Kommentar zur Krise bei der Deutschen Bank Versprochen - gebrochen

Die Spitze der Deutschen Bank will die Aktionäre von ihrer neuen Strategie überzeugen. Doch ein wirklicher Kulturwandel scheint nur mit neuen Chefs möglich.
Deutsche-Bank-Chefs Fitschen (l.) und Jain: Die Investoren wenden sich ab

Deutsche-Bank-Chefs Fitschen (l.) und Jain: Die Investoren wenden sich ab

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Anshu Jain und Jürgen Fitschen werden wieder viel versprechen. Wenn die beiden Chefs der Deutschen Bank an diesem Donnerstag den Aktionären bei der Hauptversammlung gegenübertreten, werden sie von Kundenorientierung und globaler Präsenz sprechen, von der Neuausrichtung und von strategischen Optionen. Doch viele Zuhörer werden den Chefs nicht mehr glauben. Zu oft wurden sie in den vergangenen Jahren enttäuscht.

Die Deutsche Bank   steht heute so schlecht da wie selten zuvor: Milliarden-Strafen belasten das Image und den Gewinn der Bank. Im Streit um die neue Strategie hat sich die Führung so zerstritten, dass Privatkundenvorstand Rainer Neske hinschmeißt - einer der wenigen, der nicht in Skandale verwickelt war.

Das Experiment mit dem Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist gescheitert. Vor drei Jahren waren die beiden angetreten, um vieles anders zu machen als ihr Vorgänger Josef Ackermann. Die Bank sollte besser werden - wirtschaftlich erfolgreicher, moralisch sauberer. Die neuen Chefs versprachen den Investoren hohe Renditen und den Bürgern einen Kulturwandel. Keines dieser beiden Versprechen haben Jain und Fitschen wirklich eingehalten.

Die Investoren wenden sich enttäuscht ab, weil die Gewinne auf Peanuts-Niveau geschrumpft sind (siehe Grafik). Das schlägt sich im Aktienkurs nieder, der seit Amtsantritt der neuen Chefs Mitte 2012 hinter dem sämtlicher internationaler Konkurrenten zurückgeblieben ist. Selbst die chronisch kriselnde Commerzbank   hat den großen Nachbarn aus Frankfurt in dieser Hinsicht abgehängt.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Auch die jüngst verkündete neue Strategie scheint die Anleger nicht zu überzeugen. Offenbar glaubt kaum jemand daran, dass ein neues Sparprogramm und der Verkauf der Postbank ausreichen, um den entgleisten Konzern wieder in die Spur zu bringen. Einflussreiche Aktionärsvertreter fordern bereits den Umbau der Führungsspitze.

Und der Kulturwandel? Trotz großer Ankündigungen kann man zumindest daran zweifeln, dass es ihn je gab. Noch immer ist es die auf den schnellen Profit ausgelegte Kultur der Londoner und New Yorker Investmentbanker, die die Bank prägt. Eine Kultur, die durch die neue Strategie noch einmal gestärkt werden dürfte.

Die Gehälter vieler Investmentbanker sind noch immer absurd hoch. Allein für das vergangene Jahr erhielten die 2057 Top-Leute der Sparte mehr als zwei Milliarden Euro. Für die rund 600.000 Aktionäre bleibt dagegen insgesamt gerade mal die Hälfte übrig - gut eine Milliarde Euro.

Zudem drückt sich die Deutsche Bank vor der sauberen Aufarbeitung ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Zuletzt hat sich die britische Finanzaufsicht massiv über die mangelnde Kooperationsbereitschaft beschwert, die die Bank bei der Aufklärung des sogenannten Libor-Skandals um manipulierte Zinssätze gezeigt habe. Auch die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin ging deshalb bereits hart mit dem Konzern ins Gericht.

Die Bank, so scheint es, gibt immer gerade so viel zu, wie man ihr nachweisen kann - und spricht auch dann noch von Einzelfällen, wo längst ein System erkennbar ist. Das wird wohl so bleiben, solange das Finanzinstitut von Leuten geführt wird, die selbst jahrelang für die Skandalbereiche der Bank verantwortlich waren. Einer von ihnen, der Jain-Vetraute Alan Cloete, muss nun zwar doch gehen. Das hat der Aufsichtsrat noch eilig in der Nacht vor der Hauptversammlung beschlossen. Doch Jain selbst wird innerhalb des Vorstands sogar gestärkt. Der frühere Chef des Investmentbankings ist künftig auch offiziell für die Strategie des Konzerns verantwortlich.

"Das Verhalten dieser Leute war verwerflich", hat Jain jüngst in Bezug auf die Libor-Manipulationen seiner Bank zugegeben, "und ich war ihr Anführer". Ein ungewöhnlich offenes Schuldeingeständnis - das bislang ohne persönliche Konsequenzen geblieben ist.

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