Boni-Streit bei der Deutschen Bank Achleitner wird kritisiert - und wiedergewählt

Die Deutsche Bank macht mehrere Ex-Manager für die Skandale der vergangenen Jahre verantwortlich - und behält ihre Boni ein. Doch diese wollen nicht verzichten. Aufsichtsratschef Achleitner wirkt in dem Streit hilflos.
Paul Achleitner

Paul Achleitner

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Die Deutsche Bank kommt in dem Streit mit mehreren Ex-Vorständen um Boni in zweistelliger Millionenhöhe nicht voran. "Es gibt keinerlei Annäherung", heißt es aus dem Kreise der betroffenen Manager.

Dabei hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei der Hauptversammlung am Donnerstag vollmundig erklärt, die Bank befinde sich "in fortgeschrittenen Gesprächen" mit den Betroffenen, zu denen auch die Ex-Chefs Josef Ackermann und Anshu Jain gehören.

Der Aufsichtsrat hatte deren Boni in den vergangenen Jahren teilweise einbehalten, weil er die Ex-Vorstände für Skandale verantwortlich macht, die Milliardenstrafen nach sich zogen. Die Alt-Manager wollen aber nicht verzichten, ohne dass die Bank garantiert, sie künftig nicht in Haftung zu nehmen.

Einen solchen Anspruchsverzicht kann aber nur die Hauptversammlung verbindlich erklären. Diese Frage blieb allerdings am Donnerstag außen vor.

Aktionäre stimmen für zweite Amtszeit von Achleitner

Trotz teils heftiger Kritik bleibt Achleitner für weitere fünf Jahre Aufsichtsratschef. Die Aktionäre wählten ihn bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt mit 93,51 Prozent der anwesenden Stimmen erneut in den Aufsichtsrat - diesem soll der Österreicher für eine zweite Amtszeit vorstehen. Achleitner hatte den Posten im Juni 2012 übernommen.

Achleitner hatte sich bei dem Aktionärstreffen Kritik anhören müssen. Dem Chefkontrolleur war zuvor wiederholt vorgeworfen worden, zu lange an der glücklosen Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen festgehalten zu haben. Erst im Sommer 2015 hatte der Aufsichtsrat die Reißleine gezogen, installierte John Cryan als neuen starken Mann an der Konzernspitze und trieb die Aufarbeitung der juristischen Altlasten voran.

Gescheitert ist bei der Hauptversammlung - wie schon im vergangenen Jahr - der Antrag von Aktionären, Achleitners Rolle bei der Aufklärung des Libor-Skandals um manipulierte Zinssätze per externer Sonderprüfung untersuchen zu lassen. Die britische Finanzaufsicht hatte die Höhe ihrer gegen die Deutsche Bank verhängte Strafe mit mangelhafter Kooperation des Konzerns begründet.

Rechtsvorstand Karl von Rohr bekräftigte bei dem Aktionärstreffen, umfangreiche interne wie externe Untersuchungen hätten ergeben, dass Achleitner seine Pflichten als Chefkontrolleur nicht verletzt habe. Das Ergebnis dieser Untersuchungen legte die Bank jedoch auch bei der Hauptversammlung nicht offen - so bleibt unklar, wessen Fehlverhalten die Libor-Strafe um 100 Millionen Euro in die Höhe getrieben hat.

Mit Material von dpa
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