Diskussion um Staatshilfe Warum die Bundesregierung die Deutsche Bank retten sollte

Die Deutsche Bank taumelt täglich tiefer in die Krise - doch die Bundesregierung will von Staatshilfe nichts wissen. Dabei könnte ein Einstieg des Bundes genau die richtige Lösung für das Geldhaus sein.
Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt

Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Wie muss es um eine Bank stehen, wenn die Nachricht, dass die Regierung sie nicht retten will, die Aktie abstürzen lässt? Ziemlich schlecht.

Bei der Deutschen Bank brennt es lichterloh. Das Kapital ist beim größten deutschen Geldhaus ohnehin knapp. Und nun droht ihm auch noch eine riesige Strafe aus den USA. 14 Milliarden Dollar will das US-Justizministerium laut einer ersten Forderung von der Bank. Auch wenn es am Ende etwas weniger werden dürfte: Ob der Konzern die Strafe aus eigener Kraft zahlen kann, ist höchst fraglich.

Was tun? Die Aktionäre schon wieder um frisches Geld bitten (und das Risiko eingehen, dass sie nichts mehr geben wollen)? Die Teile der Bank verkaufen, die noch etwas wert sind (und auf den ungeliebten Teilen sitzen bleiben)?

Die Zukunftsperspektiven für die Deutsche Bank sind nicht gerade rosig. Egal, was sie tut - am Ende wird sie nicht mehr die Deutsche Bank sein, wie wir sie heute kennen. Im besten Fall schrumpft sie sich selbst zusammen und steigt aus noch mehr riskanten Handelsgeschäften aus. Doch das war zumindest bisher nicht der Plan der Führungsspitze. Vor allem der mächtige Aufsichtsratschef Paul Achleitner hielt stets eisern an der umstrittenen Investmentbanking-Sparte fest, die der Bank in den vergangenen Jahren so viel Ärger eingebrockt hat.

Womit die Möglichkeit ins Spiel käme, über die nun gerade heiß diskutiert wird: Frische Milliarden vom deutschen Staat - oder, anders gesagt, von den Steuerzahlern. Bevor Sie, liebe Leser, nun wütend auf Ihren Schreibtisch springen oder Ihr Smartphone durch die U-Bahn werfen, lassen Sie uns bitte kurz über die möglichen Vorteile einer solchen Lösung nachdenken.

Geld gegen Mitsprache

Wenn der Staat vorübergehend bei der Deutschen Bank einstiege - also ein größeres Aktienpaket der Bank kaufte - könnte er damit zwei Probleme auf einmal lösen: Die Lage der Bank würde sich durch die Kapitalspritze sofort beruhigen. Und die Bundesregierung könnte das Management mit Druck dazu bringen, den Konzern stärker zu schrumpfen und auf solide Grundlagen zu stellen, etwa als reine Privat- und Firmenkundenbank. Eventuell könnte man sie sogar mit der ebenfalls kriselnden Commerzbank fusionieren. An der hält der Bund schließlich immer noch einen Anteil von rund 15 Prozent.

Wenn am Ende alles gut geht, ließen sich die verstaatlichten Aktienpakete später wieder teuer verkaufen - und der Steuerzahler würde womöglich sogar einen Gewinn machen.

Zugegeben, das Manöver wäre nicht risikolos. Aber dass es gelingen kann, haben zum Beispiel die USA vorgemacht, die auf dem Höhepunkt Finanzkrise reihenweise den großen Banken ihr Staatsgeld aufzwangen und am Ende doppelt davon profitierten: Die US-Banken kamen gesünder aus der Krise als die europäischen, und die Regierung in Washington hatte damit auch noch Geld verdient.

Es war womöglich ein Fehler, dass die Bundesregierung im Herbst 2008 nicht ebenso konsequent durchgegriffen hat. Er würde sich schämen, wenn die Deutsche Bank Staatshilfe in Anspruch nehmen müsste, verkündete damals Konzernchef Josef Ackermann. Und wurde fortan auch von der Politik in Ruhe gelassen.

Die Folge war, dass die Deutsche Bank zu wenig Lehren aus der Finanzkrise zog. Weitermachen wie bisher - das war lange die Devise. Mittlerweile schleppt sich der einst so stolze Konzern von einem Tiefpunkt zum nächsten. Der Aktienkurs ist so niedrig wie noch nie. An der Börse ist der ganze Konzern nicht einmal mehr 16 Milliarden Euro wert. So billig gab es Deutschlands größtes Geldhaus noch nie. Für den Staat könnte es ein Schnäppchen sein - wenn er es nutzt, um die Bedingungen zu diktieren.

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