Fusion von Deutscher und Commerzbank Die Dilettanten aus dem Finanzministerium

Die Deutsche Bank kündigt gequält Gespräche mit der Commerzbank an. Finanzminister Scholz kommt damit seiner Vision eines "nationalen Champions" näher - dabei ist das Projekt "Deutsche Commerz" zum Scheitern verurteilt.

Symbolbild (Archiv)
AFP

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Ein Kommentar von , Frankfurt am Main


Sollte sich Olaf Scholz bisweilen über seine berufliche Zukunft Gedanken machen: eine Anschlussverwendung als Investmentbanker kann er sich wohl abschminken. Gleiches gilt für seinen Staatssekretär Jörg Kukies, obwohl der sogar aus der Branche kommt und einst für Goldman Sachs gearbeitet hat.

Die beiden Strippenzieher aus Berlin arbeiten seit Monaten darauf hin, sich ihren Ruf in der Branche zu verderben. Sie sind die treibenden Kräfte hinter dem Vorhaben, die Deutsche Bank und die Commerzbank zu einem sogenannten "nationalen Champion" zusammenzuschließen. Tatsächlich haben die Vorstände beider Banken nun, nach jahrelangem Abtasten, nach einem semi-ernsten Fusionsflirt im Sommer 2016 und dem sich seit Monaten verdichtenden Geraune, beschlossen, offiziell miteinander zu verhandeln.

Auf den ersten Blick könnte man also festhalten, dass Scholz und Kukies erfolgreich sind, ihren Willen und vielleicht auch die Fusion bekommen. Richtig ist aber auch: Sie sind dabei derart dilettantisch vorgegangen, dass der Beginn der Fusionsgespräche nicht wirkt, als stünden sie am Ende einer sorgfältigen, von beiden Seiten mit Wohlwollen und Vorfreude begleiteten vorläufigen Prüfung. Sondern als seien sie das Ergebnis des Zusammenwirkens eines Haufens Amateure in Berlin, die Industriepolitik spielen wollen, es aber nicht können.

Scholz hat nicht für seine Pläne geworben

Als ließe sich eine solche Großbankenfusion mal eben schlank von oben verordnen, hielten es Scholz und Kukies offenbar für entbehrlich, entscheidende Beteiligte - neudeutsch: Stakeholder - von ihrer Idee zu überzeugen: Aktionäre, Aufsichtsbehörden wie EZB und Bafin, Analysten, Arbeitnehmervertreter und nicht zuletzt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der sich intern mit Händen und Füßen wehrt - fast niemand kann sich für Scholz' Einheitsbank erwärmen. Außer vielleicht Commerzbank-Chef Martin Zielke, der tut, was ihm sein Großaktionär Bund (15 Prozent) aufträgt. Und natürlich Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, dessen Bankfusionsvergangenheit eine Blutspur durch das deutsche Finanzgewerbe zieht. Für die Allianz kaufte er einst die Dresdner, ehe er sie wieder an die Commerzbank verkaufte; dabei verbrannte er Dutzende Milliarden.

Das neu entstehende Institut - letztlich eine Viererbande aus Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank und Dresdner - wäre ewig mit sich selbst beschäftigt. Noch mehr Kunden würden zur ausländischen Konkurrenz abwandern. Wo das nötige neue Kapital herkommen soll, ist völlig unklar. Ein überzeugendes Geschäftsmodell ist nicht in Sicht. An der nötigen Härte, die das Management beider Banken bräuchte, um die Fusion durchzuziehen, gibt es große Zweifel. Und auch die "Deutsche Commerz" wäre zu klein, um global eine wichtige Rolle zu spielen.

Noch schlimmer: Scholz hat mit seinem Druck - hinter den Kulissen und zuletzt auch öffentlich - die beiden Banken in eine peinliche Lage manövriert. Den möglichen Zusammenschluss in die Welt zu setzen und dann monatelang zuzuschauen, wie die Fusion auf dem öffentlichen Marktplatz zerredet wird, ist amateurhaft. Wie wollen die Banken, sollten die Fusionsgespräche scheitern, glaubhaft machen, allein besser dazustehen, wenn Scholz seit Wochen kaum verhohlen wissen lässt, dass er beiden ohne Fusion kaum Zukunftschancen gibt?

Gequälter Ton

Ausgeschlossen ist das Szenario eines Scheiterns der Fusionsgespräche mitnichten. Gequälter als die offizielle Verlautbarung der Deutschen Bank wie auch der Information der Mitarbeiter (hier geht es zum Text) hat jedenfalls wohl noch keine Stellungnahme hinsichtlich Fusionsgesprächen geklungen. Geradezu trotzig-putzig ist, dass die Deutsche Bank auch noch andere strategische Optionen als die Commerzbank prüfen will - denn ein begehrter Fusionspartner, etwa für ausländische Geldhäuser, ist der Konzern ja seit Jahren nicht mehr.

Man könnte aus den beiden Mitteilungen sogar den Schluss ziehen, dass die Deutsche Bank, indem sie Fusionsgespräche ankündigt, einen Schritt nach vorne geht, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder zwei Schritte zurückzutreten - nämlich wenn sie zu der Ansicht kommen sollte, dass ein Zusammenschluss wertvernichtend wäre.

In etwa sechs Wochen, so verlautet es aus der Deutschen Bank, werde Klarheit herrschen. Bis dahin kann sich Sewing mit guten Quartalszahlen Luft verschaffen und dafür werben, dass er es allein doch besser kann.

Doch selbst wenn die Fusion am Ende kommt: Es wird ein Scherbengericht geben. Die beiden größten Banken des Landes werden auf lange Zeit gelähmt sein, während sich die Konkurrenz fürs Banking im 21. Jahrhundert rüstet.

Scholz und Kukies haben es verbockt. Die Scherben wegfegen müssen andere. So wird es nichts mit staatlicher Industriepolitik, die in Berlin so angesagt ist.



insgesamt 88 Beiträge
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Objectives 17.03.2019
1. Aus zwei Lahmen wird noch lange kein Olympionike
Die Illusion einer deutschen Superbank wird eine Illusion bleiben. Man kann sich als Privatkunde von diesen beiden Instituten, insbesondere aber von der Deutschen Bank, nur fernhalten.
labuday 17.03.2019
2. schon 2003 haben wir in einem Projekt untersucht, wie und ob
die Deutsche und die Commerz zusammenpassen. Die beiden sind in ALLEN Belangen soweit auseinander, wie keine 2 anderen Banken auf dieser Welt. Ob es die IT-Systeme, die Bankenprogramme, das Klientel oder die Business-Strategie sind - nirgendwo Synergie-Effekte, außer vielleicht der Vorstandsetage. Die beiden zusammen zu bringen macht soviel sind, wie Kuhfladen und Pizza auf eine Speisekarte zu bringen.
vcmengler 17.03.2019
3.
Der beste Artikel im Spiegel in 2019. Endlich mal Sachkenntnis!
zauberer2112 17.03.2019
4. Nationaler Champion?
Aus zwei Blinden wird kein Sehender! Früher gab's mehrere Banken mit Weltrang (Deutsche, Dresdner, Commerz, HVB, LZB) und nun sollen sich die letzten zwei zusammenschließen, um ums Überleben zu kämpfen.
fottesfott 17.03.2019
5. Wer soll denn sonst die Kredite geben
wenn einer der berüchtigten deutschen Industriekapitäne mal wieder so etwas wie Monsanto samt einigen Tausend Schadensersatzprozessen kaufen will? Vielleicht plant Scholz ja heimlich einen Merger zwischen der Deutschen Bahn und Boeing...
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