Vorwurf der Devisenmanipulation FBI nimmt Deutsche-Bank-Händler in die Mangel

Unangemeldeter Besuch für einen Devisenhändler der Deutschen Bank: Plötzlich standen Agenten des FBI vor der Tür. Laut einem Zeitungsbericht ermitteln sie wegen möglicher Manipulationen am Finanzmarkt. Der Skandal könnte für Deutschlands größtes Geldhaus gravierende Folgen haben.

Deutsche-Bank-Gebäude in New York: Noch keine Händler entlassen
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Deutsche-Bank-Gebäude in New York: Noch keine Händler entlassen


New York/Frankfurt - Ermittlungsbehörden weiten ihre weltweiten Untersuchungen wegen mutmaßlicher Devisenmanipulationen bei Großbanken aus. Dabei ist die Deutsche Bank als größter Devisenhändler der Welt ins Visier der US-Bundespolizei geraten, wie das "Wall Street Journal" berichtete.

Vor wenigen Tagen hätten FBI-Agenten einem New Yorker Devisenhändler des Instituts einen unangekündigten Besuch in dessen Haus abgestattet. Sie konfrontierten den Mitarbeiter dem Bericht zufolge mit dem Protokoll aus einem Internet-Chat. In diesem soll der Mann großspurig behauptet haben, dass er die Währungsmärkte beeinflussen könne.

Die Deutsche Bank sieht darin ein Missverständnis. Im Umfeld der Bank heißt es, der Händler habe in dem Chat einen Witz gemacht. Die Deutsche Bank hat bislang, anders als viele Konkurrenten, noch keine Händler wegen der mutmaßlichen Devisenmanipulationen gefeuert. Auch der vom FBI besuchte Händler arbeitet weiter beim größten deutschen Geldinstitut.

Bislang beschränkten sich die Ermittlungen der Behörden darauf, von den Banken Informationen anzufordern. Auch die Deutsche Bank erhielt solche Auskunftsersuchen. Das hatte sie Ende Oktober bekanntgegeben. Ein Sprecher wollte den Fall am Donnerstag nicht weiter kommentieren. Die Bank kooperiere mit den Behörden.

Mit den unangemeldeten Hausbesuchen erhöht das FBI nun den Druck auf die Institute. Banker in ihrem privaten Umfeld zu befragen, habe sich in anderen Insiderfällen als hilfreich für die Ermittler erwiesen, schreibt das "Wall Street Journal".

Größere Sprengkraft als der Libor-Skandal

Dem Blatt zufolge hat die Deutsche Bank auch umfangreiche interne Ermittlungen angestrengt und lässt mehrere Millionen Seiten ausgedruckter E-Mails und Chats durchforsten. Zudem solle großer Druck auf Führungskräfte ausgeübt werden, Fehlverhalten von Angestellten aufzudecken.

Seit gut einem halben Jahr gehen Ermittler dem Verdacht nach, dass sich Devisenhändler abgesprochen haben, um wichtige Referenzkurse zu beeinflussen. Die Untersuchungen laufen auch in Großbritannien, der Schweiz und Hongkong.

Die möglichen Manipulationen könnten sich zum nächsten Skandal für die Bankenbranche entwickeln. Seit gut einem Jahr sorgen bereits Betrügereien bei den Referenzzinssätzen Libor und Euribor für Aufregung. Gegen vier Großbanken wurden bereits Vergleichszahlungen von gut 3,5 Milliarden Dollar verhängt. Die Ermittlungen gegen die Deutsche Bank laufen noch. Beobachter erwarten, dass sich auch der Frankfurter Konzern auf Vergleichszahlungen einlassen wird.

Manipulationen am Devisenmarkt könnten für die Banken noch größere Sprengkraft haben. Mit einem täglichen Umsatzvolumen von zuletzt 5,3 Billionen US-Dollar ist der Devisenhandel der größte Finanzmarkt überhaupt, aber zugleich wenig reguliert. Die weltweit größten Akteure sind neben der Deutschen Bank und der UBS die britische Bank Barclays und Citigroup aus den USA.

stk/dpa-AFX



insgesamt 5 Beiträge
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ambulans 21.11.2013
1. der mann
muss! hinter gitter - in den USA in einem internet-chat einen "witz" zu machen, hat einigen leuten schon erheblich mehr als einfach nur knast eingebracht. wenn der gute alte hermann josef abs nur wüsste, was inzwischen in der DB so los ist ...
h.vonbun 21.11.2013
2. Omnia
Seit NSA und Konsorten wundert auch das mich nicht mehr! Mal schauen und abwarten, ob Snowden auch da aufklären kann!
ambulans 21.11.2013
3. >eckawol,
geschäfte mit zins- und anderen differenzen nennt man für gewöhnlich "arbitrage" - und das kann, wie sie richtigerweise sagen, durchaus auswirkungen auch in anderen märkten haben (wenn dort eben keine "ehrliche" makler sitzen). mfg
raber 21.11.2013
4. Missverständnisse und Witze bei Devisenmanipulation?
Ist es bei der Deutschen Bank auch so, dass Mails die mehr als 5 Jahre alt sind automatisch vom und im System gelöscht werden und so weniger mögliche Beweise gegen die Bank vorliegen könnten? Missverständnisse findet die Bank bei solchen Fällen gern, aber nicht wenn ihre Kunden sie hatten. Man müsste mal den gesamten Witz lesen um zu erfahren wie witzig es nun war.
sltgroove 21.11.2013
5. Spregkraft des ISDAfix-es ?
... FX Manipulation langweilig .... Swaps pimpen ist g0il .... Schließlich, alle Märkte sind Peanuts im Vergleich zu den OTC Derivaten .... ( Onkel Taibbi hat den scam schon vor 2 Monaten präsentiert, in aller Pracht ... ). Douche Bank wird wesentlich mehr brauchen als läppische 4 Mrd. $$$ in Rückstellungen. ( Fiskus dreht die Däumchen ). How Do You Wanna Crash Today ? Frisch : EZB Gerücht/Bericht-Manipulation bringt den Insider 100-150 pips. Noch frischer - China hat den Petroyouan in der Mache . Frack yourselves :-P
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