Zinsskandal Deutsche Bank will sich mit entlassenen Händlern einigen

Bewegung im Streit der Deutschen Bank mit vier Ex-Händlern um manipulierte Zinsen: Das Kreditinstitut strebt einen Vergleich mit den Mitarbeitern an. Die Einigung könnte noch im Sommer erfolgen.
Deutsche-Bank-Turm: Falls es keine Einigung gibt, trifft man sich im Herbst erneut

Deutsche-Bank-Turm: Falls es keine Einigung gibt, trifft man sich im Herbst erneut

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Ein Kapitel in der Zinsaffäre bei der Deutschen Bank könnte bald geschlossen werden. Das Geldhaus schwenkt auf Vergleichsverhandlungen mit vier entlassenen Händlern ein. In einem sogenannten Güterichterverfahren soll nun noch im Sommer ausgelotet werden, ob sich das Geldhaus und die Mitarbeiter etwa auf eine Abfindung einigen können.

Einem entsprechenden Vorschlag des Hessischen Landesarbeitsgerichts stimmten die Streitparteien am Freitag in Frankfurt zu. Die Vorsitzende Richterin Astrid Nungeßer hatte zuvor an die Bank und die Händler appelliert, sich noch einmal zusammenzusetzen. Kommt eine Einigung nicht zustande, landet der Fall voraussichtlich am 19. September erneut vor dem Gericht.

Das Landesarbeitsgericht ist bereits die zweite Instanz. Die Deutsche Bank war nach einem Urteil des Frankfurter Arbeitsgerichts, wonach die Kündigungen der Mitarbeiter im Februar 2013 nicht rechtens waren, in Berufung gegangen (Az.: 9 Ca 1551/13 bis 9 Ca 1554/13).

Die Mitarbeiter arbeiten zwar schon wieder bei der Bank, nach Angaben aus Finanzkreisen aber nicht mehr in denselben Positionen wie vorher. Auch das ist ein Streitpunkt. Von grundsätzlicher Bedeutung ist in der Auseinandersetzung aber die Frage, ob die von den Regulierern entdeckten Tricksereien beim wichtigen Interbank-Zinssatz Euribor - dem kleineren Bruder des Libor - nur auf das Fehlverhalten Einzelner in der Bank zurückgehen oder ob ein System dahinterstand.

"Unangemessene Kommunikation"

Die Deutsche Bank argumentiert stets mit dem Fehlverhalten Einzelner. Sie hatte den vier Händlern im Rahmen der Kündigung zwar nicht ausdrücklich vorgeworfen, an den Manipulationen beteiligt gewesen zu sein, aber von "unangemessener Kommunikation" gesprochen. Das Frankfurter Arbeitsgericht schloss sich indes der Sichtweise der Händler an: Die Deutsche Bank selbst habe einen ständigen Interessenkonflikt ihrer Mitarbeiter heraufbeschworen, denn dieselben Leute seien sowohl für den Handel mit Derivaten auf Basis des Euribor als auch für die Meldung der Zinssätze zuständig gewesen.

Mit dem Verfahren vor der höheren Instanz riskierte die Bank, dass weitere pikante Details ans Licht kommen, die Führungskräfte - etwa den früheren Chef-Investmentbanker und heutigen Co-Vorstandschef Anshu Jain - belasten könnten. Die Finanzaufsicht BaFin, die bei der Deutschen Bank eine Libor-Sonderprüfung eingeleitet hat, beobachtet den Fall intensiv. Aufsichtsbehörden in aller Welt werfen Großbanken vor, sich bei der Meldung der wichtigen Zinssätze unerlaubt abgesprochen zu haben, um diese zu ihren Gunsten zu manipulieren.Wegen der Tricksereien wurde die Deutsche Bank von der EU-Kommission bereits zu einer Strafe von 725 Millionen Euro verdonnert.

yes/Reuters/dpa