Deutsche Bank Aktionäre entlasten Führung - aber mit schlechtem Ergebnis  

Die Deutsche Bank manövriert derzeit durch unruhige Fahrwasser. Dementsprechend wurden die Konzernchefs auf der Hauptversammlung mit niedriger Zustimmung abgestraft. Paul Achleitner war dennoch erleichtert.

Kassierten zumindest ein blaues Auge: Christian Sewing (links) und Paul Achleitner (rechts)
Arne Dedert/DPA

Kassierten zumindest ein blaues Auge: Christian Sewing (links) und Paul Achleitner (rechts)


Die Aktionäre der Deutschen Bank haben der Führung des Dax-Konzerns einen Denkzettel verpasst. Bei der Hauptversammlung in Frankfurt votierten Anteilseigner mit nur 71,63 Prozent des vertretenen Grundkapitals für die Entlastung des langjährigen Aufsichtsratschefs Paul Achleitners für das abgelaufene Geschäftsjahr. Vor einem Jahr hatte Achleitner noch 84,40 Prozent Zustimmung bekommen.

Der erst seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef Christian Sewing wurde bei dem diesjährigen Aktionärstreffen mit nur 75,23 Prozent entlastet. Üblich sind Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent. Allerdings hätte auch eine Nichtentlastung keine direkten Konsequenzen gehabt.

Vor allem Achleitner zeigte sich dennoch erleichtert. "Ich bedanke mich persönlich", sagte er. "Wenn Sie diese Art von Demokratie wollen, können sie nicht 99 Prozent erwarten", sagte Achleitner. "Wir müssen wegkommen von den kommunistischen Wahlergebnissen."

Einen Rückzug oder Rücktritt hatte der 62-Jährige bereits wenige Stunden zuvor ausgeschlossen: Er habe nicht vor, Investoren und Kunden des Instituts im Stich zu lassen. Über 90 Prozent der Anleger stimmten gegen einen Antrag auf Abberufung Achleitners.

Aktie auf Rekordtief

Erstmals seit 2014 erzielte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr einen Jahresgewinn. Die Lage des Konzerns ist dennoch weiter angespannt: Im ersten Quartal 2019 verdiente er nur 201 Millionen Euro, während die US-Konkurrenz Milliardengewinne einfuhr. Ausgerechnet am Tag der Hauptversammlung sackte der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie auf ein Rekordtief von 6,35 Euro ab.

Eines der Probleme ist das Investmentbanking, das vor der Finanzkrise mit Milliardengewinnen glänzte, aber auch etliche Prozesse und Strafzahlungen in Milliardenhöhe auslöste. Nach Sewings Vorstellung soll die Investmentbank künftig nur noch solche Geschäfte machen, die entweder ausreichend profitabel oder als Dienstleistung für andere Geschäftsbereiche wichtig sind. So will die Deutsche Bank zugleich ihr Kapital werthaltiger einsetzen.

hba/dpa/REUTERS



insgesamt 4 Beiträge
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meinerseits 24.05.2019
1.
Wendungen wie ...''wurden die Konzernchefs auf der Hauptversammlung mit niedriger Zustimmung abgestraft'' ...''einen Denkzettel verpasst'' sind eigentlich nur dazu angetan, die subjektive Haltung des Artikel-Autors zu verdeutlichen, die hier wohl eher moderat ist. In anderen Spiegel-Artikeln und -Kommentaren wird ja wohl mit Emotion und Polemik nicht gerade gespart, um Wirkung beim Leser zu erzielen. Ich frage mich nur, wie entspannt die Haltung der Aktionäre (und die Qualität des Spiegel-Berichts) gewesen wäre, hätte die DB einen hohen Gewinn eingefahren, so wie die als Vergleich genannten ''Milliardengewinne'' der ''US-Konkurrenz''. Vielleicht wäre es besser gewesen, gerade nur Namen und Fakten zu nennen. Welche Konkurrenz? Wie viel Gewinn?
J-B.N. 24.05.2019
2. Solange
Aktionäre es nicht kapieren, dass es nur hilft, wenn man den Verantwortlichen mal so richtig vor den Latz knallt und sie NICHT entastet, solange wird sich gar nichts ändern. Eine Entlastung (auch eine mit schlechter Quote) ist immer eine indirekte Bestätigung des gefahrenen Kurses und bringt letztlich überhaupt nichts....sieht man ja ziemlich deutlich an Achleitners Reaktion. Wenn jemand in seiner Amtszeit mehr als 60% des Börsenwertes seines Unternehmens vernichtet und dann immer noch entlastet wird, dann fehlt mir persönlich das Verständnis dafür. Scheint, daß die DB-Aktionäre immer noch nicht genug haben.
rainercom 24.05.2019
3. Paul Achleitner war dennoch erleichtert.
wenn jemand bei so einer Klatsche erleichtert ist,kann der Schluß gezogen werden es geht ihm nur um das schön Gehalt. Denn Verdienst ist das lange nicht mehr.
gantenbein3 24.05.2019
4. Die Aktionäre denken
Zitat von J-B.N.Aktionäre es nicht kapieren, dass es nur hilft, wenn man den Verantwortlichen mal so richtig vor den Latz knallt und sie NICHT entastet, solange wird sich gar nichts ändern. Eine Entlastung (auch eine mit schlechter Quote) ist immer eine indirekte Bestätigung des gefahrenen Kurses und bringt letztlich überhaupt nichts....sieht man ja ziemlich deutlich an Achleitners Reaktion. Wenn jemand in seiner Amtszeit mehr als 60% des Börsenwertes seines Unternehmens vernichtet und dann immer noch entlastet wird, dann fehlt mir persönlich das Verständnis dafür. Scheint, daß die DB-Aktionäre immer noch nicht genug haben.
dass es mit dem Aktienkurs nicht mehr weiter nach unten gehen könne. Aber sie irren, das geht durchaus.
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