Stefan Kaiser

Bonuszahlungen der Deutschen Bank Gehälter wie bei Bayern München, erfolgreich wie der HSV

Die Deutsche Bank macht Verluste - und will trotzdem die Boni für ihre Investmentbanker drastisch erhöhen. Das kann nur rechtfertigen, wer eine Liga zu weit nach oben schielt.
Deutsche-Bank-Chef John Cryan

Deutsche-Bank-Chef John Cryan

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Wenn es um die Bezahlung von Investmentbankern geht, bemühen deren Chefs gerne den Vergleich zum Fußballgeschäft. Hier wie dort, heißt es, würden natürlich sehr hohe Gehälter gezahlt. Aber das sei auch nötig. Man bekomme nun mal nur so die besten Leute. Zahle ein anderer mehr, seien sie schnell weg.

Auch Marcus Schenck ist ein großer Fußballfan - Bayern München ist sein Verein. Im Hauptberuf ist Schenck Vizechef der Deutschen Bank und deren oberster Investmentbanker. Wenn alles stimmt, was man so hört und liest, dann war er es, der bei Deutschlands größtem Geldhaus die Rückkehr der üppigen Bonuszahlungen durchgesetzt hat.

Obwohl die Deutsche Bank an diesem Freitag den dritten Jahresverlust in Folge präsentiert hat, sollen die Zusatzzahlungen nach einem kargen Vorjahr nun wieder steigen. Mehr als eine Milliarde Euro sollen fließen. Das ist nicht so viel wie früher, aber für eine Minus-Bank immer noch beachtlich. Entsprechend gab es Ärger aus der Politik.

Schenck sieht das anders. "Wir liegen immer noch in der unteren Hälfte, wenn wir uns mit unseren Wettbewerbern vergleichen", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag. "Wir müssen wettbewerbsfähig bezahlen, wenn wir uns dem Wettbewerb stellen."

Das klingt erst mal einleuchtend, zeigt allerdings auch ein mögliches Problem: Könnte es sein, dass sich die Deutsche-Bank-Chefs einfach im falschen Wettbewerb wähnen? Wie Bayern München vergleichen sie sich mit den anderen Großen in der Champions League. Dabei sind sie eigentlich eher der HSV. Große Vergangenheit, große Ambitionen, große Gehaltslisten. Aber irgendwie läuft es seit Jahren nicht mehr so richtig.

Die schlimmsten Exzesse sind mittlerweile vorbei

Vielleicht ist dieser Vergleich ein bisschen unfair. Schließlich hat die Deutsche Bank gerade wieder einmal dargelegt, wie sie bald, wirklich bald wieder richtig Geld verdienen und mitmischen will im Konzert der Großen. Und es ist durchaus möglich, dass dies gelingt. Konzernchef John Cryan und seine Mannschaft haben in einem chaotischen Konzern in der Tat aufgeräumt und Altlasten beseitigt. Es könnte also losgehen. Aber hoffen HSV-Fans das nicht auch jedes Jahr vergebens?

Die Deutsche Bank bezahlt vor allem ihre Investmentbanker seit jeher ziemlich gut. Früher trugen einzelne Händler regelmäßig zweistellige Millionensummen pro Jahr nach Hause. Die schlimmsten Exzesse sind mittlerweile vorbei. Die "variable Vergütung", wie Boni im Bankerjargon heißen, fließt heute vor allem in Form von Aktien - und ihre Zuteilung wird über drei bis fünf Jahre gestreckt. Auf Geheiß der EU wurden die Boni sogar gekürzt. Im Gegenzug erhöhte die Bank aber rasch die Festgehälter, damit die sogenannten Top-Leute nicht weglaufen. Leistung kommt eben nicht nur durch Leidenschaft, oft muss man mit ein paar Hunderttausend Euro extra nachhelfen.

Wenn die Deutsche Bank einem Teil ihrer Mitarbeiter weiter so viel Geld zahlen will, muss sie dieses Geld eben auch vorher verdienen. Es ist okay, wenn das mal ein Jahr nicht klappt. Aber nach drei Verlustjahren in Folge sollten auch die Aktionäre der Bank unruhig werden - denn deren Geld verbrennen die Herren (und wenigen Damen) Jahr für Jahr. Auf eine mögliche Dividende angesprochen, antwortete Bankchef Cryan am Freitag denn auch bedröppelt: Für die Aktionäre werde es leider "nicht sehr viel" geben. Pech gehabt.

Bleibt im Geschäftsjahr 2018 nach der Boniverteilung wieder nichts übrig, sollte die Bankführung mal darüber nachdenken, ihre vermeintlichen Stars ziehen zu lassen (so erfolgreich sind sie offenbar nicht) - und ihren Spielbetrieb eine Liga nach unten zu verlegen.

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