Milliardenvorsorge Deutsche Bank erhöht Kapitalpuffer für Rechtsrisiken

Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn vor Steuern deutlich gesteigert. Doch die Unsicherheit ist groß: Das Institut ist in 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt und muss seine Rückstellungen deutlich aufstocken.
Deutsche-Bank-Chefs Jain, Fitschen: 917 Millionen Euro Gewinn vor Steuern

Deutsche-Bank-Chefs Jain, Fitschen: 917 Millionen Euro Gewinn vor Steuern

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Bei der Deutschen Bank sorgen juristische Auseinandersetzungen für Unsicherheit. Im zweiten Quartal hat das Institut seine Rückstellungen für Rechtsrisiken um 470 Millionen auf 2,2 Milliarden Euro erhöht, wie die Deutsche Bank am Dienstag mitteilte.

Neben den schon gebuchten Rückstellungen könnten dem aktuellen Quartalsbericht zufolge weitere Belastungen von 3,2 Milliarden Euro kommen, für die der deutsche Branchenprimus noch keine Vorsorge in der Bilanz getroffen hat. Vor drei Monaten schätzte die Bank diese Verluste, "bei denen die Möglichkeit eines Eintritts größer als unwahrscheinlich, aber kleiner als wahrscheinlich ist", noch auf zwei Milliarden Euro.

Das Tagesgeschäft läuft indes etwas besser. Dank eines Sparkurses und des wiedererstarkten Investmentbankings konnte die Deutsche Bank ihren Vorsteuergewinn im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 917 Millionen Euro steigern. Nach Steuern sank der Gewinn allerdings um 29 Prozent auf 238 Millionen Euro. Ein Grund für den Gewinnrückgang sei, dass Kosten für Rechtsstreitigkeiten nicht von der Steuer absetzbar seien, teilte das Institut mit.

Analysten fürchten, dass Rechtsrisiken die Bank noch lange beschäftigen werden. Bei der Hauptversammlung im Mai mussten die Aktionäre erfahren, dass Deutschlands größte Bank in rund 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist.

So steht etwa in den USA eine Einigung im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze noch aus. Hinzu kommen die weltweit laufenden Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen von anderen wichtigen Finanzdaten - von Devisenkursen bis zu den Preisen von Gold und Silber. Auch wegen möglicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen bei Geschäften mit sogenannten Schurkenstaaten droht eine empfindliche Strafe.

Ärger wegen Hochfrequenzhandel

Die Deutsche Bank steht nach eigenen Angaben auch wegen ihrer Rolle im Hochfrequenzhandel im Visier der Aufsichtsbehörden. Die Deutsche Bank sprach in ihrem Quartalsbericht von "Auskunftsersuchen" verschiedener Behörden und kündigte Kooperationsbereitschaft an.

Sie sei auch von einer Sammelklage betroffen, die mehreren Banken Verstöße gegen die US-Wertpapiergesetze vorwirft. Die schweizerische UBS berichtete am Dienstag von Untersuchungen der US-Behörden zu sogenannten Dark Pools und einer Sammelklage dazu. Bisher hatten Analysten nur spekuliert, dass die beiden Institute in die Ermittlungen verwickelt sein könnten.

Ende Juni war bekannt geworden, dass die USA die britische Großbank Barclays verklagen, weil sie Investoren der Dark Pools systematisch hinters Licht geführt haben soll. Das Institut habe Kunden mit falschen Informationen auf seine Handelsplattform gelockt, wo ihnen Hochfrequenzhändler dann Geld abgeluchst hätten. Außerdem habe die Bank fast alle Handelsgeschäfte über diese Plattform abgewickelt, um möglichst viel zu verdienen, dabei hätten Barclays-Kunden an anderen Börsen womöglich bessere Preise erzielt.

Dark Pools sind von Banken wie Barclays und der Deutschen Bank betriebene anonyme Handelsplattformen, auf denen Käufer und Verkäufer ihre Orders nicht publikmachen müssen, bevor sie ein Geschäft abgeschlossen haben. Genutzt werden Dark Pools besonders von institutionellen Investoren, die große Aktienpakete unbemerkt kaufen oder verkaufen wollen.

Keine Verschärfung des Sparprogramms

Bei ihrem laufenden Kostensenkungsprogramm sieht sich das Geldhaus auf Kurs. Jüngste Medienberichte, wonach der Sparkurs noch einmal verschärft werden solle, seien "nicht korrekt", sagte Finanzchef Stefan Krause am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Bis Ende 2015 will Deutschlands größtes Geldhaus die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro senken. Davon sind gut zwei Milliarden Euro geschafft. Allerdings steht das Institut bei der Rendite noch unter Druck.

Das "Handelsblatt" hatte in der vergangenen Woche über sehr konkrete Plänen des Managements berichtet, beim Sparprogramm noch einmal eine Schippe draufzulegen.

ssu/dpa/Reuters