Miese Quartalsbilanz Gewinn der Deutschen Bank bricht massiv ein

Die Deutsche Bank leidet unter der Flaute im Investmentbanking und Rechtsstreitigkeiten: Der Gewinn des größten deutschen Geldhauses schmolz im dritten Quartal auf nur noch 51 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte die Bank noch einen Überschuss von 754 Millionen Euro erwirtschaftet.

Deutsche-Bank-Co-Chefs Fitschen (l.), Jain: Milliarden für Rechtsstreitigkeiten
DPA

Deutsche-Bank-Co-Chefs Fitschen (l.), Jain: Milliarden für Rechtsstreitigkeiten


Frankfurt am Main - Der Gewinn der Deutschen Bank ist im dritten Quartal eingebrochen. Hintergrund sind vor allem juristische Altlasten, das Institut erhöhte seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten massiv. Zudem litt die Bank unter schwachen Geschäften im Investmentbanking. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 51 Millionen Euro, teilte die Bank am Dienstag mit. Im Vorjahreszeitraum hatte die Deutsche Bank Chart zeigen noch 754 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Co-Chef Anshu Jain hatte die Anleger bereits auf schwache Zahlen eingestimmt. Vor Steuern betrug der Überschuss im dritten Quartal nur 18 Millionen Euro, vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 1,1 Milliarden. Der Rückgang betrug damit 98 Prozent und fiel deutlich stärker aus als von Analysten erwartet.

Im ersten Halbjahr hatte die Deutsche Bank noch einen Gewinn von 1,995 Milliarden Euro nach Steuern erwirtschaftet. Auch dies waren aber bereits vier Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2012.

Weitere 1,2 Milliarden Euro für Rechtsrisiken

Für Rechtsstreitigkeiten legte die Deutsche Bank abermals 1,2 Milliarden Euro zur Seite. Damit beläuft sich die Vorsorge jetzt insgesamt auf über vier Milliarden Euro. Analysten hatten nicht mit einem so deutlichen Anstieg der Vorsorge gerechnet. Bereits in der ersten Jahreshälfte hatte die Bank gut 760 Millionen Euro für ihre juristischen Altlasten reserviert.

Hinzu könnten dem aktuellen Quartalsbericht zufolge im schlimmsten Fall weitere Belastungen von 1,3 Milliarden Euro kommen, für die der deutsche Branchenprimus noch keine Vorsorge in der Bilanz getroffen hat. Vor drei Monaten schätzte die Bank diese möglichen Verluste auf 1,2 Milliarden Euro.

Die milliardenschwere Vergleichsverhandlungen von JPMorgan Chart zeigen und der Bank of America Chart zeigen in den USA lassen auch die Deutsche Bank zittern. Dabei geht es vor allem um zweifelhafte Geschäfte mit Hypothekenpapieren aus der Zeit vor der Finanzkrise. Bei diesen Geschäften machte auch das größte deutsche Geldhaus mit. Hinzu kommen mögliche Strafen etwa im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze sowie im Dauerstreit um die Pleite des Kirch-Medienimperiums.

Nachholbedarf bei Kapitalpuffer

Der heftige Gewinneinbruch belastet auch die wichtigen Kapitalpuffer. Ende September lag die sogenannte harte Kernkapitalquote der Bank zufolge bei 9,7 Prozent. Das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als drei Monate zuvor. Damit erfüllt die Bank aber weiter die erst ab 2019 voll gültigen verschärften Regeln (Basel III). Im in den kommenden Wochen geplanten Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank müssen die Kreditinstitute auf eine Quote von acht Prozent kommen. Der Wert misst das Verhältnis des Eigenkapitals zu den Risikopositionen in der Bilanz.

Weiterhin Nachholbedarf hat die Deutsche Bank bei einer anderen Kennziffer zur Berechnung der Kapitalpuffer. Bei der sogenannten Leverage Ratio (Verschuldungsgrad), die das Eigenkapital ins Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme setzt, kam der deutsche Branchenprimus Ende September auf einen Wert von bereinigten 3,1 Prozent und damit etwas höher als vor drei Monaten. Damit hätte sie zwar die Mindestanforderungen erfüllt. Allerdings brauchte es zuletzt einige Berechnungsannahmen, damit die Deutsche Bank dieses Ziel erreichte. Analysten sahen hier zuletzt einen Schwachpunkt.

cte/Reuters/dpa



insgesamt 72 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tommit 29.10.2013
1. Ich dachte immer
Zitat von sysopDPADie Deutsche Bank leidet unter der Flaute im Investmentbanking und Rechtsstreitigkeiten: Der Gewinn des größten deutschen Geldhauses schmolz im dritten Quartal auf nur noch 51 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte die Bank noch einen Überschuss von 754 Millionen Euro erwirtschaftet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-massiver-gewinneinbruch-im-dritten-quartal-a-930529.html
Des Schweizers Nachfolger seien so grosse Helden, aber vielleicht war der Schweizer vorher einfach nur ein riesiger Gauner.. fragt einfach mal die Rentnerin Ingrid Matthäus Meier, die könnte da Erhellendes beitragen...
vendetta2014 29.10.2013
2. ????
Der Gewinn ist doch nicht eingebrochen, er wird zurückgehalten! Ein massiver Einbruch wäre es wenn man diese Gewinne nicht fahren würde und so kein Geld zum Rückstellen über hätte... So spart man sich auch gleich einiges an Steuern...
joG 29.10.2013
3. Sie hat über sehr viele Jahre...
.... Milliarden verdient. Dabei kam es wie in jeder Periode rasanten Wachstums zu Fehlentscheidungen und Ungleichgewichte. Dazu kommen wesentliche Änderungen der Regulierung, die das Geschäftsmodell in Frage stellen.
reinerotto 29.10.2013
4. Ist doch interessant
daß das eigentliche Bankgeschäft, Versorgung der Klientel mit Krediten, und Einsammeln von Einlagen hierfür (oder Aufnehmen von "Money for Nothing" von der EZB) , keinerlei Erwähnung wert ist. Ist aber auch nicht "zeitgemäß".
mathildesch. 29.10.2013
5. Gebt mir die Möglichkeiten der NSA
Nutzen die nicht sämtlich PRISM-Partner Software? "Microsoft joined PRISM in 2007" heißt es so ungefähr in den Snowden-Unterlagen. Gebt mir die Möglichkeiten der NSA für ein paar Monate - und die Deutsche Bank tanzt nach meiner Pfeife. In jeder Hinsicht und selbstverständlich ggfls. zum optimalen Nutzen des "land of the brave and the free". Echtes Verhandeln, sinnvolle Strategien ... nicht ohne mich und meine U/NSA möglich. Kein Gespräch bleibt "off the record", sondern wird sogar sofort schriftlich ausgegeben und automatisch analysiert nach Stichworten und emotionaler Verfassung der Sprechenden. Und ich bin nur ein einzelner Hobbydenker mit mittlerer Intelligenz. Aber mittels NSA hätte ich die Macht. Aktienkurs und Gewinn könnte ich Pirouetten zeichnen lassen. Ich könnte das. Und die NSA ... ist doch nicht dumm?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.