen neue, milliardenschwere Strafen internationaler Aufsichtsbehörden für die Verwicklung der Bank in die Manipulation von Zinsen und Wechselkursen sowie windige Hypothekengeschäfte in den USA. Solche Zahlungen hatten zuletzt immer wieder die Gewinne der Bank aufgefressen.

Um ihr Kapital zu stärken, hat die Deutsche Bank bereits im laufenden Jahr die Investoren angezapft. Über eine Kapitalerhöhung sicherte sie sich 8,5 Milliarden Euro. Zusätzlich gab sie noch spezielle Anleihen aus, die im Ernstfall in Eigenkapital umgewandelt werden. Damit dürfte die Geduld der Geldgeber allerdings auch erschöpft sein. Sollten die Strafzahlungen im kommenden Jahr besonders hoch ausfallen, werde man es sich kaum leisten können, noch einmal die Investoren anzuzapfen, heißt es in der Bank.

Ausreichendes Eigenkapital wird nicht nur von den Aufsichtsbehörden verlangt, um Krisen besser abfedern zu können. Auch die Investoren achten mittlerweile verstärkt darauf. Für die Deutsche Bank ist eine gute Eigenkapitalquote daher zwingend nötig, um im globalen Investmentbanking mit US-Größen wie J.P.Morgan und Goldman Sachs mithalten zu können.

Bruch mit der Ära Ackermann

Ein Verkauf der Postbank könnte die Kapitalknappheit der Deutschen Bank auf einen Schlag beheben. Und die Einlagen aus dem Massengeschäft mit Privatkunden haben für die Bank ohnehin nicht mehr die hohe Bedeutung wie zu Zeiten der Finanzkrise. Neue Gesetze in Deutschland und auf EU-Ebene sorgen dafür, dass das Geld der Privatkunden künftig strikt vom riskanten Investmentbanking getrennt wird.

Dennoch ist ein solcher Deal intern umstritten. Schließlich hat die Deutsche Bank gerade erst mit großem Aufwand eine gemeinsame technische Plattform geschaffen, um Zahlungsverkehr und Servicecenter im Privatkundengeschäft von Deutscher Bank und Postbank künftig zu verschmelzen. Diese Investitionen wären weitgehend umsonst gewesen, sollte man die Postbank nun wieder abstoßen.

Vor allem aber würden sich die Gewichte innerhalb des größten deutschen Geldhauses bei einem Verkauf der Postbank deutlich verschieben - weg vom Massenkundengeschäft, weg von Deutschland und hin zu den in London und New York beheimateten Investmentbankern. Es wäre der endgültige Bruch mit der Ära Ackermann, der in seinen letzten Jahren an der Bankspitze zunehmend auf Distanz zum Investmentbanking gegangen war.

Die Investmentbanker um Jain gelten seit jeher als Kritiker der Liaison mit der Postbank: Schon 2004, als Ackermann erstmals einen solchen Schritt sondierte, sollen sie den Deal hintertrieben haben.

Die Bundesregierung dagegen hatte den Zusammenschluss sowohl 2004 als auch 2008 befürwortet. Stieße Jain die Postbank nun ab, dürfte er sich damit in Berlin kaum beliebt machen.



insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
uhu_13 18.12.2014
1. verkaufen
Ich sollte meine Aktien verkaufen. Jetzt wird das Tafelsilber verkauft um die Trockenlegung des Sumpfes zu bezahlen. Oder brauchen Sie mehr Spielgeld...
kdshp 18.12.2014
2.
Was denkt der Postbank kunde wohl!
leser008 18.12.2014
3. Postbankkunde
Zitat von kdshpWas denkt der Postbank kunde wohl!
Kann ich ihnen als Postbank Kunde sagen: Schlimmer kanns nicht mehr werden. Seit der Übernahme durch die DB klappt da kaum noch was und der Service ist unterirdisch. Musste eben schon wieder eine Beschwerdemail an den Kundendienst schicken.
Voltaire2001 18.12.2014
4. Das wusste ich nicht!
Aber mir wird nun einiges klar. Glücklicherweise bin ich da kein Kunde; Nach den letzten Kontakten mit der Postbank, schied diese auch vollkommen aus. Wenn ich nun lese, dass die ja eigentlich "Deutsche Bank" ist, wundert mich nun nichts mehr. Danke für die Information!
sarkosy 18.12.2014
5. Herr Jain
selbst wird jetzt von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt - er wusste zwar von nichts,aber das Investmentbanking steht doch im engen Zusammenhang mit den nicht endenden Strafzahlungen der Deutschen Bank.Die Strafzhlungen werden doch akzeptiert,um Verurteilungen zu vermeiden oder habe ich etwas falsch kapiert?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.