Mögliche Fusion Deutsche Bank und Commerzbank führen inoffizielle Gespräche

Spekulationen über eine Fusion gibt es seit Monaten: Deutsche Bank und Commerzbank haben offenbar beschlossen, Gespräche über einen Merger zu führen - zunächst inoffiziell und in "sehr kleiner Runde".

Deutsche Bank, Commerzbank in Frankfurt am Main
Getty Images

Deutsche Bank, Commerzbank in Frankfurt am Main


Der Vorstand des größten deutschen Finanzhauses Deutsche Bank habe beschlossen, Gespräche mit dem Konkurrenten Commerzbank über eine mögliche Fusion aufzunehmen. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Finanzkreise. Es habe bereits "inoffizielle Kontakte in sehr kleiner Runde gegeben", die allerdings noch nicht in einem Stadium seien, in dem sie mitteilungspflichtig seien, so die Zeitung. Sprecher beider Geldhäuser wollten den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Insider bei der Deutschen Bank bestätigten am Samstag aber auch dem SPIEGEL, dass niedrigschwellige Gespräche über den Merger begonnen würden.

Damit steuert alles auf eine baldige Entscheidung zu. Denn über etwaige Fusionsgespräche zwischen den beiden letzten unabhängigen Großbanken Deutschlands wird seit Monaten öffentlich debattiert, was insbesondere in der Belegschaft beider Banken zunehmend für Unruhe sorgt. Die Häuser stehen zunehmend unter Druck, auch aus der Politik, für Klarheit zu sorgen, indem sie entweder schon bald auch formell Gespräche aufnehmen - oder es eben sein lassen. Offenbar hat sich Deutsche-Bank-Vorstand jetzt schon mal das Mandat seines Vorstandsgremiums gesichert, der Aufsichtsrat ist jedoch noch nicht involviert.

Schon seit dem vergangenen Sommer formulieren etwa der Staatssekretär im Finanzministerium Jörg Kukies, Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs sowie auch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) den Wunsch nach starken deutschen Banken. Die Bundesregierung stehe "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber". Der Zusammenschluss der schwächelnden Deutsche Bank mit der ebenfalls angeschlagenen Commerzbank ließe zwar das größte deutsche Finanzhaus entstehen, ob eine Fusion jedoch sinnvoll ist, um die neue Bank auch im internationalen Vergleich zu einem schlagkräftigen Player zu machen, bleibt fraglich.

Die Bundesregierung erwarte nun eine Entscheidung in den kommenden Wochen, berichtet die "Welt am Sonntag" - und zitiert aus Banker-Kreisen, es sei richtig, sich einen Termin zu geben, sonst schiebe man die Antwort auf diese Frage "noch die nächsten zwei Jahre vor sich her." Der Bund ist seit zehn Jahren mit gut 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank. Die Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise hatte das Unternehmen zum Rettungsfall gemacht. Der Staat bewahrte die Commerzbank damals mit Steuermilliarden vor dem Kollaps. Es war die erste direkte Beteiligung des Bundes an einer großen Privatbank.

Commerzbank-Chef Martin Zielke hatte zuletzt, Mitte Februar bei der Vorlage seiner Bilanz, zu den Fusionsgerüchten gesagt: "Das ist etwas, das nicht neu ist. Es macht aber überhaupt keinen Sinn, solche Spekulationen zu kommentieren oder sich daran zu beteiligen." Auch Sewing hatte sich rund zwei Wochen zuvor noch bedeckt gehalten: "Wir glauben an unseren Plan. Dafür müssen wir hart arbeiten. Und über alles andere mache ich mir keine Gedanken. Wir beteiligen uns an diesen Spekulationen nicht."

Nach drei Verlustjahren in Folge hatte die Deutsche Bank 2018 wieder einen bescheidenen Gewinn erzielt. Vorstandschef Sewing, erst seit einem knappen Jahr im Amt, kämpft jedoch darum, die Erträge seines Hauses auch dauerhaft zu sichern.

bor/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.