Nach Überraschungsgewinn Deutsche Bank kündigt höhere Boni für Investmentbanker an

Die Deutsche Bank glänzt mit überraschend starken Geschäftszahlen - und will ihren umstrittenen Investmentbankern deshalb auch wieder höhere Boni zahlen. Nur so könne die Bank "Talent" im Konzern halten.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Foto: Ralph Orlowski / REUTERS

Nach einem überraschend guten dritten Quartal wächst bei der Deutschen Bank die Zuversicht. Trotz des beispiellosen Konjunktureinbruchs infolge der Coronakrise sei Deutschlands größtes Geldhaus 2020 durchgehend profitabel gewesen, sagte Konzernchef Christian Sewing: "Nach neun Monaten beläuft sich unser Gewinn auf 846 Millionen Euro vor Steuern, sodass wir weiterhin zuversichtlich sind, auch für das Gesamtjahr ein positives Vorsteuerergebnis zu erreichen."

Zugleich kündigte der Konzern auch an, in diesem Jahr wieder deutlich höhere Boni an Investmentbanker auszuschütten - eine Praxis, die der Bank in der Vergangenheit oft harsche öffentliche Kritik eingebracht hatte. Geplant seien Bonuserhöhungen für Investmentbanker, die außerordentlich gute Ergebnisse erzielt hätten, sagte Finanzvorstand James von Moltke in einem Interview mit dem Wirtschaftsportal "Bloomberg".

Profiteure der Krise?

Die Erträge aus dem Anleihehandel seien um 47 Prozent gestiegen, die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr sei im Wertpapierbereich nach oben korrigiert worden. Deshalb sei es eine Notwendigkeit, die Mitarbeiter des Investmentbankings dafür zu honorieren. "Ein Unternehmen wie unseres muss in der Lage sein, konkurrenzfähige Performance zu honorieren", sagte von Moltke. Die Bank verfüge über "hervorragendes Talent" im Unternehmen, müsse bei aller Vorsicht aber auch darauf achten, diese Mitarbeiter marktgerecht zu bezahlen.

In den Sommermonaten profitierte der Konzern davon, dass Kunden wegen der Coronakrise einen höheren Finanzierungs- und Beratungsbedarf hatten. An den Börsen gab es mehr Schwankungen. Besonders stark seien die Erträge im Handel mit Anleihen, Währungen und Zinsprodukten gestiegen, erläuterte Sewing. Teilweise habe die Bank von Wettbewerbern Marktanteile zurückerobert. Die Erträge in der Investmentbank kletterten um 43 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Die britische Bank Barclays und auch US-Rivalen wie JP Morgan und Goldman Sachs wuchsen in diesem Geschäft nicht so stark.

Selbst für einen weiteren Corona-Shutdown in Deutschland sieht sich die Deutsche Bank gerüstet. Sie werde auch diese Phase überstehen, sagte von Moltke. Zwar sei die Unsicherheit zuletzt wieder größer geworden, aber während der Beschränkungen im zweiten Quartal habe sich gezeigt, dass die Banken stark genug seien.

beb/dpa
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