Deutsche-Bank-Prozess Fitschens Anwalt nennt Vorwürfe "erbärmlich"

Das Urteil im Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Fitschen und seine Vorgänger wegen der Kirch-Pleite verzögert sich. Fitschens Verteidiger zeigt sich jedoch bereits siegesgewiss.
Fitschen vor dem Landgericht München

Fitschen vor dem Landgericht München

Foto: Tobias Hase/ dpa

In einem Prozess gegen fünf aktuelle und ehemalige Führungskräfte der Deutschen Bank vor dem Landgericht München haben die Verteidiger ihre Plädoyers für harsche Kritik an der Staatsanwaltschaft genutzt. Sie forderten in allen Fällen Freisprüche. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten seien "erbärmlich und unredlich", sagte der Anwalt von Co-Chef Jürgen Fitschen , Hanns Feigen. An der Anklage sei "weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte" etwas dran.

Damit zitierte Feigen den Kernsatz der Urteilsbegründung aus dem Porsche-Prozess in Stuttgart, der vor wenigen Wochen mit einem Freispruch endete. Feigen hatte dort den ehemaligen Konzernchef Wendelin Wiedeking verteidigt.

Ob die Verteidigung diesmal genauso erfolgreich ist, blieb zunächst offen. Vor einem Urteil will der Vorsitzende Richter Peter Noll zunächst eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München über eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft abwarten. Diese werde mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag erfolgen, sagte eine Gerichtssprecherin. Damit könnte das Urteil in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre fast genau ein Jahr nach Prozessbeginn verkündet werden.

Seit einem Jahr sitzen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Banker fast jeden Dienstag auf der Anklagebank in München. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Top-Banker vor fünf Jahren in einem Prozess um Schadenersatzforderungen der Deutschen Bank für die Pleite des Medienkonzerns Kirch falsch ausgesagt haben. Sie fordert Gefängnisstrafen für Ackermann und Breuer und eine Bewährungsstrafe für Fitschen.

"Nicht einmal der FC Bayern..."

Spätestens seit der vergangenen Woche ist aber klar, dass die Richter zu einem Freispruch neigen: In ungewohnt scharfer Form hatte der Vorsitzende Richter Noll die Staatsanwaltschaft kritisiert und erklärt, dass sich der Anklagevorwurf aus seiner Sicht nicht bestätigt habe. Einen Antrag auf erneute Durchsuchung der Deutschen Bank   wies er ab. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, über die nun vor dem Urteil entschieden werden muss.

Kirch, der 2011 starb, machte die Bank für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich. Dieser Streit endete mit einem Vergleich, die Bank zahlte 928 Millionen Euro an Kirchs Erben. Unabhängig davon klagte die Staatsanwaltschaft die Banker an.

Der Anwalt des ehemaligen Vorstands Tessen von Heydebreck, Klaus Volk, warf der Staatsanwaltschaft vor, das Verfahren durch immer neue Beweisanträge in die Länge gezogen und die Angeklagten damit zusätzlich belastet zu haben. Selbst als eine Niederlage schon absehbar gewesen sei, habe die Behörde unbeirrt weitergemacht. "Nicht einmal der FC Bayern würde bei einem Rückstand verlangen, dass so lange weitergespielt wird, bis er gewinnt."

dab/dpa/Reuters
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