Studie von Anlegerschützern Paul Achleitner ist bestbezahlter Dax-Aufsichtsrat

Die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne haben 2019 insgesamt etwas weniger verdient als im Vorjahr. Beim Chefkontrolleur der krisengeplagten Deutschen Bank durfte es laut einer Studie dagegen etwas mehr sein.
Paul Achleitner: Kassierte laut DSW 900.000 Euro als Kontrolleur

Paul Achleitner: Kassierte laut DSW 900.000 Euro als Kontrolleur

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Jürgen Schwarz / imago images

Verglichen mit 2020 war 2019 noch kein Krisenjahr. Trotzdem verdienten die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne in dem Jahr laut einer Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bereits etwas weniger als 2018. Insgesamt überwiesen demnach die 30 Konzerne im deutschen Leitindex rund 83,4 Millionen Euro an ihre Kontrolleure – 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund sei die veränderte Dax-Zusammensetzung, so die DSW. Thyssenkrupp musste etwa den Dax verlassen, während der Triebwerkspezialist MTU Aero Engines aufrückte.

An Paul Achleitner gingen derlei Verschiebungen bislang folgenlos vorbei. Der Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef ist erneut der bestbezahlte Chefkontrolleur im Dax. Der Manager erhielt laut Studie im vergangenen Jahr rund 900.000 Euro – knapp fünf Prozent mehr als 2018, als es noch rund 860.000 Euro waren. Auf Achleitner folgt mit 640.000 Euro BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer vor Siemens-Chefkontrolleur Jim Hagemann Snabe mit 612.500 Euro, wie es in dem am Donnerstag vorgestellten Papier heißt.

Der Anlegerschutzverein DSW untersucht seit 18 Jahren unter anderem, wie sich Vergütung, Transparenz und Arbeitsbelastung der Aufsichtsräte verändert haben – auch mit Blick auf eine Überdehnung mit zu vielen Posten oder zu lange Zeiten im Aufsichtsrat.

Nikolaus von Bomhard gilt als mächtigster Aufsichtsratschef

"Der Einfluss des Gremiums sollte keinesfalls unterschätzt werden", sagte Jella Benner-Heinacher, stellvertretende DSW-Hauptgeschäftsführerin. So habe die Insolvenz des Zahlungsabwicklers Wirecard, wo Kontrollen versagten, Missstände deutlich gemacht. Aufsichtsräte kontrollieren die Arbeit des Vorstands und berufen unter anderem Vorstände und Konzernchefs.

Die höchste Gesamtvergütung zahlte laut der Studie 2019 erneut die Deutsche Bank: Gut 6,1 Millionen Euro flossen an den 20-köpfigen Aufsichtsrat, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bank hatte zwei zusätzliche Ausschüsse eingerichtet. Auf das Geldhaus folgt BMW mit rund 5,6 Millionen Euro für das Kontrollgremium. Auf Platz drei lag Volkswagen mit 5,3 Millionen Euro und verdrängte damit Siemens.

Als mächtigsten Aufsichtsrat in Deutschland sieht die DSW Nikolaus von Bomhard, Aufsichtsratschef der Deutschen Post und der Münchener Rück. Auf Rang zwei folgt Michael Diekmann, Chefaufseher der Allianz und Aufsichtsrat bei Fresenius und Siemens. Den dritten Platz teilen sich Achleitner und Bayer-Chefkontrolleur Norbert Winkeljohann.

apr/dpa
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