Urteil Deutsche Bank muss Kirch-Erben Schadensersatz zahlen

Einer der längsten Wirtschaftsprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik ist zu Ende. Die Deutsche Bank muss den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch Schadensersatz in noch nicht genannter Höhe zahlen. Das hat das Oberlandesgericht München entschieden. Das Geldhaus will das Urteil anfechten.
Anwälte von Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer: Das Geldhaus muss Schadensersatz zahlen

Anwälte von Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer: Das Geldhaus muss Schadensersatz zahlen

Foto: dapd

München - Es ist eine Schlappe für die Deutsche Bank: Das größte deutsche Geldhaus ist im Kirch-Prozess zu einer Schadensersatzzahlung verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München sah es als erwiesen an, dass Ex-Bankchef Rolf Breuer mitverantwortlich für die Pleite der Kirch-Gruppe war, wie der Vorsitzende Richter Guido Kotschy am Freitag sagte. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

Leo Kirch war im Juli vergangenen Jahres verstorben. Seine Erben setzten aber seinen seit gut zehn Jahren laufenden Rechtsstreit mit der Deutschen Bank fort. Auf dem Höhepunkt von Kirchs Karriere gehörten ihm der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und der Bezahlsender Premiere. Kirch warf dem Geldhaus vor, für die Pleite seines Imperiums verantwortlich zu sein.

Wie viel die Deutsche Bank zahlen muss, steht noch nicht fest. Das soll in einem Gutachten festgestellt werden. Das Gericht sprach bislang von einem Schaden bei Kirch zwischen 120 Millionen Euro und 1,5 Milliarden Euro. Die Erben fordern mehr als zwei Milliarden Euro.

Der Anwalt der Deutschen Bank, Markus Meier, kündigte eine Nicht-Feststellungsklage vor dem Bundesgerichtshof an. Peter Gauweiler, der die Kirch-Erben vertritt, sieht dafür nur geringe Chancen. Er sprach von einem "sehr, sehr großen Erfolg" für seine Mandaten. Beide Parteien können bis Ende Januar nun Gutachter vorschlagen. Zwei sollen dann die Höhe festlegen.

Umstrittene Interview-Äußerung von Breuer

Der Kirch-Prozess hatte sich über zehn Jahre hingezogen und war damit eines der längsten Wirtschaftsverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. In dem Prozess ging es um eine umstrittene Interview-Äußerung des früheren Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer. Er hatte im Jahr 2002 öffentlich über das Kirch-Imperium gesagt: "Was man alles lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder sogar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Die Kirch-Seite argumentiert, dass diese Äußerung die Pleite des Kirch-Medienunternehmens mitausgelöst habe. Dem folgte nun das Gericht weitgehend. Breuer hingegen hatte in dem Verfahren beteuert, er habe mit seinem umstrittenen Interview keinen Druck auf Kirch aufbauen oder ihm schaden wollen.

Die Aktien der Deutschen Bank   setzten mit einem Minus von zeitweise 2,5 Prozent ihren Abwärtstrend fort. Seit Mittwoch hat das Geldhaus damit an der Börse gut sechs Prozent an Wert eingebüßt. Ein Händler sagte: "Da kommt alles zusammen: Die gestrige Gewinnwarnung, die Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs und der Kirch-Prozess."

cte/dapd/AFP
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