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30. September 2016, 07:14 Uhr

Aktie bricht ein

Hedgefonds ziehen Geschäft von der Deutschen Bank ab

Die Krise der Deutschen Bank macht Anleger und Kunden nervös: Offenbar haben einige Hedgefonds begonnen, Gelder abzuziehen. Das größte deutsche Geldhaus beteuert, die Finanzlage sei stabil.

Solche Mitteilungen sorgen selten für Beruhigung: "Unsere Kunden gehören zu den anspruchsvollsten Investoren der Welt", erklärte ein Deutsche-Bank-Sprecher. "Wir sind zuversichtlich, dass die meisten von ihnen Kenntnis haben von unserer stabilen Finanzposition, dem derzeitigen makroökonomischen Umfeld, dem Rechtsstreit in den USA und den Fortschritten, die wir mit unserer Strategie machen." Soll heißen: Das größte deutsche Geldhaus kommt schon klar.

Anlass der Äußerung war eine Bloomberg-Meldung. Unter Berufung auf ein internes Dokument der Deutschen Bank berichtete die Nachrichtenagentur, einige Hedgefonds reduzierten ihr Geschäft mit der Deutschen Bank. Die Kunden im sogenannten Derivate-Clearing hätten einige überschüssige Geldbestände und Positionen abgezogen.

Unter Derivate-Clearing versteht man die Abwicklung von Geschäften mit komplizierten Finanzprodukten. Dabei wird die Stabilität des Geschäftspartners als wichtig empfunden. Die große Mehrheit der über 200 Derivate-Clearing-Kunden habe allerdings keine Veränderungen vorgenommen.

Die Äußerung der Deutschen Bank verstärkte die Nervosität der Anleger: Der Aktienkurs der Deutschen Bank rauschte im nachbörslichen Handel um mehr als sieben Prozent ab und stoppte erst kurz vor der Marke von zehn Euro. Mehr als 41 Millionen Aktien wechselten den Besitzer - so viele wie noch nie zuvor.

Auch die Kurse von US-Banken wie Goldman Sachs , JP Morgan oder Citigroup gerieten unter Druck. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte unlängst mit seiner Einschätzung für Aufsehen gesorgt, Deutschlands größtes Geldhaus sei wegen seiner weltweiten Verflechtungen besonders gefährlich für das Finanzsystem.

Die Deutsche Bank steht derzeit enorm unter Druck: In den USA droht eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar in Vergleichsverhandlungen um Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise. Anleger befürchten, dass die Bank ihr Kapital erhöhen muss. Die Bundesregierung wies jüngst gar einen Bericht zurück, es werde an einem Notfallplan für den Finanzkonzern gearbeitet.

nck/dpa/Reuters

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