Gerichtsentscheidung Deutsche-Bank-Führung nicht entlastet

Dass der US-Finanzinvestor Cerberus zugleich Aktionär der Deutschen Bank ist und von ihr Beratungshonorare kassiert, ist anderen Anteilseignern ein Ärgernis. Die Doppelrolle hat jetzt ein Nachspiel - für das Management des Konzerns.
Zentrale der Deutschen Bank

Zentrale der Deutschen Bank

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Peinliche Schlappe für die Deutsche Bank: Das Landgericht Frankfurt hat nach SPIEGEL-Informationen die Entlastung von Konzernchef Christian Sewing, der Vorstände Karl von Rohr, Garth Ritchie und Silvie Matherat sowie des Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner durch die Hauptversammlung im Mai für nichtig erklärt (AZ 3-05 O 54/19).

Geklagt hatte unter anderem die Riebeck-Brauerei von 1862. Hinter ihr steckt der rebellische Aktionär Karl-Walter Freitag, der der Deutschen Bank seit Jahren das Leben schwer macht. Die Kläger bemängelten, die Aktionäre seien unzureichend über Haftungsrisiken sowie das Beratungshonorar informiert worden, das die Bank dem amerikanischen Finanzinvestor Cerberus zahlt. Cerberus ist mit drei Prozent einer der größten Aktionäre der Deutschen Bank und berät sie bei ihrem Umbau. Ausschlaggebend für den Beschluss des Gerichts waren letztlich die mangelnden Informationen der Bank auf der diesjährigen Hauptversammlung über Cerberus' ungewöhnliche Doppelrolle.

Unmittelbare Folgen hat die Entscheidung nicht: Ritchie und Matherat haben die Bank inzwischen verlassen. Sewing, Achleitner und von Rohr können in ihren Ämtern bleiben.

Die Bank teilte mit, Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt einlegen zu wollen. "Wir sind fest davon überzeugt, unseren Aktionären auf der Hauptversammlung 2019 alle Fragen richtig und angemessen beantwortet zu haben." Die Riebeck-Brauerei ihrerseits kündigte an, in der Hauptversammlung 2020 eine Sonderprüfung zu beantragen, ob Cerberus' Beratungsvertrag angemessen ist.

baz
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