Deutsche Bank Cryan räumt auf

Der Vorstandschef der Deutschen Bank sieht Erfolge beim Umbau: Laut John Cryan geht es bei der Aufarbeitung von Rechtstreitigkeiten ebenso voran wie bei der Trennung von Filialen und Kunden.

John Cryan
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John Cryan


Die Deutsche Bank macht bei ihrem Umbau laut Vorstandschef John Cryan Fortschritte. Das Geldhaus habe sich von Hunderttausenden Kunden getrennt und seine IT-Systeme vereinfacht, sagte der Brite auf einer Investorenkonferenz.

Zudem könnte Deutschlands größte Bank Skandale bald durch Vergleiche aus der Welt schaffen. "Wir kommen Abschlüssen näher", sagte Cryan. "Wir machen an drei bis vier Fronten Fortschritte". Er sei zuversichtlich, dass die Bank bis Jahresende wie angepeilt die größten Rechtsstreitigkeiten beilegen könne. Dazu zählen Geldwäsche-Vorwürfe in Russland und umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA.

Vor einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU muss sich das Geldhaus laut Cryan nicht fürchten. "Wir sind eine deutsche Bank - und Deutschland will bis jetzt nicht austreten." Bei einem Brexit müsste sich die Deutsche Bank allerdings wie alle Geldhäuser auf Marktturbulenzen einstellen.

Die Frankfurter wollen versuchen, sich so gut wie möglich gegen Marktausschläge abzusichern. "Wir schalten in den Defensiv-Modus", sagte Cryan. Er würde nach einem Brexit auf lange Sicht Geschäfte von London nach Kontinentaleuropa verlegen. "Unsere Kunden wollen Staatsanleihen von Eurozonen-Staaten dann vermutlich nicht mehr in London handeln". Das Institut beschäftigt in Großbritannien über 8000 Mitarbeiter, darunter zahlreiche Investmentbanker.

Erneute Verluste erwartet

Wegen des Umbaus im laufenden Jahr könnte die Deutsche Bank erneut rote Zahlen schreiben, sagte der Vorstandschef weiter. Die Restrukturierung, die bis Jahresende größtenteils abgeschlossen sein soll, stehe 2016 aber im Vordergrund. Es sei wichtig, dass sich die Bank schlanker aufstelle und sich aus wenig gewinnträchtigen Bereichen zurückziehe, sage der seit elf Monaten amtierende Vorstandschef. Im zurückliegenden Jahr habe das Geldhaus über 750.000 Konten geschlossen.

Auch bei der geplanten Schließung von 200 Filialen in Deutschland und der damit verbundenen Streichung von 4000 Arbeitsplätzen will Cryan bald Klarheit haben. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat hätten sich "furchtbar lang" hingezogen, sagte er. Die Unsicherheit, wer am Ende gehen muss, drückt bei vielen der weltweit rund 100.000 Mitarbeiter auf die Stimmung.

Die Gespräche mit dem Betriebsrat befänden sich nun aber in den letzten Zügen, sagte Cryan. "Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten ein bis zwei Monaten eine Einigung erzielen werden und dann mit den Filialschließungen und dem Abbau von Stellen voranschreiten können".

Gleichzeitig sucht die Bank nach Alternativen zu einem Börsengang der Postbank. "Wir könnten zwar einen Börsengang durchziehen, aber wir wollen das jetzt nicht, weil ich glaube, dass der Preis, den wir erzielen würden, für unsere Aktionäre nicht attraktiv wäre", sagte Cryan weiter. Deshalb müsse die Bank auf ein besseres Klima für Börsengänge warten - oder nach "etwas kreativeren Wegen" suchen, sich von ihrer Beteiligung zu trennen. "Aber die Bank steht zum Verkauf", sagte er.

brt/Reuters

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