Deutsche Bank Jain braucht Fitschen - noch ein bisschen

Jürgen Fitschen soll bis 2017 Chef der Deutschen Bank bleiben. Was zunächst wie eine Niederlage für seinen Co-Chef Anshu Jain aussieht, könnte diesem am Ende den Weg zur angestrebten Alleinherrschaft ebnen.

Jain benötigt Fitschen: Verlierer könnte ein Dritter sein
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Jain benötigt Fitschen: Verlierer könnte ein Dritter sein

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Zwischen den beiden Nachrichten lag nicht mal eine Stunde: Während die Richterinnen am Frankfurter Arbeitsgericht noch darüber berieten, wie sie die Deutsche Bank für die Fehler der Vergangenheit büßen lassen, verkündete der Konzern kaum zwei Kilometer entfernt schon mal eine entscheidende Personalie für die Zukunft: Jürgen Fitschen, 65, wird bis März 2017 Co-Chef des Konzerns bleiben - also genauso lange wie sein Kollege Anshu Jain.

Es mag Zufall sein, dass die beiden Entscheidungen am selben Tag fielen, doch man kann sie durchaus miteinander in Verbindung bringen. Denn das Urteil des Frankfurter Arbeitsgerichts zeigt, wie nötig die Bank ihren großen Vermittler Fitschen immer noch hat.

Die Richterinnen haben entschieden, dass die Bank vier Geldhändlern zu Unrecht gekündigt hat - eine dicke Panne bei der Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Strategie der Bank, die Fehler von früher vor allem einzelnen Mitarbeitern auf unteren Ebenen anzulasten, ist damit ins Wanken geraten. Und es stellt sich einmal mehr die Frage, wer denn nun verantwortlich ist für die vielen Skandale, die die Bank immer wieder einholen.

Bei der Antwort kommt man an einem Namen nicht vorbei: Anshu Jain war bis zu seinem Amtsantritt als Co-Chef jahrelang für das Investmentbanking verantwortlich, also für den Bereich, in dem sich fast alle Skandale ereignet haben. Er hat mittlerweile zwar offenbar erkannt, dass die Bank sich ändern muss. Doch seine Vergangenheit belastet ihn auch in seiner neuen Rolle noch immer schwer. Selbst wichtige Aktionäre sind skeptisch, ob der gelernte Investmentbanker den offiziell eingeläuteten Kulturwandel auch wirklich glaubwürdig vertreten kann.

Jain braucht Fitschen als Aufpasser und Vermittler

Jain 2015 die alleinige Führung anzuvertrauen, wäre ein zu großes Risiko für die Bank. Er braucht Fitschen an seiner Seite - als Aufpasser, aber auch als Vermittler für die deutsche Öffentlichkeit, mit der der angloindische Investmentbanker immer noch arg fremdelt.

Strategisch kommt Fitschens Vertragsverlängerung für Jain gar nicht so ungelegen, wie es zunächst aussieht. Zwar muss er sich nun noch ein wenig länger gedulden. Doch er weiß: 2017, wenn beide Verträge auslaufen, ist Fitschen 68 und wird endgültig in den Ruhestand gehen. Jain selbst aber hat noch Ambitionen. Gut möglich, dass ihn die Aufsichtsräte und Investoren dann als reif genug erachten, um die Bank allein zu führen.

Die Führungsdebatte wurde nur vertagt

Verlierer der aktuellen Entscheidung könnte deshalb ein Dritter sein: Privatkundenchef Rainer Neske. Er galt schon zu Zeiten des ehemaligen Bankchefs Josef Ackermann als Kronprinz, dann wurde er als möglicher Nachfolger von Fitschen in der Doppelspitze gehandelt. Doch der bodenständige Vertriebsmann Neske versteht sich mit dem kühlen Zahlengenie Jain dem Vernehmen nach längst nicht so gut wie Fitschen. Die Vertragsverlängerung an der Spitze könnte für ihn nun das Signal sein, dass man nicht mehr mit ihm plant.

Die Deutsche Bank hat mit der Personalentscheidung eine quälende Führungsdebatte verhindert - allerdings nur fürs Erste. Spätestens in drei Jahren werden die Aufsichtsräte vor der schwierigen Frage stehen, ob sie Jain allein an die Macht lassen wollen. Und wenn sie Pech haben, ist der vielleicht fähigste Tandemkandidat aus der zweiten Reihe dann schon gar nicht mehr da.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
pablo1 11.09.2013
1. na ja...
Zitat von sysopDPAJürgen Fitschen soll bis 2017 Chef der Deutschen Bank bleiben. Was zunächst wie eine Niederlage für seinen Co-Chef Anshu Jain aussieht, könnt diesem am Ende den Weg zur angestrebten Alleinherrschaft ebnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-jain-braucht-fitschen-noch-ein-bisschen-a-921756.html
... das übliche Journalistenstammtisch-Gesülze. Es ist nichts einfacher als über irgendwelche Vorgänge bei der Deutschen Bank eine Pseudo-Analyse oder einen ebensolchen Kommentar abzulesen. Lesen braucht man das aber nicht.
spengler.wolfgang 11.09.2013
2. interessant
ein anglo-indisches zahlengenie, aus der skandaloesen investment banking sparte, da wurde doch massenweise geld versenkt, also da passt was nicht zusammen, oder uebersehe ich da etwas?
Gerixxx 11.09.2013
3. Aha....
Zitat von sysopDPAJürgen Fitschen soll bis 2017 Chef der Deutschen Bank bleiben. Was zunächst wie eine Niederlage für seinen Co-Chef Anshu Jain aussieht, könnt diesem am Ende den Weg zur angestrebten Alleinherrschaft ebnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-jain-braucht-fitschen-noch-ein-bisschen-a-921756.html
Skrupellosigkeit und multiple Gesetzesbrüche werden also belohnt - zumindest sind sie salonfähig. Oder verwechsle ich da was mit Leadership und Managementkultur ? Als Mitarbeiter kommt man sich vor wie der letzte Depp, der erst so richtig unter Rendite-Druck gesetzt und - nachdem man sich dem gebeugt hat - danach von denselben Leuten dafür gemaßregelt und unter Verweis auf die Werte die sie gerade als Fussabtreter benutzt haben auch noch belehrt und gedemütigt wird.... Eine Bank mit dieser Unternehmenskultur ist eine kriminelle Vereinigung und die vorsätzlich/fahrlässig wegsehenden Aktionäre und Aufsichtsräte deren Mafiapaten....
economic-fool 11.09.2013
4. Es könnte also Jain den Weg ebnen ...
oder aber auch nicht! Da wäre ich ohne Herrn Kaiser NIE drauf gekommen ...
mielforte 12.09.2013
5. Die Doppelspitze ließ sich einfach besser verkaufen,
es gibt eben keine "Deutsche" Bank mehr. Das ist die Botschaft dieses Artikels.
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