Ärger mit der Finanzaufsicht Deutsche Bank tauscht Chefjustiziar aus

Auf Druck der Finanzaufsicht zieht die Deutsche Bank Konsequenzen aus dem Libor-Skandal und anderen Affären. Chefjustiziar Richard Walker dankt ab. Weitere Top-Manager könnten folgen.

Deutsche Bank in Frankfurt: Wechsel in der Rechtsabteilung
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Deutsche Bank in Frankfurt: Wechsel in der Rechtsabteilung

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Einfach so rausschmeißen - das machen sie nicht in der Führungsetage der Deutschen Bank. Offenbar auch nicht unter dem neuen Chef John Cryan. So wird auch der Rücktritt von Richard "Dick" Walker, der 14 Jahre lang die Rechtsabteilung geleitet hat, vornehm verpackt.

Er werde zum Jahresende sein Amt als "General Counsel" auf eigenen Wunsch niederlegen, der Bank aber weiterhin als "Vice Chairman Legal" zur Verfügung stehen, heißt es in einer internen Mitteilung der Bank. Bis auf Weiteres gehört Walker sogar dem erweiterten Vorstand (Group Executive Committee) an. Der Konzern bestätigte die Personalie auf Nachfrage.

Deutsche-Bank-Jurist Walker: Bei der Aufsicht nicht gut gelitten
Deutsche Bank

Deutsche-Bank-Jurist Walker: Bei der Aufsicht nicht gut gelitten

Das alles klingt nach einem ehrenvollen und gut bezahlten Vorruhestand für den 64-jährigen Walker. Er galt als Vertrauter von Anshu Jain, der als Co-Chef der Deutschen Bank Chart zeigen auf Druck der deutschen Finanzaufsicht BaFin und der Aktionäre Ende Juni zurückgetreten war. Bei der BaFin ist auch der Amerikaner Walker nicht gut gelitten. In seine Ära als oberster Jurist fällt eine schier endlose Zahl von Skandalen und Affären.

Die BaFin hatte in ihrem Abschlussbericht zur Libor-Affäre um manipulierte Zinsen kein gutes Haar an Walker gelassen und die mangelhafte Aufarbeitung des Skandals kritisiert. Auch bei anderen der insgesamt mehr als 6000 Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank hatte Walkers Abteilung aus Sicht der BaFin nicht immer so kooperiert, wie man sich das bei der Aufsicht vorstellt.

Weitere Top-Manager müssen zittern

Walkers Demission ist Teil eines größeren Umbaus der Rechtsabteilung. Der neue Co-Chef Cryan - dessen Partner Jürgen Fitschen zuletzt nur noch am Rande beziehungsweise in München vor Gericht in Erscheinung trat - hat vorerst selbst die Leitung des Rechtsressorts im Vorstand übernommen. Mittelfristig soll jedoch offenbar Nadine Faruque zum Rechtsvorstand aufsteigen, erzählt man sich in der Bank. Sie wäre die erste Frau in dem Gremium, seit Ellen Schneider-Lenné 1996 ausschied. Als externer Kandidat wird jedoch immer wieder auch Markus Diethelm genannt, der diese Position derzeit bei der Schweizer UBS innehat.

Walkers Aufgaben als Chefjustiziar werden künftig der Deutsche Christoph von Dryander und der Brite Simon Dodds gemeinsam übernehmen. Zwei Abteilungen, die sich in der Vergangenheit mit überschaubarem Erfolg um die interne Aufarbeitung von Skandalen bemüht hatten, werden zusammengelegt, die Incident Management Group und die Central Investigation Unit. Leiter der neuen Einheit wird Niko von Tippelskirch.

Im Oktober will der neue Chef Cryan seine Antrittsagenda für den skandalgeschüttelten Konzern vorlegen. Sie dürfte ein groß angelegtes Sparprogramm enthalten. Viele in der Bank fürchten, dass auch weitere Köpfe auf der Führungsebene rollen werden. Andere hoffen genau darauf.

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Die BaFin hatte in ihrem Libor-Bericht auch die Vorstände Stephan Leithner, Stefan Krause und Henry Ritchotte kritisiert sowie unter anderen den Chef der Vermögensverwaltung, Michele Faissola. Die Nervosität in diesen Kreisen sei groß, heißt es in der Bank. Wer wirklich gehen muss, ist aber noch offen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner will dem Vernehmen nach nicht zu viele Getreue Anshu Jains vertreiben. "Anshu's Army" sei noch immer zu wichtig für die Geschäfte der Deutschen Bank, heißt es. Ob John Cryan das auch so sieht, wird sich nun bald zeigen.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
räbbi 07.08.2015
1.
Zeit wird's. Es hat ja keiner was dagegen, wenn die Deutsche Bank krumme Dinger dreht. Das gehört zum Geschäftsmodell. Aber dabei lässt man sich nicht erwischen und wenn man sich mal erwischen lässt, muß es die Rechtsabteilung hinbiegen können. Wofür hamma se denn?!
Leser161 07.08.2015
2. Rofl
Wenn man bei krummen Dingern erwischt wird braucht man halt einen besseren Juristen. Stimmt. Sprich, die deutsche Bank will nicht umsteuern sondern sich nur weniger erwischen lassen.
snobody2 07.08.2015
3. Überall, wo schmutzige Geschäfte gemacht werden ist die Deutsche Bank dabei.
Bei der Deutschen Bank läuft ja immer noch jede Woche ein Sau durch ihre Türme. Gibt es eigentlich niemand, der diesem Lindwurm mal den Garaus macht? Vielleicht geht es ja so, dass die amerikanische Kontrollbehörde mal das Dreifache festsetzt: Statt 5 Milliarden mal 15 Milliarden.
Business Ethics 07.08.2015
4.
Zitat von räbbiZeit wird's. Es hat ja keiner was dagegen, wenn die Deutsche Bank krumme Dinger dreht. Das gehört zum Geschäftsmodell. Aber dabei lässt man sich nicht erwischen und wenn man sich mal erwischen lässt, muß es die Rechtsabteilung hinbiegen können. Wofür hamma se denn?!
Doch, ich habe etwas dagegen, und zwar sehr! Vermisse ich da in Ihrem Posting irgendwie die Kennzeichnung als Ironie...?!
Jerome E. Gruber 08.08.2015
5. Ein Jurist aus dem guten Hause UBS...
das wäre die beste Variante. Der kennt sich bestimmt bestens aus, Illegales als legal zu beugen. Wieso überhaupt macht man es nicht einfach so, dass die Freunderl aus der Politik den angegriffenen beispringen....!?? So wie bei der Praxis der Deutschen Bank und der übrigen DAX-Firmen und vieler weiterer Firmen und damit auch vieler Gesellschafter...., Steuerbetrug durch Scheingeschäfte (über Mietbriefkästen und Scheinfirmen in Delaware und Luxemburg) als legal und als Steueroptimierung zu verharmlosen... Geben wir doch dem Geld-Adel strafrechtliche Immunität. Denn sie tun so viel für unser Volk und unser Volksvermögen! Leider wurde das Finanzoptimierungs-Modell des Geld-Adels nicht flächendeckend für alle Volksmitglieder legalisiert. Beispielsweise können Arbeitnehmer/innen ohne Millionenvermögen, ohne Stiftungen und ohne Top-Firmen nicht durch Briefkasten-Registrierungen von zum Beispiel Scheinkindern oder Schein-Verwandten auch ihre Einkommenssituation "optimieren". Petition "Pro Optmierung für alle!" Herzlichen Dank an alle Optimierungs-Politiker! Der Souverän hat Ihnen sehr viel zu verdanken. Gott Vergelt´s!
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