Too-big-to-fail-Status Deutsche Bank soll sich gegen Krisen wappnen

Kollabiert die Deutsche Bank, kann auch das globale Finanzsystem ins Wanken geraten - so lautet die Einschätzung des Finanzstabilitätsrats. Der Geldkonzern soll deshalb seinen Eigenkapitalpuffer stärken. Die Commerzbank gilt dagegen nicht mehr als international systemrelevant.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Zusätzliches Eigenkapital benötigt

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Zusätzliches Eigenkapital benötigt

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank   gehört nach Einschätzung von Branchenaufsehern zu den vier Geldkonzernen, deren Zusammenbruch das globale Finanzsystem am stärksten gefährden würde. Das geht aus der aktualisierten Liste der systemrelevanten Banken hervor, die der Finanzstabilitätsrat (FSB) am Donnerstagabend in Basel im Auftrag der G-20-Staaten veröffentlicht hat.

Der deutsche Branchenprimus müsste damit von 2016 an einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von 2,5 Prozent aufbauen, so dass er 2019 eine Mindestausstattung von 9,5 Prozent an Grundkapital und Gewinnrücklagen erreicht. Zurzeit kommt er nach den künftigen Kriterien auf weniger als sieben Prozent. Das Problem dabei: Eigenes Kapital ist teuer und drückt auf die Gewinne. Mit den Auflagen wollen die Aufseher verhindern, dass die größten Banken in einer Krise zusammenbrechen und auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden müssen.

In die gleiche Kategorie wie die Deutsche Bank wurden die US-Banken Citigroup   und JP Morgan Chase sowie die britische HSBC   eingestuft - vier Institute, die Investmentbanking und Privatkundengeschäft betreiben. Insgesamt stuft der FSB 28 Banken als global systemrelevant ein, eine weniger als vor einem Jahr. Zwei sind neu in der Liste: die spanische BBVA   und die britische Standard Chartered  . Nicht mehr dazu zählt außer der britischen Lloyds Banking Group   und der zerschlagenen belgisch-französischen Dexia auch die Commerzbank  , die ihre Bilanzsumme und die Risiken stark reduziert hat. Sie gilt aber als "national systemrelevant" und dürfte deshalb von den deutschen und europäischen Aufsehern mit härteren Auflagen bedacht werden.

Commerzbank ohne Too-big-to-fail-Status

Für die seit der Finanzkrise geschrumpfte Commerzbank bedeutet der Verlust des Too-big-to-fail-Status einen Prestigeverlust. Sie spielt damit auch offiziell nicht mehr in der Top-Liga der Branche. Das Institut hatte erst zu Jahresbeginn das Eigenkapital auf Geheiß der europäischen Bankenaufsicht EBA kräftig steigern müssen.

"Wir haben bewusst in Kauf genommen, dass wir nicht mehr alle Kriterien für die Auswahl global systemrelevanter Banken erfüllen", sagte ein Sprecher. "Wir streben weiterhin an, unsere führende Position bei Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Polen zu festigen." Die Commerzbank will in der kommenden Woche ihre neue Strategie vorlegen, wie sie künftig angesichts niedriger Zinsen und eines radikal eingedampften Geschäfts Geld verdienen will. Erst im Sommer hatte das Institut angekündigt, sich komplett aus der Gewerbeimmobilien- und Schiffsfinanzierung zurückzuziehen. Auch die Staatsfinanzierung wird abgewickelt.

Der Finanzstabilitätsrat als internationales Gremium fördert und koordiniert Aktivitäten zur Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte. Der Rat wurde 2009 angesichts der damaligen Finanzmarktkrise durch die G-20-Gruppe gegründet. Der FSB veröffentlichte nun erstmals offiziell, in welche "Körbe" die Banken derzeit eingestuft werden. Das Gremium unter dem Vorsitz des kanadischen Notenbankchefs Mark Carney will so einen Anreiz dafür schaffen, dass die Geldkonzerne ihre Risiken reduzieren, um geringere Kapitalpuffer aufbauen zu müssen. Die Liste soll auch Thema beim G-20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am Sonntag und Montag in Mexiko-Stadt sein.

Grundlage der "Systemrelevanz" sind Kriterien wie Größe und Vernetztheit im internationalen Finanzsystem. Danach teilen die Aufseher die Banken in vier Gruppen ein, die unterschiedlich hohe Kapitalpolster vorhalten müssen. Barclays und BNP Paribas rangieren in der zweithöchsten Kategorie, in die Finanzkreisen zufolge vor einem Jahr auch noch die Deutsche Bank einsortiert worden war. Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs   müssen nur 1,5 Prozent mehr Kapital aufbringen. Das gilt auch für die Schweizer Großbanken UBS   und Credit Suisse  , die aber schon jetzt höhere Kapitalforderungen der Schweizer Finanzmarktaufsicht erfüllen müssen. Die HypoVereinsbank-Mutter Unicredit   liegt auf den hinteren Rängen (ein Prozent). Die Liste wird bis 2014 aktualisiert, die aktuelle Rangfolge basiert auf Daten von Ende 2011.

Die schärfere Regulierung von Großbanken beschränkt sich nicht auf mehr Kapital. Sie müssen auch ein "Testament" vorlegen, nach dem sie nach einem Zusammenbruch möglichst unschädlich für das Finanzsystem aufgespalten und notfalls zum Teil abgewickelt werden können. Als eines der ersten Länder wird Deutschland von seinen größten Banken Sanierungs- und Abwicklungspläne einfordern. Die Finanzaufsicht BaFin will am Freitag veröffentlichen, was sie dazu konkret von den Banken erwartet.

lei/dpa/Reuters