Stefan Kaiser

Der Kommentar am Morgen Eine Bank als Beute

Die Deutsche Bank will die Festgehälter ihrer Topverdiener deutlich erhöhen. Dabei gibt der Konzern schon jetzt absurd viel Geld für vergleichsweise erfolglose Investmentbanker aus. Eine kleine Gruppe von Angestellten ist dabei, das größte Geldhaus des Landes auszurauben.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Die Arbeit beutet das Kapital aus

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Die Arbeit beutet das Kapital aus

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Wenn es um die Deutsche Bank geht, ist Karl Marx widerlegt. Der Philosoph und Wirtschaftsdenker hat den Lehrsatz aufgestellt, wonach das Kapital die Arbeit ausbeutet. Den Mehrwert, den die Mitarbeiter schaffen, verleiben sich die Konzerneigentümer ein. So mag es zu Zeiten der industriellen Revolution gewesen sein. Doch in Deutschlands größtem Finanzinstitut haben sich die Verhältnisse längst umgekehrt: Hier leben Mitarbeiter auf Kosten des Konzerns. Die Arbeit beutet das Kapital aus.

Die Rede ist dabei nicht vom Schalterangestellten in der Filiale um die Ecke, sondern von einer relativ kleinen Gruppe von Investmentbankern, deren teilweise absurd hohe Gehälter und Bonuszahlungen die Gewinne des Konzerns auffressen.

4,5 Milliarden Euro erhielten die rund 25.000 Mitarbeiter der Investmentbanking-Sparte im vergangenen Jahr. 2,1 Milliarden Euro davon waren Bonuszahlungen. Ein Großteil ging an die gut 3000 Topverdiener des Bereichs. Das Geld sollte die Erfolge der Finanzjongleure honorieren. Wie diese Erfolge aussahen, zeigt ein Blick auf die Geschäftszahlen. Gerade mal 681 Millionen Euro Gewinn hat die Bank 2013 gemacht - ein schlechtes Ergebnis, vor allem im Investmentbanking.

Allein die Boni sind dreimal so hoch wie der Gewinn: Angesichts solcher Zahlen sollte man erwarten, dass die Aktionäre bei der Hauptversammlung an diesem Donnerstag so richtig Ärger machen. Was rechtfertigt eine so hohe Bezahlung einiger Mitarbeiter, wenn die Ergebnisse, die sie liefern, so mau sind?

Doch die Führung der Bank plant einfach weiter mit hohen Gehältern - und das trotz neuer gesetzlicher Grenzen. Seit Jahresbeginn gelten EU-weit Regeln für die Bankervergütung, die den Gehaltswahnsinn der Branche eindämmen sollen. Demnach dürfen die Bonuszahlungen die Höhe der Festgehälter nicht mehr überschreiten. Wer zum Beispiel 500.000 Euro fix bekommt, kann also höchstens weitere 500.000 Euro obendrauf verdienen. Mit Genehmigung der Hauptversammlung können die Boni auf das Doppelte steigen, im Beispiel also auf eine Million Euro. Die Deutsche Bank will diese Regelung nutzen und bittet die Aktionäre um Zustimmung dafür.

Erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Konzernchefs dabei davon ausgehen, dass die Gesamtgehälter in jedem Fall so hoch bleiben wie bisher. In der Einladung zur Hauptversammlung teilt die Chefetage den Aktionären mit, dass man bei begrenztem Bonus eben die Fixgehälter entsprechend anheben werde, um "weiterhin eine wettbewerbsfähige Vergütung" sicherzustellen. Das mag legal sein - und die Deutsche Bank ist sicher auch nicht die einzige, die es so handhabt. Zum Kulturwandel, den die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor fast zwei Jahren ausgerufen haben, passen die Pläne allerdings nicht.

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