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17. Januar 2017, 19:13 Uhr

Sparkurs

Deutsche Bank will Boni bis zu 90 Prozent kürzen

Von und

Macht John Cryan jetzt Ernst? Nach SPIEGEL-Informationen will der Deutsche-Bank-Chef den Führungskräften Bonuszahlungen drastisch zusammenstreichen. Damit bekämen viele Top-Verdiener die Krise erstmals zu spüren.

Bei der Deutschen Bank bahnt sich ein drastischer Einschnitt in die Bonuszahlungen führender Mitarbeiter an. Nach Informationen des SPIEGEL will die Bank an diesem Mittwoch verkünden, dass bei nicht tarifgebundenen Angestellten rund 90 Prozent der Bonuszahlungen für das Jahr 2016 gestrichen werden. Betroffen seien erstmals auch in großem Stil Investmentbanker in London und New York, heißt es aus der Bank. Eine Sprecherin wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

Für bestimmte Personengruppen soll es allerdings Ausgleichspakete geben, um die Auswirkungen zu begrenzen und eine Massenabwanderung von Mitarbeitern zu verhindern. So sollen vor allem Führungskräfte, an denen wichtige Kundenbeziehungen hängen, weiterhin Bonuspakete erhalten, die jedoch entweder erst ab 2021 ausgezahlt oder in Aktien gewährt werden, die dann zunächst nicht verkauft werden dürfen.

Konzernchef John Cryan hatte seit seinem Amtsantritt 2015 bereits mehrmals deutlich gemacht, dass er die Bezahlung in der Bankenbranche für überdimensioniert hält. Sollte die Bank den aktuellen Plan nun durchziehen, könnte dies der erste wirklich große Schritt zur Verringerung der gewaltigen Personalkosten bei Deutschlands größtem Geldhaus sein. Zwar hatte der Konzern schon in den vergangenen Jahren den Bonustopf reduziert - von 4,3 Milliarden Euro für das Jahr 2010 auf zuletzt 2,4 Milliarden Euro für 2015. Im Gegenzug wurden jedoch vielfach die Festgehälter der Top-Mitarbeiter erhöht. Die Gesamtvergütung hat sich deshalb kaum verändert.

Für das Jahr 2015 lag sie bei 10,5 Milliarden Euro. Und obwohl die Bank damals einen Milliardenverlust verbuchte, die Aktionäre leer ausgingen und der Vorstand komplett auf Boni verzichtete, kassierten die rund 2000 Top-Manager der Bank damals zusammen mehr als zwei Milliarden Euro.

Auch für 2016 dürfte allenfalls ein Mini-Gewinn anfallen. Die meisten Analysten rechnen eher mit einem Verlust. Doch diesmal, so heißt es aus der Bank, würden auch die Einschnitte bei den Gehältern wirklich hart. Von "Hunger Games" ist die Rede - während die großen Wall-Street-Banken längst wieder feierten.

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