Deutsche Bank Rolf Breuer droht Ärger mit seinem Ex-Arbeitgeber

Der Deutschen Bank bleibt kaum eine Wahl: Nach der teuren Einigung im Kirch-Prozess muss sie Schadensersatzansprüche gegen ihren ehemaligen Chef Rolf Breuer prüfen - ein Tabubruch für das traditionsreiche Geldhaus. Es geht um bis zu 800 Millionen Euro.

Medienunternehmer Kirch (l.), Ex-Bankchef Breuer: "Erschossen hat mich der Rolf"
dapd

Medienunternehmer Kirch (l.), Ex-Bankchef Breuer: "Erschossen hat mich der Rolf"

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Hamburg - Es ist der 4. Februar 2002. Das Medienunternehmen des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch steckt in Schwierigkeiten. Der Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer wird in einem Fernsehinterview gefragt, ob man Kirch helfen werde. Seine Antwort ist verhängnisvoll: "Das halte ich für relativ fraglich", sagt Breuer. "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Es sollen die teuersten Sätze werden, die er je gesagt hat.

Kirchs Imperium ging Pleite. Seine Anwälte machten Breuer dafür verantwortlich und überzogen die Deutsche Bank mit Prozessen. Selbst kurz vor seinem Tod im vergangenen Sommer schleppte sich der von Krankheit gezeichnete Unternehmer noch persönlich vor Gericht, um seinen Kampf fortzuführen.

"Erschossen hat mich der Rolf", hat Kirch einmal gesagt. Der Satz wurde zu seinem Vermächtnis. Seine Familie führte die Prozesse auch nach seinem Tod weiter.

Anfang dieser Woche sah es so aus, als könnte alles bald ein Ende haben. Aus Finanzkreisen war zu hören, die Deutsche Bank wolle einem Vergleich zustimmen - sie müsste dann knapp 800 Millionen Euro an Kirchs Erben zahlen.

Die Summe ist für die Bank zwar zu stemmen. Doch sie würde den Gewinn erheblich schmälern. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat die Bank insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro verdient. Zieht man die 800 Millionen ab, wären es fast 20 Prozent weniger. Das lassen sich die Aktionäre nicht klaglos gefallen. Konzerninsider rechnen damit, dass große Fondsgesellschaften Druck auf die Bankführung ausüben werden, sich zumindest einen Teil des Geldes von Breuer wiederzuholen - notfalls vor Gericht. "Die Sache ist noch nicht beendet", sagt ein Manager.

Breuer wird nicht verarmen

Eine Schadensersatzklage gegen den Ex-Chef hat es bei der Deutschen Bank noch nie gegeben. Es wäre ein Bruch mit der Corps-ähnlichen Unternehmenskultur. "Einmal Deutsche Bank - immer Deutsche Bank", war bisher die Devise. Ehemalige Vorstandschefs wie Hermann Josef Abs, Alfred Herrhausen oder Hilmar Kopper werden in der Öffentlichkeit bis heute untrennbar mit dem Unternehmen verbunden.

Die Bank versorgt ihre Ex-Chefs gut: Wer aus Altersgründen ausscheidet, behält ein Büro in Frankfurt. Das gilt bisher auch für Breuer. Kaum vorstellbar, dass er von dort aus bald seine Anwälte gegen die Bank in Stellung bringen muss. "Das wäre sehr ungewöhnlich für die Deutsche Bank", sagt Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums und Kenner der Bankenszene. "Wenn es vermeidbar ist, wird sie es vermeiden."

Die Frage ist allerdings, ob das Vermeiden rechtlich überhaupt möglich ist oder ob die Bank nicht sogar gezwungen sein wird, ihren Ex-Chef zu verklagen. Experten verweisen auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs in einem ähnlichen Fall von 1997. Darin ist klar festgelegt, dass der Aufsichtsrat Schadensersatzansprüche gegen Vorstandsmitglieder prüfen und bei Aussicht auf Erfolg auch klagen muss. "In dieser Frage gibt es keinen Ermessensspielraum", sagt ein Jurist, der nicht genannt werden will. "Der Aufsichtsrat kann das nicht einfach wegwischen mit der Begründung, es handele sich um ein verdientes Vorstandsmitglied." Sonst würden auch seine Mitglieder schadensersatzpflichtig - etwa wenn Aktionäre klagen.

Mit einer ähnlichen Argumentation hatte im vergangenen Jahr auch die BayernLB ihre Ex-Vorstände auf Schadensersatz verklagt. Die Landesbank fordert von den ehemaligen Top-Managern rund 200 Millionen Euro.

Die Deutsche Bank schweigt zu dem Thema. Zu Marktgerüchten nehme man grundsätzlich keine Stellung, heißt es. Doch intern ist klar, dass die Bank auch Regressansprüche gegen Breuer prüfen muss. Für den Ex-Manager würde damit eine Prozessschlacht weitergehen, die ihm seit zehn Jahren keine Ruhe lässt. Er ist jetzt 74 Jahre alt.

Für einen Teil der Forderungen könnte eine Managerhaftpflichtversicherung aufkommen, die Breuer abgeschlossen haben soll. Laut "Süddeutscher Zeitung" beträgt die Deckungssumme bis zu 500 Millionen Euro. Wie viel die Versicherung davon am Ende wirklich zahlen wird, ist fraglich. Verarmen wird Breuer aber wohl nicht. Seine finanziellen Umstände müssten bei einer eventuellen Schadensersatzforderung berücksichtigt werden, sagt der Rechtsexperte. "Auf Hartz-IV-Niveau darf er dabei nicht fallen."



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
keinschwabe 16.02.2012
1. warum nicht?
Zitat von sysopdapdDer Deutschen Bank bleibt kaum eine Wahl: Nach der teuren Einigung im Kirch-Prozess muss sie Schadensersatzansprüche gegen ihren ehemaligen Chef Rolf-E. Breuer prüfen - ein Tabubruch für das traditionsreiche Geldhaus. Es geht um bis zu 800 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815535,00.html
"Verarmen wird Breuer aber wohl nicht. Seine finanziellen Umstände müssten bei einer eventuellen Schadensersatzforderung berücksichtigt werden, sagt der Rechtsexperte. "Auf Hartz-IV-Niveau darf er dabei nicht fallen." Ich frage mich: Warum nicht? Warum soll Herr Breuer nicht haften, auch mit seinem privaten Vermögen? Das ist ja die Krux in diesem Land: Politiker und Manager, wie Herr Breuer werden für ihr handeln nicht zur Verantwortung gezogen. Die Zeche zahlen die Aktionäre oder Bürger, die "Großen" ziehen unbehelligt davon. Oder sind das alles wieder nur Peanuts?
bananenrep 16.02.2012
2. Das gibt es doch gar nicht
Wenn der Herr Breuer jemanden ruiniert hat und so verstehe ich die Vergleichszahlungssumme, warum darf er dann nicht auf Hartz IV Niveau fallen ? Oder ist da die Juristenverschwagerei mit der Politik (Gesetzgebeung) der immer holfsbereite Anker ? Also einen Mittelständler würde man sogar über die Klinge springen lassen. Ach ja sorry. es gibt ja unterschiedliche Messlatten in D.
Ingsoc 16.02.2012
3. Und warum...
Seine finanziellen Umstände müssten bei einer eventuellen Schadensersatzforderung berücksichtigt werden, sagt der Rechtsexperte. "Auf Hartz-IV-Niveau darf er dabei nicht fallen." ...bitte schön darf er das nicht ? Bei Ottonormalbürger interessiert das keine Sau ob er nach so einer Klage finanziell ruiniert ist oder nicht.
sicherheitsexperteirrland 16.02.2012
4. Luxus-Garantie ?
soso.. "auf Hartz-IV darf er nicht fallen".. wo steht denn das ? Im Kohl-Wulff-Ackermannschen-Breuerschen Bereicherungsgesetzes § 1 ? Für Mitglieder der Deutschen Bank gelten die üblichen Pfändungsgrenzen wohl nicht... Bananenrepublik ohne Beispiel !
pragmat. 16.02.2012
5. Verantwortung
Zitat von sysopdapdDer Deutschen Bank bleibt kaum eine Wahl: Nach der teuren Einigung im Kirch-Prozess muss sie Schadensersatzansprüche gegen ihren ehemaligen Chef Rolf-E. Breuer prüfen - ein Tabubruch für das traditionsreiche Geldhaus. Es geht um bis zu 800 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815535,00.html
ist, wenn man auch Konsequenzen zu fürchten hat, wenn man versagt.
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