Schuldenkrise Chefinvestor der Deutschen Bank prophezeit Euro-Crash

Griechenland hat pro-europäisch gewählt, doch viele Investoren geben das Land bereits auf. Ein ranghoher Anlagemanager der Deutschen Bank setzt auf einen schnellen Austritt Athens aus der Währungsunion - und hält ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für "sehr wahrscheinlich".
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: "Wir sind jetzt in der Endspiel-Phase"

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: "Wir sind jetzt in der Endspiel-Phase"

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Frankfurt am Main - Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank haben offenbar den Glauben an die europäische Währungsunion verloren. "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagte der Chef-Anlagestratege der Sparte DB Advisors, Georg Schuh, am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt.

DB Advisors verwaltet für institutionelle Kunden wie Unternehmen und Pensionskassen mehr als 170 Milliarden Euro und ist damit einer der großen Investoren in Europa.

Im Moment gebe es keine überzeugende Lösung für die Probleme im gemeinsamen Währungsraum, sagte Schuh - auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) "noch ein paar Schüsse" an Notmaßnahmen freihabe. "Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist. Die Investoren sind da viel weiter als die Politik", sagte Schuh. "Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase."

Griechenland raus, Polen rein

Der Chefinvestor rechnet trotz des Wahlsiegs der Reformbefürworter in Griechenland mit einem baldigen Austritt des Landes aus der Euro-Zone. Noch im laufenden Jahr könne das hochverschuldete Land die Währungsunion verlassen. "Je eher, desto besser", sagte Schuh.

Für den Euro könne ein Austritt Griechenlands auch eine Chance sein - nämlich dann, wenn er nicht als "starre Währung" verstanden werde, sondern als "organisches Konstrukt", das sich über die Jahre verändere. So könnten einzelne Länder wie Griechenland ausscheiden, andere wie Polen dafür hinzukommen. "Die Situation ist im Moment so dramatisch, man muss es auf einen Versuch ankommen lassen."

Auch BGA-Präsident Anton Börner hält einen griechischen Euro-Austritt laut "Handelsblatt" für verkraftbar. "Das Land ist von der Politik und der Wirtschaft längst abgeschrieben worden," sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Die Notenbanken seien darauf vorbereitet, einen Ansturm der Bürger auf die europäischen Banken zu verhindern. Dauerhaft könnten nur Staaten mit dem "unbedingten Willen zur Wettbewerbsfähigkeit und soliden Finanzen" der Euro-Zone angehören.

Die Politik versucht unterdessen mit allen Mitteln, Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Dazu soll der Hilfsvertrag zwischen dem Land und seinen Geldgebern womöglich neu verhandelt werden. Die bei der Wahl am vergangenen Sonntag siegreichen Parteien wollen die Euro-Partner darum bitten, die vereinbarten Einsparungen auf vier statt auf zwei Jahre zu strecken.

stk/bos/Reuters/dapd
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