Reaktion auf Krise Deutsche Bank verkündet grundlegenden Konzernumbau

Die Deutsche Bank stellt sich organisatorisch und personell umfassend neu auf. Der Vorstand wird radikal umgebaut, mehrere Top-Manager müssen gehen.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Kompletter Neuanfang
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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Kompletter Neuanfang


Die Deutsche Bank hat eine grundlegende organisatorische und personelle Neuordnung beschlossen. Die Konzernsparten werden neu zugeschnitten, die Führungsgremien neu geordnet, wie das Finanzinstitut nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mitteilte. Die Umstrukturierung soll die Komplexität im Management verringern, um Kundenbedürfnissen und den Anforderungen der Aufsichtsbehörden besser gerecht zu werden.

Der Vorstand der Bank wird radikal umgebaut. Konkret werden das erweiterte Führungsgremium (Group Executive Committee) sowie zehn der derzeit 16 Vorstandsausschüsse aufgelöst. Mehrere Top-Manager verlieren ihren Job oder bekommen neue Aufgaben.

Drei Vorstände müssen gehen: Der Chef der Vermögensverwaltung, Michele Faissola, der Chef des Zahlungsverkehrs, Stefan Krause, sowie der Rechtsvorstand Stephan Leithner. Mit IT-Chef Henry Richotte verlässt ein viertes Mitglied den Vorstand, bleibt aber im Unternehmen: Er soll sich weiterhin um den Aufbau einer Digitalbank kümmern.

Zudem wird der Kommunikationschef ausgewechselt. Auch der bisherige Co-Chef des Investmentbankings, Colin Fan, wird die Bank verlassen. Er war nur Mitglied im erweiterten Vorstand, aber ebenso wie Faissola ein enger Vertrauter von Anshu Jain, dem früheren Co-Chef der Bank.

Rekordverlust im dritten Quartal

Dass diese Manager gehen müssen, ist keine Überraschung. Ihre Namen wurden seit Wochen immer wieder kolportiert. Leithner und Faissola waren durch den Bericht der Finanzaufsicht Bafin zur Libor-Affäre stark belastet. Krause hat die Ausarbeitung der umstrittenen Strategie zu verantworten, die Jain, der das Unternehmen inzwischen verlassen hat, und Jürgen Fitschen im April vorgestellt hatten.

Kern der organisatorischen Neuordnung ist die Aufspaltung des Unternehmensbereichs Corporate Banking & Securities (CB&S). Er wird der Bank zufolge in zwei Bereiche aufgeteilt:

  • Es soll mit Wirkung zum 1. Januar 2016 eine neue Unternehmenskunden- und Investmentbank geben.
  • Die Handelsaktivitäten aus CB&S sollen künftig unter dem Dach des neuen Unternehmensbereichs Globale Märkte laufen.

Auch die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset & Wealth Management) wird umgebaut. Die Betreuung der wohlhabenden Privatkunden wird künftig in der Privat- und Geschäftskundenbank erfolgen - eine Stärkung des Privatkundengeschäfts. Die Deutsche Asset Management wird sich ausschließlich auf die institutionellen Kunden und das Fondsgeschäft konzentrieren.

Überraschend kommen die Reformpläne nicht: Der seit Juli amtierende neue Co-Chef John Cryan hatte einen Umbau bereits in Aussicht gestellt. Mit dem Konzernumbau reagiert Cryan auf die seit Jahren anhaltende Krise der Bank. Immer wieder hatten Finanzskandale das Institut erschüttert und die Gewinne schrumpfen lassen.

Die beiden ab 2012 amtierenden Vorstandschefs Fitschen und Jain hatten die Krise nicht in den Griff bekommen und mussten Anfang Juni deshalb auf Druck von Aktionären und Aufsichtsbehörden ihren Rücktritt ankündigen. Cryan hatte Anfang Juli Jain abgelöst und leitet nun mit Fitschen gemeinsam das Unternehmen. Ab Mai 2016 soll Cryan die Bank alleine führen.

Cryan hatte gleich zu seinem Amtsantritt einen harten Sparkurs angekündigt. Vor wenigen Tagen hatte die Bank angekündigt, sie erwarte für das dritte Quartal einen Rekordverlust von rund sechs Milliarden Euro. Gründe dafür sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Tochter Postbank, von der die Deutsche Bank sich trennen will, und das nicht mehr so lukrative Investmentbanking. Zudem belasten hohe Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten die Bilanz.

Aktionäre und Mitarbeiter müssen sich auf Einbußen gefasst machen. Die Bank hatte angekündigt, die Dividende für das Geschäftsjahr 2015 zu reduzieren oder ganz ausfallen zu lassen. Es wäre das erste Jahr seit den Fünfziger Jahren ohne Gewinnausschüttung der Bank. Die Mitarbeiter müssen mit geringeren Boni rechnen.

ulz/stk/dpa/Reuters

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
genugistgenug 18.10.2015
1. Managerrettung durch Entlassung?
.....mehrere Top-Manager müssen gehen.... die werden dann sicher entlastet, die Daten vernichtet (wie bereits 'versehentlich' beim LIBOR Betrug) und sind damit in Sicherheit plus Abfindung. In einer Doku 'Der Fall Deutsche Bank' über die DB (wurde letzte Woche wiederholt) war von über 6000 Verfahren/Prozessen die Rede - sie wurde als große Anwaltskanzlei mit angeschlossenen Geldautomaten bezeichnet.
dunnhaupt 18.10.2015
2. DB und VW -- the German Way?
Kein Wunder, dass sich das Ausland weigert, am deutschen Wesen zu genesen.
Leo 57 18.10.2015
3. Würde der Konzernumbau ...
... bedeuten, dass kriminelle Machenschaften und vor allem die unsägliche Nahrungsmittelspekulation, bei der die Deutsche Bank mitschuldig an Millionen von Hungertoten ist, nun endlich abgeschafft würden, es wäre endlich mal eine gute Nachricht. Aber darauf warten wir wohl vergeblich. Ethische Grundsätze spielen bei Geldgeschäften scheinbar nicht die geringste Rolle!
feyvel 18.10.2015
4. Alles Fassade
Intern wird es weiterlaufen wie bisher. Die Kunden werden verarscht und die Manager verdienen Millionen. Powered by Merkel.
quark2@mailinator.com 18.10.2015
5.
Zitat von dunnhauptKein Wunder, dass sich das Ausland weigert, am deutschen Wesen zu genesen.
Also ehrlich jetzt :-( ... Zum einen sehe ich nicht, daß irgendwer verlangt, daß jemand "am deutschen Wesen zu genesen" soll (Falls sie die "Griechenlandrettung" meinen, da ging es um Einhaltung beiderseits unterschriebener Verträge wie die no-bailout-Klausel des Euro) ... im Gegenteil - werden Ausländer zu DE befragt kommt regelmäßig die Anmerkung, daß hier Nationalstolz eher Mangelware ist. Zum anderen empfinde ich die Generalbeschuldigung Deutschlands wegen der vermutlichen Kriminalität einiger Führungskräfte / Politiker / Funktionäre als diffamierend. Die Masse unserer Landsleute sind ehrliche, bescheidene, hart arbeitende Bürger. Selbstkritik ist immer angebracht, aber man sollte auf dem Teppich bleiben. Und wenn ich mir so paar andere Banken ansehe - spontan Goldman S oder UBS oder diese großen französischen Läden, oder ... also ich fürchte, an bestimmten Stellen ginge man einfach unter, wenn man ...
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