Deutsche Bank und Commerzbank Großaktionär Blackrock sieht mögliche Bankenfusion skeptisch

Die Gegner einer möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank bekommen Unterstützung von einem einflussreichen Anteilseigner: Die Fondsgesellschaft Blackrock hält nicht viel von einem Zusammenschluss.

Blackrock-Niederlassung in New York
REUTERS

Blackrock-Niederlassung in New York


Die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock sieht die mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank skeptisch. Man sei von der Idee nicht überzeugt, teilte die Fondsgesellschaft mit. Blackrock ist einer der größten Anteilseigner beider Institute.

Es könne nicht das Ziel sein, damit noch eine große Investmentbank nach US-Vorbild zu schaffen, weil das "nicht funktionieren würde", sagte Vizeverwaltungsratschef Philipp Hildebrand auf einer Konferenz in Frankfurt. Er verstehe die Überlegung hinter dem Fusionsplan nicht. "Welches Problem soll hier gelöst werden?", fragte der frühere Schweizer Notenbankchef.

Ver.di bleibt bei Ablehnung

Auch die Gewerkschaft Ver.di stemmt sich weiter gegen eine mögliche Fusion der beiden Institute. "Auch nach den gestrigen Aufsichtsratssitzungen lehnen wir eine Fusion weiter ab, vor allem mit Blick auf die Arbeitsplätze, die verloren gehen würden, und weil sich kein erfolgreiches neues Geschäftsmodell abzeichnet", sagte der Gewerkschafter Jan Duscheck, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. Bei einer Fusion wären Zehntausende Jobs in Gefahr.

Am Donnerstag hatten die beiden Bankchefs Christian Sewing von der Deutschen Bank und Martin Zielke von der Commerzbank ihre Kontrolleure in getrennten Sitzungen über den Stand der Sondierungen informiert.

Die Institute prüfen derzeit gegenseitig die Bücher. Wann eine Entscheidung für oder gegen eine Fusion fallen wird, ist noch völlig offen. Insider gehen jedoch davon aus, dass es in den nächsten Wochen, möglicherweise sogar noch vor Ostern, soweit sein wird. "Wir werden die Zeit der Unsicherheit, die durch die Sondierung entsteht, so kurz wie möglich halten und hart dafür arbeiten, schnell zu einem Ergebnis zu kommen", schrieb Commerzbank-Chef Martin Zielke in einer internen Mitteilung.

Sollten die beiden größten heimischen Privatbanken tatsächlich zusammengehen, entstünde das mit weitem Abstand größte deutsche Kreditinstitut - das allerdings im internationalen Vergleich immer noch ein Leichtgewicht wäre.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) gilt als Befürworter eines Deals, hat allerdings zuletzt öfter betont, eine Entscheidung sei Sache der Banken und nicht der Politik.

Deutsche Bank sieht schwaches Marktumfeld

Die Deutsche Bank schrieb in ihrem Geschäftsbericht, sie halte weiterhin an ihrem Ziel fest, in diesem Jahr eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent zu schaffen. Allerdings werde das nicht leicht. Gegenwind kommt nach wie vor vom Kapitalmarkt: "Die Marktbedingungen haben sich im Vergleich zu denen im vierten Quartal 2018 verbessert, sind aber etwas schwächer als von uns erwartet."

Offiziell veröffentlicht die Deutsche Bank erst Ende April ihre Zwischenbilanz des für die Bankenbranche traditionell besonders wichtigen Startquartals.

Für das Gesamtjahr rechnet die Deutsche Bank damit, dass sich die Erträge im Vergleich zum Vorjahr "leicht erhöhen". Sewing bestätigte auch das Ziel, die bereinigten Kosten auf 21,8 Milliarden Euro zu senken. Die Zahl der Mitarbeiter soll wie geplant auf unter 90.000 sinken.

brt/Reuters

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banker1 22.03.2019
1. Blackrock
Es wird Zeit, auf europäischer Ebene die Spielregeln für Blackrock zu ändern, so das überhaupt bei dieser Lobbymacht noch möglich ist.
Ortolan 22.03.2019
2. Stellenabbau
Die Zahl der Mitarbeiter soll unter 90.000 Stellen fallen. Es wird ich von 20000 oder gar 50000 Arbeitsplätzen gesprochen. Das ist die Einwohnerzahl einer deutschen Kleinstadt. Ich kann für alle Betroffenen nur wünschen das die Fusion nie Wirklichkeit wird!
flaschengaist 22.03.2019
3. Die Fusion wird nicht wegzudenken sein!
Klaro wäre es schön, wenn Verdi die Botschaft versprühen könnte, keine Fusion und kein Stellenabbau. Das entspricht aber nicht der Realität. So viel Pragmatismus müsste auch ein Blackrock Schweizer haben. Gegen die Verschlankung der Verwaltungsapparate hat auch ein ehemaliger schweizer Banker kein Rezept. Lieber jetzt eine Fusion als erst in 10 Jahren, wenn die Substanz nicht mehr knackig ist und vor Problemwucherung eine Implosion passiert. Vor 15 Jahren hätte vermutlich ein schweizer Banker nicht sagen können, wieviel von der Dresdner Bank heute übrig sein wird.
Der hübsche Paul 23.03.2019
4. mal davon ausgehend...
... es gibt tatsächlich ein politisches Interesse (weil der Nationalismus droht und wir neben deutschen Ackerflächen zur Grundversorgung halt auch eine deutsche Bank brauchen und die Landesbanken trotz großzügigem Rettungsschirm ja nichts gerettet haben) und dieses Interesse ist im Ergebnis zumindest so untermauert, dass der Staat einer der größten Aktionäre des neuen Instituts ist: Dann ist vielleicht jetzt - ungeachtet aller Leichen, die da noch in Kellern schimmeln mögen - der letzte Moment, eine gewaltige, schmerzhafte Konsolidierung herbeizuführen, aus der, unter Abschmelzung allen Größenwahns, mit Demut, Disziplin und eben konsequenter Restrukturierung, eine stabile, funtionierende, für deutsche Unternehmen dienliche Bank hervorgehen kann. Vielleicht möchte man ja diese Rolle nicht den Sparkassen und Volksbanken zudenken. Dann ist der politische Druck, wenn auch augenscheinlich stümperhaft publiziert, wohlmöglich strategisch berechtigt und mit einer zielführenden Orientierung hinterlegt. Vielleicht sind aber auch nur ewig Gestrige in falscher Rolle unterwegs und es ist an der Zeit, dass die Globalisierung auch der Finanzwirtschaft andere, temporär schmerzhafte, Effekte auslöst, die zu einer ökonomisch wirksamen, internationalen Konsolidierung auch nach Maßstäben entsprechender Gewinnoptimierung führt.
bartsuisse 24.03.2019
5. Keine Fusion
ohne Brechen von EU Vereinbarungen. Die verstaatlichten Anteilevder CoBa müssen erst verkauft werden, sonst ist es verbotene Staatshilfe. Schon die Nord LB war eine illegale Finanzierung der Länder. Es wäre mal Zeit dass Deutschland nicht nur moralappostelt bei andern sondern sich selbst an die Regeln hielte
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