EZB-Anweisung Deutsche Bank muss Ausstieg aus Investmentbanking durchrechnen

Das Investmentbanking ist ihre wichtigste Sparte, doch jetzt muss die Deutsche Bank deren Abwicklung durchrechnen. Die Anweisung erteilte die EZB-Bankenaufsicht.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Die Deutsche Bank muss auf Anweisung der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) durchrechnen, was die Abwicklung des Investmentbanking kosten würde. Die Berechnungen liefen schon seit einiger Zeit und stünden nicht im Zusammenhang mit dem Chefwechsel bei Deutschlands größtem Geldhaus, berichten die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider und die "Süddeutsche Zeitung"  übereinstimmend.

Die Deutsche Bank solle simulieren, wie sich der Wert des Kapitalmarkt- und Derivategeschäfts entwickelt, wenn sie als zahlungsfähiges Institut das Neugeschäft plötzlich einstellt. Es gehe also nicht um eine Abwicklung im Fall einer Pleite, die deutlich aufwendiger wäre.

Die Deutsche Bank teilte mit, sie berechne "für Regulatoren routinemäßig die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in unseren Handelsbüchern". Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

Die wichtigsten Aufgaben des neuen Deutsche-Bank-Chefs

Laut der "Süddeutschen Zeitung" ist es das erste Mal, dass die Aufsichtsbehörde von eine Großbank eine solche Simulation fordert. Später sollen demnach aber noch weitere Geldhäuser folgen.

Nicht wenige Analysten und größere Anteilseigner fordern von der Deutschen Bank gezielte Schnitte im Investmentbanking und den Rückzug aus nicht profitablen Geschäftsfeldern. Das Geldhaus hat in dem Bereich weitere Marktanteile verloren - nicht zuletzt in den USA.

Auch der Chefwechsel bei der Deutschen Bank hat zuletzt für Unsicherheit über die Zukunft des Investmentbankings gesorgt. Der neue Vorstandschef Christian Sewing führte vor seinem Wechsel an die Spitze das Privat- und Firmenkundengeschäft, dementsprechend skeptisch wird er von den Investmentbankern des Hauses beäugt. (Lesen Sie hier ein Porträt des neuen Deutsche-Bank-Chefs.)

Traditionell gilt das Verhältnis zwischen den hochbezahlten Investmentbankern in London und den eher traditionellen Bankangestellten in Deutschland als schlecht. Allerdings hatte der neue alleinige Investmentbanking-Chef der Bank, Garth Ritchie, vor wenigen Tagen klargestellt, er plane vorerst keine radikalen Schnitte bei der Sparte.

fdi/Reuters
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