USA gegen Deutsche Bank "Bei Weitem nicht beendet"

Für die US-Regierung ist die Milliardenforderung gegen die Deutsche Bank ein Testfall: Wie viel kann sie von den Europäern für die Mitverantwortung an der Finanzkrise verlangen? Washington pokert dabei ganz bewusst hoch.

Deutsche-Bank-Zentrale
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Von , New York


Die Society of Corporate Compliance and Ethics (SCCE) ist ein etwas obskurer US-Verein, der mit Seminaren und Networking-Veranstaltungen gegen krumme Geschäfte in der Wirtschaft kämpft. Wie schwierig so etwas ist, zeigte sich diese Woche auf der SCCE-Jahrestagung in Chicago.

Gastredner war Bill Baer, Chef der Kartellabteilung im US-Justizministerium. Er konzentrierte sich auf ein altes Reizthema - die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise von 2008: Ursache sei ein atemberaubender Ethikverfall bei den Banken gewesen, die den Kollaps mit windigen Hypothekendeals ausgelöst hätten. Dank mangelnder "Kooperation" der Institute sei man bis heute damit beschäftigt, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Jeder wusste, wen Baer damit aktuell meinte - die Deutsche Bank. Denn die steht zurzeit in Vergleichsverhandlungen mit der US-Regierung, die ihr wegen ihrer Verwicklung in die Krise satte 14 Milliarden Dollar abfordert.

Der Streit hat Deutschlands größtes Geldhaus ins Wanken gebracht. Der Kurs brach zeitweise ein, Hedgefonds sollen ihre Einlagen reduziert haben, Investoren spekulieren über einen staatlichen Rettungsplan oder eine Pleite.

Für Washington dagegen ist dies ein Testfall: Wie viel kann es den Europäern für ihre Mitschuld an der Finanzkrise in Rechnung stellen? Im Visier stehen da auch Barclays Chart zeigen, HSBC Chart zeigen, Credit Suisse Chart zeigen, UBS Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Chart zeigen.

Der Verhandlungspoker der US-Justiz

Manche glauben, dass die Amerikaner die Deutsche Bank härter anpacken als die US-Konkurrenz. "Es gibt Studien, die belegen, dass das amerikanische Rechtssystem ausländische Firmen regelrecht diskriminiert", sagte Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.

Doch das Getöse ist nur Teil des Verhandlungspokers. Die US-Justiz setzte ihre Forderungen auch an die amerikanischen Banken immer erst mal hoch an, um am Ende eine Summe zu erzielen, die schmerzt, ohne zu ruinieren. So wollte sie von der Bank of America zunächst 20 Milliarden Dollar für ihre Rolle in der Finanzkrise, gab sich aber mit 16,7 Milliarden Dollar zufrieden.

Da wären 14 Milliarden Dollar trotzdem nicht weit hergeholt. Bisher haben die USA nach Berechnungen des "Wall Street Journals" rund 110 Milliarden Dollar von den Banken eingetrieben - allesamt amerikanische Institute: Bank of America Chart zeigen (16,7 Milliarden Dollar), JP Morgan Chase (13 Milliarden Dollar), Citigroup Chart zeigen (7 Milliarden Dollar), Goldman Sachs Chart zeigen (5,1 Milliarden Dollar), Morgan Stanley Chart zeigen (2,6 Milliarden Dollar), Wells Fargo Chart zeigen (175 Millionen Dollar).

Die Summen richteten sich nicht nur nach der Größe der Banken oder ihrem Marktanteil, sondern auch an der Beweislast. Sie beabsichtige auf keinen Fall, die Ansprüche "in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht", hielt die Deutsche Bank bereits dagegen. Vielmehr erwarte man ein Ergebnis, "das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben". Analysten nannten bis zu fünf Milliarden Dollar.

Eine baldige Einigung ist nicht in Sicht

Die große Differenz dürfte eine Einigung bis Jahresende erschweren, obwohl beide Seiten das eigentlich hoffen - die Amerikaner, um das Thema vor den Präsidentschaftswahlen am 8. November vom Tisch zu haben, und Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der sich um die Bilanz sorgt.

Die Verzögerung könnte teuer werden. Je länger sich eine Bank der Strafe widersetzt habe, berichtete Bill Baer in Chicago von früheren Fällen, desto länger habe sie unter einem "Schatten der Ungewissheit" gelitten - und letztendlich "viel mehr gezahlt", als wenn sie frühzeitig kooperiert hätte.

"Auch wenn ich nichts über laufende Ermittlungen sagen kann", fügte Baer nicht nur an die Adresse der Deutschen Bank hinzu, "kann ich versichern, dass unsere Bemühungen, jene zur Rechenschaft zu ziehen, die sich Fehlverhalten zuschulden kommen ließen, bei Weitem nicht beendet sind".

insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
Benko 30.09.2016
1. Nun
Es sagt viel über Europa und seine Strukturen aus, dass erst die Amis kommen müssen um unsere eigenen Banken zu räsonieren. Warum kriegt die tolle EU das nicht selber hin? Und damit meine ich nicht den mahnenden Zeigefinger plus Spesenersatz-Forderung wie in Deutschland üblich, sondern genau die Summen und die Härte gegenüber Konzernen die beim Normalo-Bürger ja schließlich auch gnadenlos greifen (relativ natürlich). Warum läuft praktisch alles falsch in dieser EU was gerecht und sinnvoll sein sollte?
rkinfo 30.09.2016
2.
Die Entwicklung der abenteuerlichen Finanzprodukte entstand doch in den USA der 90er Jahre und wurde von dubiosen US-Juristen immer weiter entwickelt. Gleichzeitig entstanden in den USA die 'Credit default swap', welche gewaltige Hebelwirkung als Luftnummern erzeugten. Nachdem die USA ja offensichtlich eher an ausländischen Firmen vergreifen ist damit auch TTIP als Betrugsversuch der USA enttarnt. Unsere Politiker sollten nun energisch diese Mißstände in den USA thematisieren. Vielleicht verderben zuviel Chlorhühner als Mahlzeit den Geschmacksinn für faire Politik ?
herumnöler 30.09.2016
3. Was ist an der SSCE
Obskur war eher das ehemalige Geschaeftsgebahren der Deutschen Bank, die es zuliess, dass Kunden - wie ich - sich auf Investments einliessen, gutglaeubig, das die Deutsche Bank die Interessen ihrer Kunden vertreten wuerde. Eine krachende Pleite mit vielen "freiwerdenden" Jobs der betreffenden Herren und Damen wuerde ich sehr begruessen. Ausgenommen sind die einfachen Angestellten, die nicht wissen, auf welchen krummen Arbeitgeber sie sich da eingelassen hatten.
De facto 30.09.2016
4. Titt for tatt
Es ist bestimmt richtig die Banken für Fehlverhalten zu strafen. Man fragt sich nur warum die EU nicht z.B. Goldman Sachs zu Rechenschaft zieht wegen Beihilfe, im Fall von Italien und Griechenland, die Überschuldung zu vertuschen bei der Euroeinführung. Da könnte man bestimmt ein paar hundert Milliarden holen.
abasobaba 30.09.2016
5. Bitte Artikel korrigieren
Dass "Society of Corporate Compliance and Ethics" nicht mit SSCE abgekürzt wird, sollte doch leicht ersichtlich sein. Die richtige Abkürzung lautet SCCE.
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