Gefeuerter Whistleblower Ex-Deutsche-Bank-Manager wirft SEC-Justiziar Diskriminierung vor

Der Skandal um angeblich verschleierte Milliardenverluste der Deutschen Bank wird zur Belastung für die US-Börsenaufsicht: Ihrem neuen Chefjustiziar wird laut "Financial Times" Diskriminierung vorgeworfen, weil er die Kündigung eines Ex-Kollegen und Informanten bei der Bank mitverantworten soll.

Deutsche Bank an der Wall Street: Wurde der Informant diskriminiert?
DPA

Deutsche Bank an der Wall Street: Wurde der Informant diskriminiert?


Hamburg - Eric Ben-Artzi hat offenbar noch eine Rechnung zu begleichen mit Robert Rice. Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit bei der Deutschen Bank in den USA - nun bringt Ben-Artzi seinen alten Kollegen in Bedrängnis. Rice, erst seit vergangener Woche Chefjustiziar der US-Börsenaufsicht SEC, wird mit Ben-Artzis Rauswurf bei der Bank in Verbindung gebracht, nachdem dieser einen vermeintlichen Skandal bei dem Geldhaus aufgedeckt hatte. Die bereits 2012 beim US-Arbeitsministerium eingereichte Diskriminierungsbeschwerde lag der "Financial Times" (FT") vor.

Ben-Artzi war bis Ende 2011 als Vice President Legal, Risk & Capital Division in der Wall-Street-Niederlassung der Deutschen Bank beschäftigt. Er war damit betraut zu prüfen, ob stimmte, was die Bank offiziell über spezielle Wertpapiergeschäfte gegenüber ihren Kunden und in ihren Bilanzen behauptete. Seine Schlussfolgerung: Es stimmte nicht. Die Bank habe bei den Geschäften mit sogenannten "Leveraged Super Senior Notes" grobe Bewertungsfehler gemacht und nur so einen Verlust von mehreren Milliarden Dollar verschleiert.

Der Mathematiker hatte seine Bedenken ursprünglich seinen Vorgesetzten bei der Bank vorgetragen. Als er damit nicht weiter kam, wandte er sich schließlich an die Börsenaufsicht SEC. Einige Zeit später wurde Ben-Artzi entlassen.

Die in der "FT" zitierte Beschwerde Ben-Artzis richtet sich gegen fünf ehemalige Vorgesetzte, darunter der neue SEC-Justiziar Robert Rice. Laut der Beschwerde gab es zahlreiche Treffen, an denen Rice teilgenommen haben soll. Der damals in den USA für Rechtsstreitigkeiten der Bank zuständige Rice leitete den Angaben zufolge ein internes Team, dass die Vorwürfe aufklären sollte.

Bei einem Treffen im Mai 2011 soll Rice der Beschwerde zufolge Ben-Artzi mitgeteilt haben, dass er "keine weiteren Informationen bezüglich seiner Vorwürfe" erhalten werde. Zugleich soll er ihn verwarnt haben, dass er schriftlich behauptete, "dass Bankmanager...anscheinend Informationen zurückhielten". Im November wurde Ben-Artzi gefeuert. Der Ex-Manager war der "FT" zufolge zu keinem Statement bereit. Auch Rice wollte sich demzufolge nicht äußern.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte auf Anfrage, dass die in dem Artikel erhobenen Vorwürfe in einer unabhängigen und gründlichen Untersuchung für grundlos befunden wurden.

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aueronline.eu 10.06.2013
1. wenn wir auch nur zehn Prozent erfahren würden,
was bei der deutschen Bank so alles läuft, wir würden uns in einem Horrorfilm wähnen.
dagegengewicht 10.06.2013
2. wie kann man sowas ....
Zitat von aueronline.euwas bei der deutschen Bank so alles läuft, wir würden uns in einem Horrorfilm wähnen.
... auch nur denken! das sind natürlich alles ganz ehrenwerte leute die weiter nichts als das wohl der menschheit im kopf haben ... . oder so ähnlich ....
raber 10.06.2013
3. wieder keine Verantwortlichen zu finden?
ist diese Verheimlichung von mehreren Milliarden Dollar Verlusten bei der Deutschen Bank nicht mehr nachvollziehbar? Ist das auch für deutsche Aktionäre relevant da sie mit falschen Zahlen abgefüttert wurden? Gibt es keine Konsequenzen für die damals verantwortlichen Bankster? Es ist doch nicht ein reines USA-Thema sondern hat die gesamte Deutsche Bank belastet. Die Bank behauptet, dass die Vorwürfe grundlos sind. Gerade darum geht es ja, dass man denen nicht mehr glauben kann (darf).
ibanker 10.06.2013
4. Wieder mal...
...Kommentare frei von echter Sachkenntnis oder Einordnug des Geschehenen. Bisher sind es irgendwelche Behauptungen eines entlassen Mitarbeiters aus den Tiefen der Sachbearbeiterschaft. Der sich möglicherweise durch die US Regelung der Teilhabe an Strafzahlungen der Bank motiviert sah. Und was auch alles bereits 1x durch die SEC geprüft und für korrekt bewertet befunden wurde. Soweit genug der Aufklärung, jetzt bitte wieder Bashing. Danke.
Business Ethics 10.06.2013
5.
Zitat von ibanker...Kommentare frei von echter Sachkenntnis oder Einordnug des Geschehenen. Bisher sind es irgendwelche Behauptungen eines entlassen Mitarbeiters aus den Tiefen der Sachbearbeiterschaft. Der sich möglicherweise durch die US Regelung der Teilhabe an Strafzahlungen der Bank motiviert sah. Und was auch alles bereits 1x durch die SEC geprüft und für korrekt bewertet befunden wurde. Soweit genug der Aufklärung, jetzt bitte wieder Bashing. Danke.
Der einzige Kommentar frei von echter Sachkenntnis dürfte eher der Ihrige sein. Ihr "möglicherweise" ist auch nichts weiter als reine Spekulation, die sich durch nichts begründen läßt (ausser Ihrem Wunschdenken vielleicht). Abgesehen davon befindet sich ein Vice President Legal, Risk nicht in irgendwelchen Tiefen der Sachbearbeiterschaft. Der Rest der gesamten Vorkommnisse, von denen ein Teil im Artikel angerissen wurde, lassen eher auf grobe, wissentliche Verfehlungen der DeuBa schließen. Von Bashing keine Spur, Herr/ Frau ibanker. Danke.
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