Mini-Zinsen IWF zweifelt an Geschäftsmodell der Deutschen Bank

Die Aussichten für Europas Finanzinstitute sind mies. Jetzt knöpft sich der Internationale Währungsfonds die Deutsche Bank vor.

Deutsche Bank
Getty Images

Deutsche Bank


Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Deutsche Bank in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. "Die Deutsche Bank gehört zu den Banken, die weiter Anpassungen vornehmen müssen, um Investoren davon zu überzeugen, dass ihr Geschäftsmodell für die Zukunft tragfähig ist", sagte IWF-Geld- und Kapitalmarkt-Experte Peter Dattels am Mittwoch in Washington.

In einem Umfeld schwächelnder Bankensysteme in Europa gehöre die Deutsche Bank zu jenen Häusern, die sich mitten im Transformationsprozess einer einstigen Investmentbank zu neuen Geschäftsmodellen befänden, sagte Dattels. Die Banken müssten sich insgesamt auf eine Ära chronisch schwachen Wachstums, anhaltend niedriger Zinsen und politischer Unwägbarkeiten einstellen.

Dattels forderte außerdem, dass die Deutsche Bank klarmacht, dass sie Risiken aus Rechtsstreitigkeiten angehe und berücksichtige.

Riskante Rechtsrisiken

Für Deutsche-Bank-Chef John Cryan kommen die mahnenden Worte zu einem kritischen Zeitpunkt: Das renditeschwache Institut steckt gerade mitten im Verhandlungspoker mit den US-Behörden, um eine Riesenstrafe im Streit um faule Hypothekenpapiere abzuwenden.

Ursprünglich hatte das US-Justizministerium von der Deutschen Bank eine Strafe von 14 Milliarden Dollar wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren gefordert. Inzwischen sollen es laut einem Agenturbericht nur noch 5,4 Milliarden Dollar sein.

Das Thema dürfte auch bei der Herbsttagung des IWF in Washington im Mittelpunkt stehen. Dort versammeln sich Ende der Woche zahlreiche hochkarätige Banker, Notenbanker und Politiker, um unter anderem über die Lage an den Finanzmärkten zu diskutieren. Vorstandschef Cryan ist auch dabei.

Der Deutschen Bank - vom IWF als gefährlichste Bank der Welt eingestuft - haben die Anleger zuletzt massiv das Vertrauen entzogen: Die Aktie stürzte vor wenigen Tagen auf ein neues Rekordtief von 9,90 Euro. Die Deutsche Bank selbst argumentiert, sie habe genug Liquidität, eine dicke Kapitaldecke und sei in Sachen Bilanzrisiken noch nie so sicher gewesen wie heute.

Düsteres Bild der europäischen Bankenszene

Der IWF zeichnet in seinem Bericht zur Finanzmarktstabilität insgesamt ein düsteres Bild der europäischen Bankenszene. Ein großer Teil der europäischen Banken sei zu schwach, um nachhaltig Gewinne erwirtschaften zu können. Ein Drittel des europäischen Bankensystems mit einem Volumen von 8,5 Billionen Dollar sei betroffen, sagte IWF-Bankenexperte Peter Dattels. "Ein Teil des Systems muss schrumpfen."

In seinem Finanzmonitor wies der IWF auch auf die seit Beginn der Finanzkrise angehäufte und noch immer nicht abgebaute hohe Schuldenlast privater und öffentlicher Haushalte hin. Banken außer acht gelassen, war die Welt mit 152 Billionen Dollar verschuldet, das entspricht 252 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Davon entfallen zwei Drittel auf Privathaushalte. Die Weltwirtschaft befinde sich in einem Teufelskreis: Hohe Schulden hemmen das Wachstum, schwaches Wachstum hemmt den Schuldenabbau.

IWF und Weltbank werden am Donnerstag offiziell ihre Herbsttagung in Washington eröffnen. Dazu wird auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erwartet. Die Bundesregierung steht beim IWF unter Beschuss, weil Deutschland aus Sicht des Fonds zu viel spart und nicht ausreichend öffentliche Investitionen tätigt und damit weniger als möglich zum Erreichen des Inflationsziels in Europa beiträgt. Schäuble widersprach dem im Vorfeld. Deutschlands Investitionsquote sei mit 20,4 Prozent höher als der europäische Durchschnitt.

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
i.dietz 05.10.2016
1. überzeugendes Geschäftsmodell ?
Von einer Bank, die mit jeder "Schweinerei" bis hin zum "Betrug" Geld gescheffelt hat, ist dies eine gewagte Forderung !
pragmat 05.10.2016
2. Leid tun?
Sollen einem die Spekulanten der DeuB leid tun? Wenn jeamnd Millionen auf Schweinehälften setzt und auf steigende Preise wettet, soll der doch eins auf die Rübe bekommen, wenn die Bauern weniger Schweineställe bauen! Solche Geschäftsmodelle gehören verschrottet. Wenn die DeuB das nicht selber tut, wird der "Markt" sie dazu zwingen.
salkin 05.10.2016
3.
Hatte nicht gestern noch der IWF die Notenbanken aufgefordert die Niedrigzinspolitik auch mit unkonventionellen Maßnahmen fortzusetzen? Dazu gehört doch auch, dass diese Notenbanken bei der Staatsfinanzierung, der Hypotheken- und Unternehmensfinanzierung den Banken direkte Konkurrenz machen ohne selbst Kosten für Regulierungen und Kapitalbeschaffung zu haben. Auch werden die Zinsen auf Null gesenkt ohne Berücksichtigung von Bonitätskriterien. Wie sollen Banken gegen diese Konkurrenz noch Geld verdienen. Vielleicht sollte der IWF erst mal hausintern klären welche Geschäftspolitik er eigentlich unterstützen will. Nullzinsen und Anleihekäufe zu fordern und gleichzeitig auf die Risiken dieser Politik zu verweisen ist ein wenig schizophren.
archi47 05.10.2016
4. 900 Mrd. ausfallgefährdet nur für Europas Banken?
Darüber ist nachzudenken. Kann doch nicht alles von den europäischen Häuslebauern und ihren Rückzahlungsbemühungen sein? Woraus ist das dann entstanden? Worin ist das heute begründet und hingeflossen? Und wer hat dieses Geld heute, bzw. ist der End-Gläubiger? Diesen Fragen ist auf den Grund zu gehen, bevor weiterhin Zirkelschlüsse zu Lasten der Steuerzahler und kleinen Kunden geschlossen werden. Denn die Einkommenschere und Vermögenschere ist weiter aufgegangen und die Verantwortlichen dafür sind nicht gerade die freien Aktionäre selbst gewesen, denn die sind im Wesentlichen in den Aufsichtsräten und Vorständen nicht vertreten...
m-einstein 05.10.2016
5. die unermessliche Gier der Branche...
...kommt hier wie ein Bumerang zurück und trifft die Herren "völlig überraschend" von hinten am Kopf. Dieses kommt von sowas. Das Problem wird wahrscheinlich sein, dass die jetzigen Verluste der DB sozialisiert werden müssen, weil sonst das gesamte Bankensystem krachend zusammenbricht. Traurig daran ist, dass man im Jahr 2008 noch hätte dagegen steuern können, wenn es nicht diesen unermesslich überheblichen Herrn Ackermann gegeben hätte. "Er nimmt doch keine staatlichen Hilfen in Anspruch"...aus heutiger Sicht...schön Blöd.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.