Aktionärstreffen der Deutschen Bank Jain bewirbt sich um die Alleinherrschaft

Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank beeindruckt Anshu Jain die Aktionäre mit einer gefühligen Rede auf Deutsch. Doch die Skepsis gegenüber dem indischstämmigen Investmentbanker bleibt. Einige fürchten schon die Zeit, wenn er die Bank allein regieren wird.

Von , Frankfurt am Main


Man merkt Anshu Jain an, dass er sich angenehmere Auftritte vorstellen kann. Seine Mimik ist eingefroren. Mit beiden Händen klammert sich der sonst so smarte Deutsche-Bank-Chef am Rednerpult fest. Zum ersten Mal in seinem Leben hält er eine ganze Rede auf Deutsch - und das vor Tausenden Aktionären. Als er gleich zu Beginn vorliest, wie sehr er sich freue, hier heute sprechen zu dürfen, presst Jain ein Grinsen heraus, das wohl eigentlich ein Lächeln werden sollte.

Ein Jahr ist Jain nun Co-Chef der Deutschen Bank. Man hat ihm den erfahrenen Jürgen Fitschen zur Seite gestellt. Der bodenständige Banker aus der niedersächsischen Provinz soll den Kulturschock abfedern, wenn das angelsächsisch geprägte Zahlengenie Jain auf die deutsche Öffentlichkeit trifft - für die ihre größte Bank immer noch so etwas ist wie eine nationale Institution.

Nun ist so ein Moment, in dem Jain zeigen muss, dass er die Deutschen versteht. Dass er es irgendwann auch alleine können wird. Deshalb tauschen Jain und Fitschen heute die Rollen. Jain ist ausnahmsweise mal nicht für die genialen Deals zuständig, sondern für das Gefühl. "Dies ist ein bewegender Tag für mich", lässt er die Aktionäre wissen und versichert ihnen, dass die Bank "fest verankert hier in Deutschland" sei.

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Deutsche-Bank-Chef Jain: "Wandlung vom Saulus zum Paulus"
Zum Ende seiner kurzen Rede wird Jain persönlich. Er und seine Familie seien in Deutschland "auf Freundlichkeit und Freundschaft" getroffen "Wir bekamen Rat und Hilfe von so vielen Menschen. In der Deutschen Bank und im privaten Leben. Das tat gut. Vielen Dank dafür von mir, von uns."

So schlimm wie Falschgeld zu drucken

In der Tat versuchen Jain und seine Frau Geetika in Deutschland anzukommen. Sie haben eine Wohnung in Frankfurt gemietet - als zweites Domizil neben ihrem Haus im Londoner Westend. Und sie lernen beide fleißig Deutsch. Bei der Hauptversammlung sitzt Geetika Jain in der ersten Reihe, um die erste Rede ihres Mannes in der noch so fremden Sprache zu hören.

Bei den Aktionären kommt Jains Charmeoffensive gut an. Mehrmals wird er von Applaus unterbrochen. "Die deutsche Rede war ein guter Versuch", sagt hinterher ein älterer Aktionär am Buffett. Immerhin: ein Versuch.

Vertreter der großen Aktionärsvereinigungen sehen Jain immer noch kritisch. Es gebe immer noch eine "reservierte Skepsis", was den Glauben an die "Wandlung vom Saulus zum Paulus" angehe, sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Skandale, die die Bank in den vergangenen Monaten erschüttert haben, seien "auch Geschäften zu verdanken, die unter Ihrer Leitung im Geschäftsbereich Investmentbanking getätigt wurden", sagte Nieding.

Jain war bis zum vergangenen Jahr Chef des Investmentbankings. In seinen damaligen Verantwortungsbereich fallen Skandale wie die Verwicklung der Deutschen Bank in die versuchte Manipulation von Referenzzinssätzen, die Nieding als "geradezu unsäglich" bezeichnet. Das sei in etwa so schlimm wie "Falschgeld zu drucken".

Auch Markus Kienle von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) überbrachte im Namen der Aktionäre vor allem Verärgerung über die ständigen Skandale. "Man stellt sich manchmal die Frage", sagte Kienle, "ob man hier an einer Bank beteiligt ist oder an einer kriminellen Vereinigung".

Viele Aktionäre wollen Fitschen behalten

Es sieht so aus, als würde es noch eine Weile dauern, bis die Bank ihren Ruf wieder einigermaßen hergestellt hat. Und die beiden Chefs sind sich dessen offenbar bewusst. "Man kann nicht einfach den Hebel umlegen", sagte Fitschen. "Ein Kulturwandel muss sich Schritt für Schritt entfalten und sich tief in der Bank festsetzen."

Die Frage ist nur: Wer garantiert, dass es den angekündigten Wandel tatsächlich geben wird? Am ehesten trauen Investoren und Geschäftspartner dies Fitschen zu. Doch dessen Vertrag läuft nur noch bis 2015, dann ist er 66 und könnte eigentlich in Rente gehen. Doch viele Aktionäre würden ihn gerne behalten. Sie schätzen Jain als Gewinnbringer, doch sie misstrauen offenbar seinen Absichten - und fordern deshalb, dass Fitschen seinen Vertrag noch einmal um zwei Jahre verlängert. In der Bank gilt diese Variante durchaus als möglich.

Für Jain hieße dies: Er müsste weiter warten, bis er die Bank alleine regieren kann. Auf der Hauptversammlung bedankte er sich bei den Aktionären gleich mehrmals für deren Geduld. Der Kulturwandel brauche Zeit, sagte Jain - und seine Deutschkenntnisse ebenso. Wie es scheint, braucht auch er selbst noch ein bisschen Geduld.

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blackpride 23.05.2013
1. Abstammungsfetischismus
Zitat von sysopREUTERSBei der Hauptversammlung der Deutschen Bank beeindruckt Anshu Jain die Aktionäre mit einer gefühligen Rede auf Deutsch. Doch die Skepsis gegenüber dem indischstämmigen Investmentbanker bleibt. Einige fürchten schon die Zeit, wenn er die Bank allein regieren wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-jain-bewirbt-sich-auf-deutsch-um-die-alleinherrschaft-a-901523.html
Absolut bezeichnend. Der Mann ist Brite, Ende! Wie lange wird es noch Dauern bis man in Deutschland diesen widerlichen Abstammungsfetischismus überwunden hat.
habu 23.05.2013
2. Abstammungsfetischismus? Unsinn
Zitat von blackprideAbsolut bezeichnend. Der Mann ist Brite, Ende! Wie lange wird es noch Dauern bis man in Deutschland diesen widerlichen Abstammungsfetischismus überwunden hat.
Ob der Mann Inder, Brite, Deutscher oder blackpride ist, interessiert doch nicht. Investmentbanker wie er haben mit skrupellosen Geschäften ihren Gewinn maximiert und das Spielkasino betrieben, das beim Zusammenbruch viele Leute ins Elend riss. Vorbehalte gegen solcherart gepolte "Banker" sind mehr als angebracht!
neue_mitte 23.05.2013
3. Abstammungsbetrachtung ist absolut menschlich
Zitat von blackprideAbsolut bezeichnend. Der Mann ist Brite, Ende! Wie lange wird es noch Dauern bis man in Deutschland diesen widerlichen Abstammungsfetischismus überwunden hat.
So lange, wie sich Migranten-Gruppen nicht mehr selbst darüber definieren oder ihre Herkunft gar für besser halten (für Ehepartner/Freunde der Kinder, Nachbarn...), so lange wie in manchen Stadtvierteln zur WM/EM ein Meer an roten Fahnen mit Halbmond zu sehen ist, so lange wird es dauern, bis das die Biodeutschen in Deutschland auch überwunden haben. Selbst meine Frau sieht sich als Perserin, obwohl hier geboren, ihre Eltern tun das erst recht. Das ist OK. Meinen Schwager kann ich ganz toll damit aufziehen, wenn ich ihn etwas frage, wie er als Deutscher zu dem und dem Thema steht, "L.m.a.A." ist so die Standardantwort. Ich hingegen sehe mich als Deutscher wie meine Mutter, nur mein Herr Papa ist stolzer Ungar. Dieser "Abstammungsfetischismus" ist menschlich und läuft seit 100.000en von Jahren. Das bekommen Sie nicht in den 50 Jahren weg, seitdem es Einwanderung hier gibt - siehe eben bei den Einwanderern selbst. Das ist so eine menschliche Gesetzmäßigkeit, wie die Entschuldigung für die Londoner Machetenmörder, sie wären aus einfachen Verhältnissen und perspektivlos und so - und deswegen würden sie das tun. Oder alternativ, weil Briten in Afghanistan und so. Ja und genauso ist das mit der Abstammung - absolut menschliches Verhalten. Zum Thema Jain an sich: Himmel hilf, dass der alleine "regiert". Die Politik hört ja jetzt schon zu viel auf die Banken, aber dieser Typ, der so für die Ursache der Bankenkrise steht... Nein, bitte nicht.
gullliver 23.05.2013
4. Greencard
Woher hat der eigentlich seine Aufenthaltserlaubnis? Ist das so eine Greencard wo die CDU mal gegen gewettert hat? Von wegen Kinder statt Inder (das kam von Rüttgers) und so? Er wird sich doch legal in der EU aufhalten? ;-)
wibo2 23.05.2013
5. @blackpride
Zitat von blackprideAbsolut bezeichnend. Der Mann ist Brite, Ende! Wie lange wird es noch Dauern bis man in Deutschland diesen widerlichen Abstammungsfetischismus überwunden hat.
Wenn Sie bei google suchen nach - kritik deutsche bank - dann erhalten Sie ungefähr 1.370.000 Ergebnisse in (0,15 Sekunden). Anshuman "Anshu" Jain (* 7. Januar 1963 in Jaipur, Bundesstaat Rajasthan, Indien) ist ein britischer Bankmanager indischer Herkunft.Er gehört der indischen Religion des Jainismus an. Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft trinken keinen Alkohol, sind Vegetarier und verabscheuen jegliche Form von Gewalt. (wikipedia) Es gab und gibt ausgezeichnete indische Mathematiker von Weltklasse Format. Hoffen wir, dass Jain als Investment Banker gut rechnen kann. Seine Herkunft sollte bei der Bewertung seiner Person keine Rolle spielen, die Deutsche Bank braucht jetzt einen Retter in der Not. Wenn nicht er, wer sollte das dann sonst sein? Weil die großen Geschäfte sich sowieso nach Asien verlagern! siehe Kritik an der Deutschen Bank (http://www.global-ethic-now.de/gen-deu/0d_weltethos-und-wirtschaft/0d-04-verantwortung/0d-04-206-deutsche-bank-kritik.php) Startseite - ZDF Mediathek (http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1903420/Unheimliche-Gesch%C3%83%C2%A4fte)
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