Euro-Krise Deutsche Bank sieht gute Gründe für Griechen-Austritt

Es sind bemerkenswerte Aussagen des neuen Chefduos der Deutschen Bank: Anshu Jain und Jürgen Fitschen sagten der "FAZ", es gebe viele gute Argumente für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Im manager magazin sprechen die beiden über ihr persönliches Verhältnis.

Deutsche-Bank-Chefs Jain und Fitschen: "Viele gute Gründe für Euro-Austritt der Griechen"
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Deutsche-Bank-Chefs Jain und Fitschen: "Viele gute Gründe für Euro-Austritt der Griechen"


Hamburg - Seit drei Wochen ist die neue Doppelspitze im Amt. Nun sorgen die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, mit Bemerkungen zur Euro-Krise für Aufsehen. Es könne "viele gute Gründe" dafür geben, dass Griechenland den Euro verlassen solle, sagten sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Aber wenn wir Griechenland im Euro halten könnten, wäre das ein gutes Zeichen." Wie groß die Ansteckungsgefahr für Italien und Spanien sei, hänge von der Entwicklung in Griechenland ab.

Zugleich müssten Maßnahmen ergriffen werden, die es möglich machten, Staatsanleihen sehr bald wieder als attraktiv einzustufen, auch unter Risikoaspekten. "Ein Modell, wie Banken ohne ein solches Szenario bestehen können, kann ich mir nur schwer vorstellen", sagte Jain der "FAZ". "Das würde ja bedeuten, dass man sich nur noch auf amerikanische, britische oder deutsche Staatsanleihen stützen könne - das wäre aber keine nachhaltig tragfähige Lösung."

Die beiden Chefs sehen die Deutsche Bank vor schweren Zeiten. "Wir stehen vor enormen Herausforderungen", sagte Co-Chef Fitschen dem manager magazin. "Das Umfeld für Banken ändert sich dramatisch", warnte auch Jain. Die Bank werde deshalb um Anpassungen bei Geschäftsmodell, Kapitalausstattung und Kostenstruktur nicht herumkommen.

Das Investmentbanking werde auch in Zukunft einer der entscheidenden Bereiche der Bank bleiben, kündigte Jain an. Allerdings werde man darauf bedacht sein, das Geschäft nachhaltiger zu betreiben. In diesem Zusammenhang werde die Bank unter anderem ihr Engagement in Bereichen wie dem Handel mit Agrarrohstoffen überprüfen, sagte Fitschen: "Wir sind uns der Verantwortung, die mit dem Thema Nachhaltigkeit einhergeht, bewusst." Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit wollen die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank Chart zeigen in den kommenden Monaten auf den geplanten Umbau der Vermögensverwaltung legen. Die Pläne zum Verkauf der Sparte sind vorerst gescheitert, wie der Konzern am Mittwoch bekanntgab.

Doppelspitze will schlechtes Image der Finanzbranche ändern

Mit Blick auf die in Deutschland geplante Finanztransaktionssteuer warnten Jain und Fitschen vor einer möglichen Wettbewerbsverzerrung. "Wir können nur daran erinnern, dass man bei allen berechtigen Überlegungen zur Beteiligung der Banken an den Kosten künftiger Krisen den internationalen Vergleich nicht aus den Augen verlieren sollte", sagte Fitschen dem manager magazin.

Befürchtungen, die Doppelspitze könnte dazu führen, dass innerhalb des Instituts alte Gräben zwischen angelsächsischen Investmentprofis und traditionellen deutschen Bankern wieder aufreißen, versuchten die Bankchefs zu entkräften. "Wir beide stehen für eine gute Zusammenarbeit", versicherte Fitschen. Man wolle sich zugleich bemühen, das infolge der Finanzkrise angeschlagene Image der Geldinstitute wieder zu verbessern. "Wir wissen, dass viele Menschen zur Zeit keine allzu hohe Meinung von der Finanzbranche haben", sagte Fitschen. "Wir werden alles tun, um das zu ändern."

cte



insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
B.Lebowski 21.06.2012
1.
Zitat von sysopDPAEs sind bemerkenswerte Aussagen des neuen Chefduos der Deutschen Bank: Anshu Jain und Jürgen Fitschen sagen einer Zeitung, es gebe viele gute Argumente für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Im manager magazin sprechen die beiden über ihr persönliches Verhältnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,840186,00.html
Schlaueres zu sagen, als unsere Politiker ist zwar nicht schwer, aber selten. Um so erstaunlicher, dass ausgerechnet Bankmanager den richtigen Ton treffen.
hasimen 21.06.2012
2. morgen Abend !
Das können die schneller haben als gedacht : morgen abend 20:45 !
heinz-dietrich.saupe@mmmp 21.06.2012
3. Deutsche Bank sieht gute Gründe für Griechen-Austritt
Es gäbe viele bessere Gründe für die Griechen, in der Euro-Zone zu verbleiben. Es müssen lediglich die rückständigen Steuern eingetrieben werden, dann ist die herbeigeredete Krise der Griechen beendet. Frau Dr. Merkel sollte gefragt werden, aus welchen Gründen Sie die Griechen derart ins "Sparen" trieb, dass die sogar Steuerfahnder und Steuereintreiber entlassen mussten.
kuac 21.06.2012
4. Verzicht..
Zitat von sysopDPAEs sind bemerkenswerte Aussagen des neuen Chefduos der Deutschen Bank: Anshu Jain und Jürgen Fitschen sagen einer Zeitung, es gebe viele gute Argumente für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Im manager magazin sprechen die beiden über ihr persönliches Verhältnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,840186,00.html
"Deutsche Bank sieht gute Gründe für Griechen-Austritt"! Sieht dann auch die Deutsche Bank gute Gründe für den Verzicht der GR Forderungen? Ansonsten was steckt hinter solcher Meinungsäusserung?
finger_weg 21.06.2012
5. Die Schlagzeile ...
... hätte auch lauten können: "Wenn wir Griechenland im Euro halten könnten, wäre das ein gutes Zeichen."
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