Ex-Chef der Deutschen Bank Ackermann redet seine Vergangenheit schön

Die Deutsche Bank macht Verluste - laut Konzernchef Cryan wurden Probleme früher verschleppt. Der ehemalige Vorstandschef Ackermann sieht bei sich jedoch keine Schuld.
Josef Ackermann (Archiv)

Josef Ackermann (Archiv)

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Skandale und Rechtsstreitigkeiten etwa um Manipulationen am Referenzzinssatz Libor, dubiose US-Hypothekengeschäfte: Die Liste der teuren Altlasten, die die Deutsche Bank   seit Langem belasteten, ist lang. Josef Ackermann blickt dennoch zufrieden auf seine zehn Jahre an der Spitze des größten deutschen Geldhauses zurück.

"Ich bin darauf und auf die Leistung meines Teams sehr stolz", sagt der Ex-Vorstandschef des Instituts. Die Deutsche Bank sei binnen weniger Jahre in die Top-Liga der internationalen Banken aufgestiegen.

Der amtierende Konzernchef John Cryan hatte vergangenen Sommer moniert, die Deutsche Bank habe nach der Finanzkrise 2007/2008 später als andere Banken begonnen, Probleme zu beheben: "Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten."

Ackermann, der den Dax-Konzern bis Ende Mai 2012 führte, sagt dagegen: "Gewiss waren auch wir nicht ohne Fehl und Tadel und haben Fehler gemacht - welcher Mensch macht keine? - aber diese hielten sich vergleichsweise doch sehr in Grenzen." Und: "Ich habe seinerzeit eine Bank an meine Nachfolger übergeben, die für die Zukunft gut aufgestellt war."

Erst vergangene Woche hatte die Deutsche Bank den dritten Jahresverlust in Folge bekanntgegeben - während die Boni der Bosse steigen. Bankchef Cryan baut den Konzern um, zahlreiche Stellen sollen wegfallen. Zudem kämpft die Bank mit Nachwehen der Finanzkrise: Weil sie wegen der aktuellen US-Steuerreform die Verluste aus dieser Zeit nicht mehr in gleichem Maße auf künftige Steuern anrechnen kann, schloss sie 2017 erneut im Minus ab. (Lesen Sie hier den Hintergrund: Aufstieg und Fall einer Größenwahnsinnigen.)

Ackermann, der am Mittwoch 70 Jahre alt wird, verweist darauf, dass die Bank unter ihm nach der Krise rasch wieder stattliche Gewinne erwirtschaftet habe. Risiken seien verringert worden. Alles was als korrekturbedürftig erkennbar war, sei damals auch korrigiert worden, sagt er. Außerdem habe es eine schwere Staatsschuldenkrise im Euroraum gegeben, die der Finanzkrise folgte.

Türme "Soll und Haben": Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

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Foto: Boris Roessler/ dpa

"Welche Rechtskosten später noch auf die Bank zukommen würden, war bei meinem Ausscheiden noch nicht absehbar. Aber unabhängig davon standen diese einer guten Zukunft nicht im Wege", sagt Ackermann. Nach seinem Weggang musste die Bank allein zwischen 2012 und 2015 knapp 13 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten aufwenden.

apr/dpa
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