Südostasien Deutsche Bank soll Landraub unterstützt haben

Wie ernst meint es die Deutsche Bank wirklich mit ihrem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit? Das Kreditinstitut hat einen kambodschanischen Konzern unterstützt, der nach SPIEGEL-Informationen Landraub und Umweltzerstörung in Südostasien betreibt.
Deutsche Bank Zentrale: verdächtige Verbindungen nach Laos und Kambodscha

Deutsche Bank Zentrale: verdächtige Verbindungen nach Laos und Kambodscha

Foto: Oliver_Berg/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Frankfurt - Die Deutsche Bank gerät wegen ihrer Verbindungen zu dem vietnamesischen Konzern Hoang Anh Gia Lai (Hagl) unter Druck, der in Südostasien mit zweifelhaften Mitteln Landrechte erwirbt und Kautschuk anbaut. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS ist an Hagl beteiligt. Die Bank selbst hat den Konzern, der 2011 als erstes vietnamesisches Unternehmen an die Londoner Börse ging, bei mehreren Kapitalmarkttransaktionen unterstützt.

Einheimische Bauern in Laos werfen Hagl vor, sie ohne Vorwarnung und teils ohne Entschädigung von Ländereien vertrieben und ihre Hütten niedergebrannt zu haben. Nach Recherchen der Umweltorganisation Global Witness haben Hagl und ein weiterer vietnamesischer Konzern – die Vietnam Rubber Group, an deren Tochter die DWS ebenfalls beteiligt ist – beim Kautschuk-Anbau in Laos und Kambodscha gegen Umweltgesetze verstoßen und Menschenrechte verletzt. Die Konzerne sollen zudem Obergrenzen umgangen haben, die in diesen Ländern für den Erwerb von Landrechten gelten. Der SPIEGEL berichtet über die Vorwürfe in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Global Witness wirft der Deutschen Bank vor, die Unterstützung des Landraubs durch die Kautschuk-Konzerne passe nicht zu Standards für nachhaltiges Bankgeschäft, zu denen sich die Bank offiziell bekenne. "Wie kann die Deutsche Bank erwarten, dass ihre Kunden und Aktionäre glauben, was sie ihnen über Ethik und Nachhaltigkeit erzählt, wenn sie insgeheim solche Aktivitäten finanziert?", sagt Megan MacInnes von Global Witness gegenüber dem SPIEGEL. Die Deutsche Bank erklärt, eine intensive Prüfung durch den DWS habe "keine Hinweise auf eine Verletzung international akzeptierter Normen" ergeben. Hagl war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.