Skandale und Milliardenverlust Deutsche-Bank-Chefs spielen auf Zeit

Ständig neue Skandale - und nun auch noch ein Milliardenverlust: Die Deutsche Bank steckt tief in der Krise. Die Konzernführung wirbt um Geduld; Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben alles auf das Jahr 2015 ausgerichtet. Nun müssen sie hoffen, dass man ihnen so lange Zeit lässt.
Jain: 2014 soll der Wendepunkt für die Deutsche Bank sein

Jain: 2014 soll der Wendepunkt für die Deutsche Bank sein

Foto: © Lisi Niesner / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Am Ende versuchte es Anshu Jain mit einem persönlichen Appell: "So etwas wie die Unternehmenskultur kann man nicht über Nacht ändern", rief er den Finanzanalysten und Journalisten in der Telefonkonferenz zu, "aber zweifeln Sie nicht an unserem absoluten Bekenntnis, dies zu erreichen."

Wenn der sonst so nüchterne Co-Chef der Deutschen Bank zu solch pathetischen Worten greift, muss die Lage ernst sein. Und in der Tat: So schwierig wie derzeit war es für Deutschlands größtes Geldhaus selten in den vergangenen Jahrzehnten. Nun scheint es auch noch seinen Erfolgsnimbus der Vergangenheit verloren zu haben. Im Schlussquartal 2013 machte die Bank fast eine Milliarde Euro Verlust, vor Steuern waren es sogar knapp 1,2 Milliarden Euro.

Die Zahlen dürften auf Jain und seinen Co-Chef Jürgen Fitschen umso frustrierender wirken, wenn sie auf die Konkurrenz aus den USA schauen. Die dortigen Top-Institute wie JP Morgan oder Goldman Sachs haben Milliardengewinne für das vierte Quartal vermeldet und im Gesamtjahr 2013 schon wieder Summen eingefahren, die den Rekorden aus der Zeit vor der Finanzkrise nahekommen.

Während die US-Institute die Vergangenheit also weitgehend hinter sich gelassen haben, steckt die Deutsche Bank noch mittendrin in der Aufarbeitung. 2,5 Milliarden Euro hat sie im vergangenen Jahr für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten bezahlt, darunter ein Milliardenvergleich mit den US-Behörden wegen des Verkaufs von Hypothekenpapieren und eine Strafe der EU-Kommission im Skandal um manipulierte Referenzzinssätze.

Das Investmentbanking schwächelt

Doch das dürfte längst nicht alles gewesen sein. Im Zinsskandal stehen zusätzliche Strafen in den USA und Großbritannien aus. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin ermittelt weiter. Und dann ist da ja noch der mögliche nächste Riesenskandal, dessen Aufarbeitung erst am Anfang steht: Diesmal geht es nicht um manipulierte Zinsen, sondern um Wechselkurse verschiedener Währungen - ein Markt, in dem die Deutsche Bank so stark vertreten ist wie kein anderes Geldhaus in der Welt.

Mehrere Institute haben bereits Devisenhändler entlassen. Auch die Deutsche Bank hat nach Angaben aus Finanzkreisen bereits Mitarbeiter in den USA suspendiert. Die BaFin plant nach SPIEGEL-Informationen eine weitere Sonderprüfung. Ob angesichts solcher Herausforderungen die verbliebenen Rückstellungen von 2,3 Milliarden Euro ausreichen, wird von vielen Experten bezweifelt.

Die Rechtsfälle sind jedoch längst nicht das einzige Problem der Bank. Auch in ihrem früheren Vorzeigegeschäft, dem Investmentbanking, läuft es überhaupt nicht rund. Gerade mal 95 Millionen Euro Gewinn warf der Bereich im abgelaufenen Quartal noch ab - im Vergleich zu den Milliardenüberschüssen von früher ist das äußerst mickrig.

Grund ist die starke Ausrichtung der Deutschen Bank auf den Handel mit Anleihen - ein Bereich, in dem es wegen der niedrigen Zinsen zuletzt wenig zu verdienen gab. Während die Konkurrenz die Flaute durch das Geschäft mit Aktien und Börsengängen ausgleichen konnte, gelang der Deutschen Bank dies nicht.

Eine Milliarde Euro für bessere Kontrollen

Trotz all dieser Probleme geben sich die Bankchefs zuversichtlich. Sie wollen vor allem auf das Jahr 2015 schauen: Dann, so haben es Jain und Fitschen kurz nach ihrem Amtsantritt im Sommer 2012 angekündigt, soll die Bank neu aufgestellt sein - mit weniger Kosten, weniger Risiko und endlich wieder mehr Gewinn.

Zumindest was die Kosten und das Risiko angeht, ist die Bank in den vergangenen Monaten tatsächlich schon vorangekommen. In der internen Bad Bank hat sie ihren Bestand an riskanten Wertpapieren abgebaut und so die Bilanz erheblich verkleinert. Auch das Eigenkapital wurde gestärkt. Man sei heute eine "sicherere Bank", sagte Jain.

Auch Skandale wie in der Vergangenheit soll es möglichst nicht mehr geben. Eine Milliarde Euro werde man investieren, um die Einhaltung der Regeln besser zu überwachen, versprach Jain. Dazu sollten rund hundert zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.

Solche Initiativen mögen der Bank langfristig helfen, das Vertrauen von Öffentlichkeit und Investoren wiederzugewinnen. Doch auch Jain und Fitschen werden vor allem an den Zahlen gemessen, die sie vorlegen. Für 2015 haben sie eine Rendite auf das Eigenkapital von mehr als zwölf Prozent versprochen - weil diese Zahl nach Steuern gerechnet wird, ist sie kaum weniger anspruchsvoll als das berühmte 25-Prozent-Ziel von Vorgänger Josef Ackermann.

Mancher Investor wird offenbar langsam ungeduldig, ob sich dieses Ziel erfüllen lässt. Am Montag sackte der Aktienkurs bis zum Mittag um mehr als vier Prozent ab. Bankchef Jain warb derweil um Durchhaltevermögen. Schon das Jahr 2014 werde ein Wendepunkt sein, versprach er. Man müsse nur noch etwas Geduld haben.

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