Deutsche Bank Anshu Jain straft Investmentbanker ab

Die Investmentbanker müssen zittern: Die Deutsche Bank will in der strauchelnden Sparte 1500 Stellen streichen und die Gehälter verbliebener Mitarbeiter kürzen. Damit greift der neue Co-Chef Anshu Jain ausgerechnet bei seinen ehemaligen Gefolgsleuten durch.

Co-Chef Anshu Jain: Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen
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Co-Chef Anshu Jain: Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen


Hamburg/Frankfurt am Main - Die neue Führung der Deutschen Bank demonstriert mit einem überraschenden Schritt ihre Handlungsbereitschaft. In einer Telefonkonferenz mit Analysten kündigte Co-Chef Anshu Jain harte Einschnitte für die schwächelnde Investmentsparte an. Insgesamt will die Bank 1900 Stellen streichen, 1500 davon soll im Investmentbanking wegfallen.

Zusätzlich kündigte Jain Gehaltskürzungen an, die ebenfalls vor allem die Boni-verwöhnten Investmentbanker treffen dürften: Die Bank habe die Bezahlung bereits gesenkt und werde ihre Vergütungsgrundsätze weiter überprüfen, sagte Jain. Dabei gehe es sowohl um die absolute Höhe der Bezahlung als auch um das Verhältnis von Gehältern zu den Ausschüttungen an die Aktionäre.

Traditionell fällt dieses Verhältnis bei Investmentbanken meist zu Ungunsten der Aktionäre aus. Die hohen Boni der Mitarbeiter fressen einen Großteils des Gewinns auf. Nur was übrig bleibt, kann an die Aktionäre fließen.

Das wollen Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen offenbar ändern. "Wir sind uns bewusst, dass ein Kulturwandel in der Finanzindustrie nötig ist", sagte Jain, der bis Ende Mai selbst die Investmentbanksparte führte. "Dieser Wandel ist zwingend."

Das Investmentbanking war einst die Vorzeigesparte der Deutschen Bank, mittlerweile ist sie zum Sorgenkind des größten deutschen Geldhauses geworden. Am Dienstagmorgen hatte die Bank ernüchternde Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt: Demnach hat das Investmentbanking von Mai bis Juni gerade einmal noch 357 Millionen Euro Gewinn gemacht - 63 Prozent weniger als vor einem Jahr. Damit geht es der Deutschen Bank ähnlich wie vielen anderen Investmentbanken weltweit.

Jetzt ziehen Jain und Fitschen die Reißleine: 1500 der insgesamt rund 10.000 Jobs im Investmentbanking sollen wegfallen, die meisten davon außerhalb Deutschlands. Es dürften also vor allem Jains ehemalige Gefolgsleute in London sein, die unter dem Sparprogramm leiden.

Der Aufsichtsratschef spricht Jain vom Verdacht in der Libor-Affäre frei

Mit seinem harten Durchgreifen gegen die eigenen Leute und seinem Bekenntnis zum Kulturwandel signalisiert Jain seinen Kritikern, dass er keineswegs einseitig auf das Investmentbanking setzen will, wie ihm häufig vorgeworfen wird. Auch vom neuen Chefkontrolleur der Bank bekommt Jain Unterstützung bei der Imagepflege. Nur wenige Minuten nach Jains Rede vor den Analysten zitierte die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus einem Brief des Aufsichtsratschefs Paul Achleitner, in dem dieser den Co-Chef der Bank von jeglichen Vorwürfen im Skandal um manipulierte Zinsen freispricht.

"Nach aktuellem Stand der Untersuchungen war kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands auf irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten Vorgänge um Referenzzinssätze verwickelt", heißt es in dem Brief an die Mitarbeiter. Es habe eine kleine Zahl von Mitarbeitern auf eigene Initiative ein Verhalten an den Tag gelegt, das nicht den Standards der Bank entspreche. Daher habe das Institut entsprechende Maßnahmen getroffen.

Ehemalige Händler der Deutschen Bank sind in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze wie Libor und Euribor verwickelt. In den vergangenen Wochen war deshalb auch die Frage laut geworden, was Jain als Chef der Sparte von den Geschäften gewusst haben könnte. Die Bank hatte bereits im vergangenen Jahr interne Untersuchungen eingeleitet und zwei Händler suspendiert.

Auch Achleitner kündigte nun in seinem Brief einen Kulturwandel in dem größten deutschen Geldhaus an, um sicherzustellen, dass das Institut "stärker und glaubwürdiger aus diesen herausfordernden Zeiten hervorgeht".

Eine Kapitalerhöhung wird nicht mehr ausgeschlossen

Insgesamt will die Deutsche Bank drei Milliarden Euro einsparen, 350 Millionen Euro davon sollen durch die Stellenstreichungen reinkommen. Weitere 500 Millionen Euro soll die Integration der Postbank bringen.

Auch eine Kapitalerhöhung zum Stopfen möglicher Lücken schließt die neue Führung nicht mehr aus. "Die Bank beabsichtigt, alle verfügbaren Kapitalhebel zu nutzen, bevor sie in Betracht zieht, bei Investoren Aktienkapital aufzunehmen", teilte das Institut mit. Bislang hatte die Bank stets betont, die neuen Anforderungen (Basel III) ohne Kapitalerhöhung zu erfüllen. Doch die sinkenden Gewinne machen ihr zu schaffen. Zunächst will die Bank die Lücken durch den Verkauf riskanter Wertpapiere und Kredite stopfen: Bis Ende des Jahres will das Institut so auf eine Kernkapitalquote von 7,2 Prozent kommen.

Nach dem ersten Quartal 2013 soll die Quote bei mindestens acht Prozent liegen. Dazu kündigte die Bank "eine Reihe von weiteren Maßnahmen" zur Risikoreduzierung und zum organischen Wachstum des Kapitals an. Die größte deutsche Bank wird von Experten immer wieder dafür kritisiert, dass sie zu wenig Kapital für ihre Risiken zurückhält. Viele Analysten halten deshalb eine Kapitalerhöhung seit langem für notwendig.

stk/nck/Reuters/dapd/

insgesamt 78 Beiträge
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juergw. 31.07.2012
1. Das ist gut so !
Zitat von sysopdapdDie neuen Chefs der Deutschen Bank kappen 1900 Stellen und wollen so rund drei Milliarden einsparen. 1500 Jobs sollen allein im Investmentbanking wegfallen - das teilte das Geldinstitut überraschend mit. Der Stellenabbau erfolgt aber im Wesentlichen außerhalb Deutschlands. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,847439,00.html
Man braucht ebend an den Spieltischen des Casinos nicht mehr so viele Croupiers.Vielleicht gibt es ,im Gegensatz zu Schlecker,eine Auffanggesellschaft,die echte Arbeitsplätze vermittelt.
acitapple 31.07.2012
2.
naja, wer man ein wenig rumrechnet wird merken, dass die gekündigten wohl sehr weich fallen werden.
Rido 31.07.2012
3.
Zitat von sysopdapdDie neuen Chefs der Deutschen Bank kappen 1900 Stellen und wollen so rund drei Milliarden einsparen. 1500 Jobs sollen allein im Investmentbanking wegfallen - das teilte das Geldinstitut überraschend mit. Der Stellenabbau erfolgt aber im Wesentlichen außerhalb Deutschlands. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,847439,00.html
Im Bereich Investment? Die haben doch gerade 660.000.000,- € Gewinn gemacht? Da muss man Leute entlassen?
Peter.Lublewski 31.07.2012
4. Antasten
Zitat von sysopdapdDie neuen Chefs der Deutschen Bank kappen 1900 Stellen und wollen so rund drei Milliarden einsparen. 1500 Jobs sollen allein im Investmentbanking wegfallen - das teilte das Geldinstitut überraschend mit. Der Stellenabbau erfolgt aber im Wesentlichen außerhalb Deutschlands. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,847439,00.html
Die Boni der Manager bleiben unangetastet, stimmt's?
snoopy0815 31.07.2012
5. 1,57 Millionen € pro Stelle...
Leider fehlt hier die Angabe, auf welchen Zeitraum sich die drei Milliarden beziehen. Pro Jahr? Das wären rund 1,57 Millionen € pro Stelle. Und wahrscheinlich wurde die Abfindung schon rausgerechnet...
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