Deutsche-Bank-Prozess Fitschens Anwalt will Anklage zu Fall bringen

Der Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Fitschen beginnt mit einer Überraschung: Sein Anwalt will neue Beweise vorlegen, die der gesamten Anklage nach Ansicht der Verteidigung "den Boden entziehen".
Deutsche-Bank-Prozess: Fitschens Anwalt will Anklage zu Fall bringen

Deutsche-Bank-Prozess: Fitschens Anwalt will Anklage zu Fall bringen

Foto: Tobias Hase/ dpa

Fast fünf Stunden lang trug die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und vier weitere Ex-Vorstände der Deutschen Bank vor - dann kam der Konter von der Anklagebank. Fitschens Anwalt Hanns Feigen will neue Beweise gefunden haben, die die Anklage in sich zusammenfallen lassen.

Bei den neu aufgetauchten Dokumenten, die bei Durchsuchungen einer Anwaltskanzlei gefunden worden waren, handelt es sich um handschriftliche Mitschriften eines Deutsche-Bank-Anwalts. Daraus ergebe sich, dass die damaligen Vorstände der Deutschen Bank im Jahr 2002 kein Beratungsmandat des strauchelnden Medienkonzerns von Leo Kirch angestrebt hätten, sagte Feigen. In einer Stellungnahme von Februar 2015 habe Oberstaatsanwältin Christiane Serini dies sogar bestätigt. Der Anklage sei damit "der Boden entzogen".

Die Staatsanwaltschaft wirft Fitschen, seinen beiden Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weiteren früheren Top-Managern versuchten Prozessbetrug vor: Mit einem gezielten Täuschungsmanöver sollen sie vor vier Jahren versucht haben, Schadensersatzzahlungen für die Pleite des Kirch-Konzerns vor dem Oberlandesgericht München abzuwehren.

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Breuer, Ackermann, Fitschen: Die Angeklagten im Kirch-Prozess

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Grundlage dafür ist ein Urteil des Oberlandesgerichts aus einem Zivilprozess, den Kirch und dessen Erben gegen die Deutsche Bank geführt hatten. Sie warfen dem Geldhaus vor, für die Pleite des Kirch-Imperiums im Jahr 2002 verantwortlich zu sein. Der damalige Bankchef Breuer hatte kurz zuvor in einem TV-Interview die Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns angezweifelt.

Angeblich, so brachten es der inzwischen verstorbene Kirch und seine Erben vor, wollte die Bank damals ein Beratungsmandat für die anschließende Zerschlagung des Konzerns ergattern. Im Dezember 2012 verurteilte das Gericht die Bank zu Schadensersatz, später stimmte die Deutsche Bank einem außergerichtlichen Vergleich zu.

Fitschens Anwalt Feigen hält die These, die dem Urteil zugrunde liegt, für falsch - und durch Serinis Vermerk widerlegt. An der Objektivität der Staatsanwaltschaft bestünden Zweifel, verkündete Feigen zum Prozessauftakt. Sein Mandant werde deshalb nur Fragen der Richter, aber keine der Staatsanwälte beantworten.

Auch andere Anwälte der Angeklagten setzen offenbar vor allem darauf, das Urteil aus dem Zivilrechtsprozess zu widerlegen. Die These dahinter sei "unschlüssig und werde sich als falsch herausstellen", sagte Breuers Anwalt Norbert Scharf.

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