Quartalszahlen in der Coronakrise Deutsche Bank meldet überraschend Gewinn

Die Wirtschaft brach ein, die Deutsche Bank erholte sich: Trotz Corona ist das Institut 2020 nach eigenen Angaben bisher profitabel gewesen. Die Bank sieht sich für einen Lockdown gerüstet, doch es gibt Probleme.
Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt: Florierendes Kapitalmarktgeschäft in der Krise

Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt: Florierendes Kapitalmarktgeschäft in der Krise

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YANN SCHREIBER/ AFP

Die Deutsche Bank hat für das dritte Quartal trotz Coronakrise einen dreistelligen Millionengewinn gemeldet. Vor Steuern betrug er 482 Millionen Euro, nach Steuern waren es 309 Millionen Euro, wie das Geldinstitut mitteilte. Auf die Aktionäre des Dax-Konzerns entfielen noch 182 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der im Juli 2019 eingeleitete Konzernumbau noch zu hohen Verlusten geführt.

Angesichts dieser überraschend guten Zahlen wächst bei der Deutschen Bank nun die Zuversicht. Trotz des beispiellosen Konjunktureinbruchs infolge der Coronakrise sei Deutschlands größte Bank 2020 durchgehend profitabel gewesen, bilanzierte Konzernchef Christian Sewing: "Nach neun Monaten beläuft sich unser Gewinn auf 846 Millionen Euro vor Steuern, sodass wir weiterhin zuversichtlich sind, auch für das Gesamtjahr ein positives Vorsteuerergebnis zu erreichen."

Das Institut, das sich mitten in einem tief greifenden Umbau befindet, schneidet damit besser ab als vom Management geplant und von Analysten erwartet. Besonders das florierende Kapitalmarktgeschäft hat der Deutschen Bank laut Sewing zu dem hohen Gewinn verholfen. "Unser fokussiertes Geschäftsmodell zahlt sich aus, und wir erwarten, dass sich ein erheblicher Teil unserer Ertragssteigerungen als nachhaltig erweisen wird", sagte er. Die Ausrichtung der Investmentbank trage Früchte.

Selbst für einen weiteren Corona-Lockdown in Deutschland sieht sich die Deutsche Bank gerüstet. Sie werde auch diese Phase managen, sagte Finanzchef James von Moltke. Zwar sei die Unsicherheit zuletzt wieder größer geworden, aber während der Beschränkungen im zweiten Quartal habe sich gezeigt, dass die Banken stark genug seien.

Trotz der guten Zahlen sackten die Aktien der Deutschen Bank an der Börse ab. Die Papiere gaben in der Spitze 5,1 Prozent auf ein Zwei-Wochen-Tief von 7,51 Euro nach. Anschließend konnten sie sich etwas erholen und notierten noch 1,7 Prozent tiefer. Der Dax lag bis zu 3,5 Prozent im Minus. "Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass die Aktien steigen, aber der Gesamtmarkt gibt das nicht her", sagte ein Händler. Einige Anleger befürchteten zudem offenbar, dass das dritte Quartal ein positiver Ausreißer bleibe und das Schlussquartal nicht mehr so positiv überraschen werde.

Sparprogramm hält an: 18.000 Jobs sollen wegfallen

Die Deutsche Bank steigerte ihre Erträge besonders stark im Handel mit Anleihen, Währungen und Zinsen sowie im Beratungs- und Emissionsgeschäft. Die Einnahmen in der Investmentbank stiegen um 43 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Insgesamt legten die Erträge der Deutschen Bank im dritten Quartal um 13 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zu. Die Kosten sanken um zehn Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Zugleich schreitet der radikale Konzernumbau bei der Deutschen Bank nach mehreren Verlustjahren voran. Sewing will die Kosten deutlich nach unten drücken und peilt für das Jahr 2022 eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent an. Er bekräftigte das Ziel, die Kosten im Gesamtjahr auf 19,5 Milliarden Euro zu verringern, das wären 3,3 Milliarden weniger als 2018. Dazu soll bis Ende 2022 die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern um etwa 18.000 auf weltweit 74.000 verringert werden. Im Heimatmarkt Deutschland will das Institut jede fünfte Filiale streichen und das Netz auf 400 Standorte schrumpfen.

Coronakrise belastet Kreditgeschäft

Der eingeleitete Sparkurs trug auch zum positiven Zwischenergebnis bei, ebenso wie die Tatsache, dass die Deutsche Bank mit 273 Millionen Euro deutlich weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurücklegte als in den ersten beiden Quartalen. Seit Jahresbeginn hat der Dax-Konzern gut 1,5 Milliarden Euro in die Risikovorsorge für gefährdete Darlehen gesteckt - mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Die Coronakrise machte sich vor allem im Kreditgeschäft bemerkbar. Die Risikovorsorge für faule Kredite stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 273 Millionen Euro. Das war aber ein deutlich geringeres Volumen als die im zweiten Quartal verbuchten 761 Millionen Euro.

Die börsennotierte Fondstochter DWS profitierte unterdessen weiter von Kostensenkungen und hohen Mittelzuflüssen. Im dritten Quartal kletterte ihr Gewinn unter dem Strich im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 151 Millionen Euro. Die Gesamterträge der DWS lagen mit 558 Millionen Euro leicht unter den 560 Millionen Euro aus dem Vorjahr, während die um Sonderposten bereinigten Kosten dank Personaleinsparungen um 12 Prozent auf 342 Millionen Euro zurückgingen.

apr/dpa/Reuters